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Olympische Spiele Russisches Staatsdoping bestätigt – «harte Sanktionen» geplant

Die Sportwelt ist in Aufruhr: Der am Montag veröffentlichte McLaren-Bericht der Welt-Anti-Doping-Agentur bestätigt, dass über Jahre hinweg positive Proben verschwunden seien und das russische Sportministerium die Manipulationen überwacht habe.

Legende: Video «WADA-Bericht bestätigt russisches Staatsdoping» abspielen. Laufzeit 3:09 Minuten.
Aus sportaktuell vom 18.07.2016.

Der mit Spannung erwartete McLaren-Report hat ein systematisch und von höchsten politischen Kreisen gedecktes Doping-System in Russland während der Olympischen Spiele 2014 in Sotschi bestätigt. Das gab Sonderermittler Richard McLaren bei der Vorstellung des von der Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA) initiierten 97-seitigen Untersuchungsberichts in Toronto bekannt.

Demnach habe das russische Sportministerium die Manipulation mit Hilfe des russischen Geheimdiensts FSB «gelenkt, kontrolliert und überwacht», hiess es im Bericht. So seien im Moskauer Anti-Dopinglabor über Jahre hinweg positive Proben verschwunden, um gedopte russische Athleten zu schützen.

15 von 33 Sotschi-Medaillengewinnern verdächtigt

Den Stein ins Rollen gebracht hatte Grigori Rodschenkow. Der in die USA geflüchtete frühere Chef des Moskauer Labors hatte im Mai berichtet, bei den Winterspielen vor zwei Jahren in Sotschi seien hunderte Dopingproben ausgetauscht und manipuliert worden. 15 der 33 russischen Medaillengewinner sollen positiv getestet worden sein.

Nach Vorlegung des Untersuchungsberichts muss nun das Internationale Olympische Komitee (IOC) eine Entscheidung über eine mögliche Sperre Russlands für die anstehenden Spiele in Rio treffen; McLaren oder die WADA haben keinerlei Entscheidungsbefugnis.

Jeder, der nicht involviert war, kann nicht für das Fehlverhalten anderer bestraft werden.
Autor: Thomas BachIOC-Präsident

Komplettausschluss unwahrscheinlich, harte Sanktionen geplant

IOC-Chef Thomas Bach will zwar «null Toleranz» gegenüber gedopten Sportlern, hatte aber etwa einen Komplett-Ausschluss Russlands bislang abgelehnt. Der Deutsche hatte vor der Veröffentlichung des Berichts gesagt, das IOC müsse die richtige Balance zwischen kollektiver Verantwortung und individueller Gerechtigkeit finden. «Es ist offensichtlich, dass man einen Badminton-Spieler nicht für Manipulationen eines Offiziellen oder eines Laborleiters bestrafen kann.»

Bachs erste Reaktion nach der Publikation des McLaren-Berichts klang dann allerdings weniger aufgeschlossen. Das Vorgehen der Russen sei ein «erschreckender und beispielloser Angriff auf die Integrität des Sports». Weiter verspricht er: «Ich werde nicht zögern, härteste Sanktionen gegen alle involvierten Individuen und Organisationen zu treffen.»

Bald zwei Schweizer Olympiasieger mehr?

Ebenfalls im Raum stehen allfällige Aberkennungen von russischen Erfolgen in Sotschi. Davon könnten auch Schweizer profitieren: Sowohl das Duo Beat Hefti/Alex Baumann im Zweierbob als auch der Snowboarder Nevin Galmarini im Parallel-Riesenslalom haben Silber gewonnen und russische Athleten vor der Nase. Deren Disqualifizierung würde alle drei Schweizer Athleten sofort zu Olympia-Siegern machen.

Putin will Offizielle suspendieren

Russlands Präsident Vladimir Putin hat derweil auf die Vorwürfe der WADA reagiert und Massnahmen angekündigt. «Funktionäre, die in dem Bericht als direkt Beteiligte genannt werden, sollen bis zum Ende der Untersuchungen suspendiert werden», teilte der Kremlchef am Montag mit. Namen nannte Putin allerdings keine.

Am Dienstag wird die IOC-Exekutive zu einer Telefonkonferenz einberufen. Das Gremium wird vorläufige Massnahmen und Sanktionen im Hinblick auf die Olympischen Spiele in Rio besprechen.

Sendebezug: Radio SRF 3, Nachmittagsbulletin, 18.7.2016, 16:00 Uhr

14 Kommentare

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  • Kommentar von Franziska Iseli (Franziska)
    Bei so flächendeckendem Doping mit Manipulationen von oben, kann sich kein russischer Sportler herausreden, er hätte nichts gewusst und er sei nie positiv getestet worden, deshalb sei er sauber. Ich plädiere deshalb für den Kollektuvausschluss des russischen Teams, mit der Möglichkeit von Ausnahmeregelungen von Sportlern, die andernorts getestet wurden. Lässt man die russischen Sportler zu, erlaubt man eine Kollektivstrafe gegenüber den sauberen Sportlern an den Olympischen Spielen.
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  • Kommentar von Franziska Iseli (Franziska)
    Man kann jede Untersuchung anzweifeln, wenn man etwas nicht glauben will. Wenn man dieses Thema schon länger verfolgt (zBsp. ARD-Reportagen übers Doping) passt der Bericht aber genau ins Bild, das da gezeichnet wird. Russland ist wohl die Spitze des Eisberges, wo m.E. auch die best organisiertesten Manipulationen stattfinden. Dass Kenia und Jamaika auch keine Unschuldslämmer sind, ist ebenso bekannt. Wenn aber jetzt die Spitze nicht bestrafft wird, dann ist der Kampf endgültig verloren.
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  • Kommentar von Beppie Hermann (Eine rechte Grüne)
    Wie viel Freude bereiten Sportanlässe Sportlern und Zuschauern überhaupt noch, wenn man dabei vermuten muss, dass Russland wohl nicht alleine da steht, wenn ein Sportler das aufkommende Gefühl verdrängen muss, nicht gewonnen zu haben, weil er nicht gedopt war. Hinzu dann noch diese ganzen Wettbeschisse... Korruption ohne Ende.
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