Cancellara: Ein letzter Traum in Rosa

Fabian Cancellara wird am Freitag erstmals seit 2009 wieder den Giro d'Italia unter die Räder nehmen. Der Berner hat vor allem ein Ziel: Vor dem Karriereende seine Trikot-Sammlung zu komplettieren.

Fabian Cancellara während dem Zeitfahren beim Tirreno-Adriatico. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Der gefürchtete Zeitfahrer Fabian Cancellara. EQ Images

Die Schmerzen sind mittlerweile abgeklungen. Und auch die Enttäuschung hat sich bei Fabian Cancellara gelegt. Klar hätte er sich für seinen letzten Frühling als Radprofi mehr erhofft. Er, der Klassikerjäger schlechthin, der in Flandern und bei Paris-Roubaix noch einmal ganz zuoberst stehen wollte.

Seit seinem Sturz in der «Hölle des Nordens» hat der 35-Jährige kein Rennen mehr bestritten. Das war von Anfang an so vorgesehen. Denn dahinter steckt ein Plan.

Gelb, Rot und jetzt Rosa?

Am Freitag wird Cancellara erst zum dritten Mal in seiner Karriere (nach 2007 und 2009) den Giro d'Italia in Angriff nehmen. 3463 Kilometer, verteilt auf 3 Wochen. Zu Ende gefahren hat er die Italien-Rundfahrt bisher nie. Das dürfte auch bei seinem dritten und letzten Anlauf nicht der Hauptanreiz sein.

«  Die Aufstiege und die ganze Strecke sind härter als die Tour. »

Fabian Cancellara

Fabian cancellara im gelben Leadertrikot der Tour de France. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Bald in rosa? Das gelbe Leadertrikot der TdF trug Cancellara ganze 29 Mal. Keystone

Cancellara schielt auf das Leadertrikot, die Maglia Rosa. Es ist das einzige Jersey, dass ihm in seiner stolzen Sammlung noch fehlt. Das gelbe Trikot der Tour de France, das rote Leadershirt der Vuelta und auch diejenigen der Tour de Suisse und der Tour de Romandie - sie alle hat der Schweizer schon ergattert. «Das Rosa Trikot des Giro zu tragen, ist definitiv ein Ziel», hatte der Berner bereits vor der Saison gesagt.

Von Krankheit ausgebremst?

Gegenüber Eurosport sprach Cancellara von der speziellen Bedeutung des Giro. Dass er Halb-Italiener ist, sei eine Sache. «Aber der Giro ist ein Wahnsinnsrennen. Die Aufstiege und die ganze Strecke sind härter als die Tour. Davon bin ich überzeugt», so der Berner, dessen Vater in der Region Basilicata aufgewachsen ist.

«  Er wird nur schwer zu schlagen sein. »

Tom Dumoulin
über Fabian Cancellara

Die harten Aufstiege dürften Cancellara wenig entgegenkommen, ganz im Gegensatz zum 9,8 Kilometer langen Zeitfahren, das am Freitag im niederländischen Apeldoorn den 99. Giro einläutet. «Wenn er die Beine hat wie Mitte März beim Tirreno, wird er nur ganz schwer zu schlagen sein», räumt ihm etwa der niederländische Zeitfahrspezialist Tom Dumoulin grosse Siegchancen ein.

Die Strecke in Apeldoorn ist topfeben und damit zweifelsohne auf den 4-fachen Zeitfahrweltmeister zugeschnitten. Die Maglia Rosa liegt bereit. Ob sich Cancellara seinen rosa Traum am Freitag erfüllen kann, hängt aber auch von seiner Gesundheit ab. Noch am Donnerstag lag der Schweizer mit Fieber im Bett.

Sendebezug: Radio SRF 1, Bulletin von 17:00 Uhr, 05.05.2016