Die an der Tour de France für Dopingkontrollen zuständige International Testing Agency (ITA) hat am Ruhetag vom Montag sämtliche Fahrer kontrolliert, die sich noch im Rennen befinden. Die Blutproben für den Biologischen Athletenpass sollen die üblichen Kontrollen ergänzen, wie die ITA am Dienstagabend mitteilte.
Die Entnahmen fanden zu den reglementarisch vorgegebenen Zeiten statt (06:00 bis 23:00 Uhr) – im Gegensatz zu den umstrittenen nächtlichen Kontrollen vor wenigen Tagen. Für Letztere ist eine zusätzliche Genehmigung notwendig. Ein Gericht in Paris hat eine solche gemäss der Zeitung L'Équipe auf Antrag der ITA erteilt.
In der Nacht auf Sonntag war unter anderem Jonas Vingegaard (DEN) um 02:00 Uhr geweckt worden. In der Etappe darauf stürzte er schwer und musste die Tour abbrechen. Tour-Leader Tadej Pogacar schloss einen Zusammenhang mit der gestörten Nachtruhe nicht aus.
Nur wenige Stunden nachweisbar
Gemäss dem Direktor von Swiss Sports Integrity, Ernst König, sind nächtliche Kontrollen aber sinnvoll: «Hauptsächlich liegen die Gründe in Substanzen, die sich sehr schnell abbauen, zum Beispiel Wachstumshormone, Testosteron oder EPO-Varianten.» Bei diesen Substanzen sei es möglich, dass ein Athlet diese vor dem Zubettgehen zu sich nehme. Aber am nächsten Morgen seien sie nicht mehr nachweisbar.
Dabei geht es um Mikrodosen, die indirekt leistungsfördernd sind, weil sie die Regeneration beschleunigen. Der frühere Dopingsünder Jonathan Vaughters, ein Ex-Teamkollege von Lance Armstrong, hält Nachtkontrollen für sinnvoll. «Hätte die UCI uns 2001 um 2 Uhr nachts getestet – wir wären alle suspendiert worden und hätten dem Sport 25 Jahre Drama erspart», so der Amerikaner.
Eine Güterabwägung
König fordert von den Dopingjägern aber auch Augenmass. «Das Ziel ist Fairness. Wir wollen gleich lange Spiesse für alle Athletinnen und Athleten.» Kontrollen zu Unzeiten hätten das Potenzial, den Wettkampf zu beeinflussen. «Hier müssen wir eine Güterabwägung machen», betont König.
Einen Dopingfall gab es an der diesjährigen Tour de France bislang nicht. Letztmals wurde an der Frankreich-Rundfahrt vor elf Jahren der Italiener Luca Paolini erwischt.