Vom Himmel direkt in die Hölle ging es für Noemi Rüegg in diesem Frühjahr. Bei der Vuelta España Femenina fuhr sie am 3. Mai zum Tagessieg und dem grössten Erfolg ihrer Karriere, am 4. Mai stürzte sie im Leadertrikot, brach sich die rechte Schulter und musste die Rundfahrt aufgeben. Statt um weitere Siege zu fahren, war die Zürcherin vorerst zum Warten verdammt. Selbst alltägliche Dinge zu erledigen, war aufgrund der lädierten Schulter eine Herausforderung.
Ihr grosses Saisonziel, die Tour de France mit Start am 1. August, hat Rüegg während der Reha aber nie aus den Augen verloren. Tatsächlich ist die 25-Jährige nun wieder im Fahrplan. Nach vielen Wochen auf der Rolle ist Rüegg jüngst wieder ins normale Training eingestiegen. Sie spricht von einer «grossen Befreiung. Alles geht ziemlich ohne Einschränkung, das tut gut.»
Die Tour de Suisse vor dem TV
Die Verletzungspause sei eine der grössten Herausforderungen in ihrer Karriere gewesen. Mit dem Etappensieg an der Vuelta sei ein Traum in Erfüllung gegangen. Zudem habe ihr der Erfolg viel Selbstvertrauen und einen Boost gegeben. Während schwierigen Tagen hat sie regelmässig das Video des Sieges hervorgekramt. «Das war Motivation genug.» Insgesamt hätte sie die Phase aber «recht gut» verarbeiten können.
Auch bei der Tour de Suisse war Rüegg zum Zuschauen verdammt. Obwohl sie selbst gerne am Start gestanden hätte, verfolgte sie das Rennen intensiv am TV. Während ihre Konkurrentinnen in der Hitze um Spitzenplätze spurteten, spulte sie ihre Kilometer indoor auf der Rolle ab.
Defizite im Sprint
Mit Blick auf die Tour de France ist Rüegg mittlerweile sehr zuversichtlich. «Es war schon ein Rennen gegen die Zeit und ich muss auch jetzt noch jeden Tag ausnutzen. Aber ich bin soweit auf Kurs», frohlockt die Fahrerin vom Team EF Education-Cannondale.
Nur bei einem allfälligen Sprint wäre Rüegg derzeit noch in Rücklage. Während sie die Schulter ohne Einschränkungen brauchen kann, fehlt im rechten Arm noch die Kraft, um ans Limit zu gehen.