Nach dem bitteren Aus von Jonas Vingegaard dürften die letzten Zweifel am nächsten Triumph von Tadej Pogacar ausgeräumt sein. Nur ein Sturz oder eine Krankheit könnte den überlegenen Slowenen in der letzten Woche der Tour de France wohl noch um den fünften Gesamtsieg bringen. Zu überlegen tritt der 27-Jährige derzeit in die Pedale.
Doch hinter Pogacar ist der Kampf um das Podest erst recht entbrannt. Daneben sind auf Nebenschauplätzen noch weitere Fragen offen:
Wie übersteht Evenepoel die Alpen?
Die derzeit besten Aussichten auf den 2. Rang hat Remco Evenepoel. Der Doppel-Olympiasieger aus Belgien geht nach seinem Etappensieg am Sonntag mit viel Schwung in die letzte Tourwoche. Zumal dürfte er seinen Vorsprung gegenüber seinen Konkurrenten im Zeitfahren am Dienstag noch ausbauen können.
Entscheidend wird jedoch sein, wie Evenepoel in den Alpen zurechtkommt. Noch drei schwere Bergetappen stehen auf dem Programm, darunter die Königsetappe mit 5600 Höhenmetern und Ziel auf der legendären Alpe d'Huez am Samstag.
Wer schnappt sich Weiss?
Den 2. Rang dürften Evenepoel Paul Seixas und Isaac Del Toro streitig machen. Das Duo duelliert sich nebenbei auch noch um das weisse Trikot des besten Nachwuchsfahrers. Del Toro (3.) liegt derzeit 25 Sekunden vor dem französischen Ausnahmetalent und hat ein weiteres Ass im Ärmel.
Weil Pogacar derart überlegen ist, stellte er sich am Sonntag in die Dienste seines eigentlichen Helfers, schliesslich winkt dem Team UAE ein Doppelsieg in der Gesamtwertung: Zuletzt schaffte dieses Kunststück das Team Ineos an der Tour 2019 dank Gesamtsieger Egan Bernal und Geraint Thomas auf Platz 2.
Von weltmeisterlicher Unterstützung kann Seixas in seinem Decathlon-Team nur träumen, doch der 19-Jährige zeigt sich bei seiner Tour-Premiere bislang unbeeindruckt. Oder gibt es am Ende einen lachenden Dritten? 1:25 Minuten hinter Del Toro lauert der Spanier Juan Ayuso.
Kann Voisard Frank beerben?
Vom angestrebten Etappensieg war das Schweizer Tudor-Team bislang weit entfernt. Doch in der Gesamtwertung hat sich mit Yannis Voisard ein Schweizer klammheimlich nach vorne gearbeitet. Der Jurassier fuhr am Sonntag lange an der Spitze mit und machte sechs Ränge gut. Derzeit belegt Voisard im Gesamtklassement Platz 11, der Rückstand auf Jordan Jegat auf Rang 10 beträgt 2:18 Minuten.
Ein Rang in den Top 10 wäre nicht nur für das Team Tudor, sondern auch für die Radsport-Schweiz ein schöner Erfolg. In diesem Jahrtausend schaffte es nur der heutige SRF-Experte Mathias Frank (2015: 8. Rang) in die ersten 10 der «Grande Boucle». Allerdings droht Voisard auch Gefahr von hinten: So lauert Richard Carapaz nur 24 Sekunden hinter dem Schweizer auf Rang 12.