Am Donnerstag setzte Tadej Pogacar ein Ausrufezeichen, das kaum Zweifel an seinem fünften Gesamtsieg lässt. Der vierfache Toursieger griff am Tourmalet früh an, fuhr der Konkurrenz davon und gewann die Etappe nach Gavarnie-Gèdre mit 2:38 Minuten Vorsprung auf Jonas Vingegaard. Im Gesamtklassement nahm er dem Dänen, mit dem er am Morgen noch zeitgleich gelegen hatte, auf einen Schlag 2:42 Minuten ab.
Plan der Organisatoren schlug fehl
Die Organisatoren hatten die Strecke bewusst so konzipiert, dass das Rennen möglichst lange offenbleibt. Statt mehrerer schwerer Alpen- und Pyrenäen-Königsetappen stand lediglich ein grosser Tag in den Pyrenäen auf dem Programm. Doch selbst dieser Versuch, die Spannung zu konservieren, scheiterte an Pogacars Dominanz.
Pogacar ordnete seinen 23. Etappen-Triumph hoch ein. «Dieser Erfolg gehört zu meinen fünf schönsten Siegen.» Anschliessend gewährte der Slowene einen Einblick in die Vorbereitung auf seinen grossen Angriff. «Schon gestern auf der Fahrt ins Hotel haben wir im Bus nur noch über diese Etappe gesprochen. Heute Morgen bin ich bereits um sieben Uhr aufgewacht und war voller Energie. Wir sind gefahren, als hätten wir nichts zu verlieren. Dass es so aufgegangen ist, macht mich unglaublich stolz.»
Vingegaard steckt nicht auf
Vingegaard wollte sich trotz des herben Rückschlags nicht geschlagen geben. «Es war ein schwieriger Tag, sicher nicht der, den ich mir erhofft hatte. Aber ich glaube weiterhin an mich. Meine Beine werden von Tag zu Tag besser. Der Kampf ist noch nicht vorbei.»
Die Realität spricht allerdings eine andere Sprache. Bereits in den vergangenen beiden Jahren musste sich der Däne Pogacar geschlagen geben, und auch diesmal deutet vieles darauf hin, dass ihm erneut nur Platz 2 bleibt. Der Deutsche Florian Lipowitz brachte die Kräfteverhältnisse nach der Etappe nüchtern auf den Punkt: «Gegen Tadej spielt die Taktik keine Rolle, er ist einfach stärker als alle anderen. Jonas hat gezeigt, dass er der zweitstärkste Fahrer ist. Wir müssen uns auf Platz 3 konzentrieren.»
Seixas: «Bin dort, wo ich hingehöre»
Auch die Franzosen haben mit Lenny Martinez und Paul Seixas zwei starke Kletterer im Feld, die mit der ersten Verfolgergruppe ins Ziel kamen. Der erst 19-jährige Seixas, der seine aussergewöhnlichen Fähigkeiten bestätigte, meinte: «Es lief eigentlich ganz gut. Ich habe meinen Anstieg gut eingeteilt. Am Ende war ich dort, wo ich hingehöre.» Das gilt derzeit für fast das gesamte Feld. Pogacar vorne, dann Vingegaard, dann zahlreiche Aspiranten auf Platz 3.