«Schwingerverband muss sich Antidoping Schweiz anschliessen»

Der erfolgreiche Schwinger Bruno Gisler ist wegen einer positiven Dopingprobe für 6 Monate gesperrt worden. Der Fall wirft ein Schlaglicht auf den Traditionssport, der in der Anti-Doping-Bekämpfung den anderen Sportarten hinterher hinkt.

Der am vergangenen Freitag bekannt gewordene Dopingfall von Bruno Gisler hat die Schwingerwelt aufgewühlt. Der Kranzsieger des Eidgenössischen Schwingfestes war in Burgdorf positiv auf die verbotene Substanz Nicethamid getestet worden. Nicethamid ist ein stimulierender Wirkstoff, der in zahlreichen frei erhältlichen Medikamenten, Lutschtabletten oder Energieriegeln vorkommt.

Gnädige Strafe

Weil Gisler seinem Verband glaubhaft versichern konnte, dass es sich beim Vergehen um eine unglückliche Verwechslung gehandelt habe, kam er mit einer sechsmonatigen Sperre sowie der Aberkennung des Kranz-Resultates davon. Die bekannte US-Sprinterin Torri Edwards beispielsweise war 2004 für das gleiche Vergehen für zwei Jahre gesperrt worden. Das Problem: Für Nicethamid gibt es keinen festgelegten Grenzwert. Darum kann bereits die Einnahme einer Lutschtablette eine positive Doping-Probe zur Folge haben.

Die verwechselten Medikamente Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Die verwechselten Medikamente Links der irrtümlich eingenommene Spray, rechts der Anti-Grippe-Spray von Bruno Gisler. Keystone

Zudem wird auch die Erklärung Gislers, er habe seinen Anti-Grippe-Spray mit einem gleich aussehenden Medikament seiner Frau verwechselt, in Frage gestellt. Die Herstellerin des Sprays von Gislers Frau teilte mit: «Es ist ausgeschlossen, dass in unseren Homöopathika Nicethamid enthalten ist.»

Schwingerverband kontrolliert selber

So oder so wirft der Fall ein Schlaglicht auf die Doping-Bekämpfung des Eidgenössischen Schwingerverbands (ESV). ESV-Obmann Mario John gab offen zu, dass ihn dieser Fall betroffen mache: «Das ist ein schwerer Schlag.» Der ESV ist der einzige grosse Verband, der nicht Swiss Olympic angeschlossen ist. Für Matthias Kamber, Direktor von Antidoping Schweiz, ist es «nicht mehr zeitgemäss», dass sich ein derart grosser Verband selber kontrolliere.

Matthias Kamber von Antidoping Schweiz im Gespräch

4:01 min, vom 10.12.2013

25 Kontrollen pro Jahr

Tatsächlich haben sich die Schwinger in den letzten Jahren zu Spitzensportlern gewandelt, die extrem hart trainieren und unter Umständen auch gut verdienen. «Schnellkraft ist im Schwingen enorm wichtig», erklärt Kamber im Gespräch mit der «sportlounge». «Da können muskelaufbauende Präparate wie Anabolika natürlich reizvoll sein. Schwingen ist eine Risikosportart, die auch ausserhalb der Wettkämpfe kontrolliert werden müsste.»

Im Jahr 2013 haben tatsächlich aber nur 25 Schwinger eine Dopingprobe abgeliefert, davon deren 10 im Training. Zum Vergleich: Swiss Olympic nimmt pro Jahr rund 3000 Proben von Sportlern. Mit dem Berner Alfred Brunner ist beim ESV nur eine Person für Doping-Kontrollen zuständig - bei Swiss Olympic arbeiten 19 Personen. In den letzten 12 Jahren sind insgesamt 5 Schwinger positiv getestet worden, Gisler ist der bekannteste davon.

«Müssen Swiss Olympic beitreten»

Für ESV-Obmann John gibt es in Zukunft für den Schwingsport nur einen vernünftigen Weg: «Wir müssen Swiss Olympic beitreten und uns unter die Obhut von Antidoping Schweiz begeben.» Allerdings sei es «gelinde gesagt nicht einfach», die Mitgliederversammlung von diesem Schritt zu überzeugen, denn der Verband pflege die Unabhängigkeit und die Tradition des Sports.

John verspricht gegenüber der «sportlounge», dass erste Gespräche mit Swiss Olympic bereits in dieser Woche stattfinden sollen. Traktandiert wird die Thematik im Verband allerdings nicht vor 2015.