Steck: Die Leere nach dem Grosserfolg

Ueli Steck war Anfang Oktober als erster Mensch im Alleingang und ohne künstlichen Sauerstoff auf den über 8000 Meter hohen Gipfel der Annapurna geklettert. Die grossen Glücksgefühle blieben trotz der grandiosen Leistung aus, erzählte der Bergsteiger der «sportlounge».

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Klettern bis ans Limit – Ueli Steck im Gespräch

15 min, aus sportlounge vom 28.10.2013

Die Annapurna-Südwand gehört zu den schwierigsten und gefährlichsten Wänden der Welt. Noch nie hat jemand den Berg im Himalaya alleine und ohne künstlichen Sauerstoff bezwungen. Stecks Leistung Anfang Oktober gilt in der Fachwelt als schier unmenschlich.

Der 37-jährige Berner Oberländer hat sich mit der Annapurna-Besteigung einen grossen Traum erfüllt, ein Projekt, an dem Steck seit Jahren gearbeitet hatte. «Nun ist eine gewisse Leere da, ein Glücksgefühl hat sich nicht eingestellt», räumt Steck ein und sagt ehrlich: «Eine gewisse Enttäuschung ist daher da.»

Ein Leben im Grenzbereich

Das Risiko und die Lebensgefahr haben Steck in den vergangenen Jahren immer begleitet. «Es ist gefährlich, sich an diese Extrembereiche zu gewöhnen», sagt Steck. Die Freude am normalen, alltäglichen Bergsteigen gehe etwas verloren. «Ich muss an mir arbeiten, dass ich das Leben auch ohne solche Extrem-Erlebnisse geniessen kann.»

Denn für Steck ist klar: Im Bergsteigen hat er nach der Bezwingung der Annapura praktisch keine echten Herausforderungen mehr. «Deshalb muss ich mir überlegen, ob ich weiter in diesem Extrembereich tätig sein will.» Ein Rücktritt vom alpinen Spitzensport schliesst Steck nicht aus.

Wo findet Steck den neuen Kick?

Klar ist für den Berner, dass er neue Herausforderungen braucht. «Ich bin nicht der Typ, der ambitionslos auf dem Sofa herumhängt», macht Steck klar. Durchaus könne er seinen Kick, seine Befriedigung aber auch in einer beruflichen Tätigkeit finden. Und damit die grosse Leere nach dem Abstieg von der Annapurna wieder ausfüllen.