Wegweisende Tage für schottische Sportler

Für welches Land starte ich? Diese Frage müssten sich Sportler wie Andy Murray stellen, falls Schottland für eine Unabhängigkeit votiert. Aber nicht nur für die Sportler selber hätte ein Ja weitreichende Folgen.

Andy Murray, eingehüllt in die britische Fahne. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Andy Murray Würde er sich bei einem neuerlichen Olympiasieg in Rio 2016 auch wieder den Union Jack umhängen? Keystone

Die Athleten - so zumindest der aktuelle Plan - dürften es sich im Falle einer Unabhängigkeit selber aussuchen, ob sie für Schottland oder Grossbritannien starten. Für das Vereinigte Königreich wäre die Rechnung eine schlechte: Bei den Olympischen Spielen in London gewannen schottische Sportler insgesamt 7 der 29 Goldmedaillen - und das, obwohl nur 10 Prozent der britischen Sportler aus Schottland kamen.

Start unter olympischer Flagge?

Im Falle einer Unabhängigkeit käme auf die schottischen Sportfunktionäre viel Arbeit zu. Grösstes Problem für einen potenziellen neuen Verband wäre der Wegfall der Zuschüsse aus London. Derzeit bekommen schottische Sportler jährlich 15 Mio. Euro Unterstützung durch den Leistungssport-Dachverband.

Knifflig würde die Situation auch im Hinblick auf die Olympischen Spiele 2016 in Rio: Hierzu müsste ein eigener olympischer Dachverband gegründet werden. Ein Beitritt zum IOC wäre aber erst möglich, nachdem die UNO Schottland als unabhängigen Staat anerkannt hat. IOC-Präsident Thomas Bach hat den schottischen Athleten aber bereits zugesichert, die Sportler dürften im Notfall unter olympischer Flagge starten.

Video «London 2012: Final Federer-Murray, Highlights («sportlive»)» abspielen

Andy Murray wird in London Olympiasieger

6:04 min, vom 5.8.2012

Pro und Contra in der Sportwelt

Offen ziehen nur wenige schottische Athleten Position zur Abstimmung. «Wenn Schottland unabhängig würde, dann denke ich, dass ich für Schottland spielen würde», sagte Andy Murray, der 2012 in London Tennis-Olympiasieger wurde. Kurz darauf wurde er auf Twitter konkreter: «Let's do this - lasst es uns tun», lautete seine Botschaft.

Die in Glasgow geborene Badminton-Olympiateilnehmerin Imogen Bankier sieht es anders: «Der schottische Sport würde leiden.» Auch Trainer-Legende Sir Alex Ferguson distanziert sich von einer Unabhängikgiet: «800'000 Schotten leben und arbeiten wie ich in anderen Teilen des Vereinigten Königreichs. Wir leben nicht in verschiedenen Ländern, wir sind nur in einem anderen Teil der Familie des Vereinigten Königreichs.»

Heftige Reaktionen

Bahnrad-Doppel-Olympiasieger Sir Chris Hoy dagegen vermied eine klare Wahlempfehlung. Womöglich auch wegen negativer Erfahrungen aus der Vergangenheit: Nach einem Interview 2013, in dem er über die möglichen Nachteile für schottische Sportler gesprochen hatte, wurde er von Befürwortern der Unabhängigkeit zum Teil massiv beleidigt. Ein Zeichen dafür, wie stark die Emotionen in der Unabhängigkeitsfrage hoch gehen. Wie stark die Abstimmung die Emotionen im Sport beeinflussen wird, wird sich zeigen.

Sendungsbezug: SRF1, Tagesschau, 17.09.2014, 19:30 Uhr