Olympiagold in der Abfahrt fehlt noch im hochdekorierten Palmarès von Marco Odermatt. In Milano Cortina will der Nidwaldner diese Lücke schliessen. Zumindest im 1. Training in Bormio hat er diese Ambitionen untermauert. Obwohl der 28-Jährige das Training augenscheinlich eher gemächlich anging und vor der Ziellinie gleich zweimal abschwang, reichte es vorerst für die klare Bestzeit.
Der US-Amerikaner Ryan Cochran-Siegle, der den Zielhang mit etwas mehr Elan in Angriff genommen hatte, verwies Odermatt später auf Rang 2. Schliesslich schob sich auch Kitzbühel-Sieger Giovanni Franzoni (ITA) noch zwischen Cochran-Siegle und Odermatt. Auf die Bestzeit verlor der Schweizer 40 Hundertstel.
Hintermann sauer – und entschuldigt sich danach
Auch die weiteren Schweizer hielten im 1. Training, das wie gewohnt einer schnellen Besichtigungsfahrt glich, mit den Schnellsten mit. Alexis Monney (+0,66 s) reihte sich auf Rang 4 ein. Weltmeister Franjo von Allmen und Stefan Rogentin belegten mit einem Rückstand von etwas mehr als einer Sekunde die Plätze 7 und 8. Niels Hintermann verlor als 18. rund zwei Sekunden auf die Bestzeit.
Einen Entscheid hatten die Swiss-Ski-Verantwortlichen schon vor dem Training gefällt: Während Odermatt, von Allmen und Monney für die Olympia-Abfahrt gesetzt sind, machen Rogentin und Hintermann am Donnerstag im 2. Training den vierten Schweizer Startplatz unter sich aus.
«Mit ihren Erfolgen sind Marco Odermatt und Franjo von Allmen natürlich gesetzt», erklärt Chefcoach Tom Stauffer gegenüber SRF. Am Dienstag habe man sich entschieden, auch Monney mit einem fixen Startplatz auszustatten.
Insbesondere Hintermann gefällt dieses Vorgehen nicht. «Ich habe mich sehr gefreut bei der Anreise, gestern Abend wurde mir die Laune von meinen drei Chefs verdorben», so der Zürcher im Interview nach dem 1. Training. Dass nur noch ein Platz ausgefahren wird, stösst dem 30-Jährigen sichtlich sauer auf. «Wir haben nun mal nur vier Plätze zu vergeben. Ich würde gerne alle fahren lassen, das ist doch klar», sagt Stauffer.
Am Abend meldete sich Hintermann auf den sozialen Medien – und entschuldigte sich für seine Worte nach dem Training. «Die Emotionen waren echt, aber meine Reaktion war nicht okay. Das tut mir aufrichtig leid», schrieb der 30-Jährige. Ihm ginge es zu keinem Zeitpunkt darum, dass er es Alexis Monney oder Stefan Rogentin nicht gönne. Beide hätten den Startplatz sehr verdient. «Ich bin immer davon ausgegangen, dass ich in einer Qualifikation um einen Platz kämpfen werde – einfach in einer anderen Konstellation. Das hat mich aus der Bahn geworfen, rechtfertig meine Reaktion aber nicht», so Hintermann.
Möller stürzt
Ein unschönes Ende nahm das Training für Fredrik Möller. Der Norweger stürzte, verletzte sich an der Schulter und musste mit dem Helikopter abtransportiert werden. Bereits in Gröden flog der 25-Jährige heftig ab. Vor einem Jahr feierte Möller beim Super-G in Bormio seinen ersten und bisher einzigen Weltcup-Sieg.
Am Donnerstag und Freitag sind noch zwei weitere Trainings auf der Stelvio geplant. Ernst gilt es dann am Samstag. Ab 11:30 Uhr wird in Bormio in der Abfahrt um die ersten Ski-Medaillen an den laufenden Spielen gefahren.