An den Olympischen Spielen sind in den vergangenen zwei Wochen nicht nur 116 Medaillensätze verteilt worden, sondern es wurden auch unzählige Geschichten geschrieben. Wir haben einige davon herausgepickt – Dramen, aber auch Märchen:
Die Dramen
Lindsey Vonn: Es hätte ein Märchen werden sollen, endet aber in einem Drama. Nach nur 13 Fahrsekunden stürzt die US-Amerikanerin auf ihrer Gold-Mission in der Abfahrt von Cortina schwer. Vonn muss mit dem Helikopter geborgen werden. Mittlerweile ist sie zurück in den USA, ihr komplexer Schienbeinbruch wurde bereits mehrfach operiert.
Ilia Malinin: Der junge US-Eiskunstläufer war im Vorfeld der Spiele der Mittelpunkt der Olympia-Berichterstattung und trat als absoluter Topfavorit an. Doch dann erlebt er ein wahres Debakel. In der Kür stürzt der «Vierfach-Gott» gleich mehrfach, die pure Verzweiflung ist Malinin ins Gesicht geschrieben. Als Achter verpasst das Wunderkind sogar eine Medaille.
Franziska Preuss: Die deutsche Biathletin erlebt Spiele zum Vergessen. Statt bei letzter Gelegenheit die erste Olympia-Einzelmedaille zu gewinnen, gibt es für die 31-Jährige hauptsächlich Tränen. Im Einzel, in der Verfolgung und dann auch im Mixed patzt sie jeweils beim letzten Schiessen und verballert so wortwörtlich eine Medaille. Im Massenstart, dem letzten Rennen ihrer Karriere, passt ebenfalls nicht viel zusammen (28.).
Lena Dürr: Die deutsche Alpin-Technikerin hat im Slalom eine Medaille vor Augen. Als Halbzeit-Zweite steigt sie in den 2. Lauf. Dieser dauert aber keine zwei Sekunden. Dürr fädelt beim ersten Tor ein, der Traum platzt jäh. Bereits im Riesenslalom belegt sie nach dem 1. Durchgang Zwischenrang 2, fällt aber bis auf Platz 9 zurück. Vor 4 Jahren hatte ihr auch Peking kein Glück gebracht. Damals ging sie im Slalom als Führende in den 2. Lauf, am Ende fehlten ihr als Vierte 7 Hundertstel auf Bronze.
Cassie Sharpe: Die Olympiasiegerin von 2018 stürzt in der Halfpipe-Qualifikation heftig und bleibt in der Eisröhre liegen. Es ist nicht der einzige schlimme Sturz in Livigno. Bei den Snowboardern erwischt es Cameron Bolton, der sich zwei Halswirbel bricht. Bei den Freeskiern muss der 19-jährige Goldanwärter Finley Melville Ives mit der Trage abtransportiert werden.
Atle Lie McGrath: Der Norweger scheidet im Slalom als Führender nach dem ersten Durchgang und auf Goldkurs liegend aus. Zu viel für den 25-Jährigen, der am Tag der Eröffnungsfeier seinen Grossvater verloren hat. McGrath stapft quer durch den Schnee in Richtung Wald. Dort braucht er erst einmal Zeit für sich. Die Bilder des bitter enttäuschten Norwegers gehen um die Welt.
Die Märchen
Federica Brignone: Nur schon die Olympia-Teilnahme der Italienerin ist ein Wunder. 315 Tage nach einem verheerenden Sturz, bei dem sie sich Brüche in Schien- und Wadenbein sowie einen Kreuzbandriss zugezogen hat, holt Brignone sensationell Gold im Super-G. Damit nicht genug: Wenige Tage später doppelt sie im Riesenslalom nach. Nicht nur für Gastgeber Italien ist es das Olympia-Märchen schlechthin.
Ana Alonso Rodriguez: Bei der Olympia-Premiere von Ski-Mountaineering gewinnt die Spanierin Bronze. Es ist nicht nur ein sportliches, sondern auch ein persönliches Märchen. Erst im September war die 31-Jährige auf dem Fahrrad von einem Auto angefahren und schwer verletzt worden. Kreuz- und Innenbandriss im Knie, eine Sprunggelenksfraktur sowie eine Schulterluxation. Das alles hält Alonso Rodriguez nicht davon ab, in Bormio ihren Medaillentraum zu verwirklichen. Und dies gleich zweifach: In der Mixed-Staffel gibt es Bronze obendrauf.
Alysa Liu: Vor vier Jahren hatte die US-Amerikanerin ihre Karriere im Alter von 16 Jahren für beendet erklärt – bis sie im vergangenen Winter mit dem Gewinn des Weltmeistertitels ein vielbeachtetes Comeback feierte. In Mailand krönt Liu ihre Rückkehr dank einer herausragenden Kür mit Olympiagold. Dass sie den Spass am Eiskunstlaufen wiedergefunden hat, ist ihr in jeder Sekunde anzusehen.
Francesca Lollobrigida: Noch nie hat Italien im Eisschnelllauf der Frauen eine olympische Goldmedaille gewonnen. Ausgerechnet bei den Spielen im eigenen Land klappt es. Francesca Lollobrigida erobert am Tag ihres 35. Geburtstags über 3000 m Gold und lanciert die Spiele für den Gastgeber optimal. Gleiches gelingt ihr ein paar Tage später über 5000 m. In Italien heisst sie ab sofort nur noch «LORObrigida».
Benjamin Karl: Für den Österreicher geht bereits an der Eröffnungsfeier ein Traum in Erfüllung, indem er die Fahne tragen darf. Doch es kommt noch weitaus besser für den Alpin-Snowboarder. Karl holt wie in Peking vor vier Jahren Gold und ist mit 40 Jahren und 115 Tagen der älteste Einzel-Olympiasieger an Winterspielen. Da kann man schon mal die Muskeln spielen lassen.