Die Euphorie rund um das Schweizer Eishockey-Nationalteam der Männer war vor dem Olympia-Auftakt riesig. Schliesslich reiste das Team von Trainer Patrick Fischer in absoluter Bestbesetzung nach Mailand, mit allen zehn NHL-Akteuren an Bord. Die Zuversicht wurde durch den 4:0-Auftaktsieg gegen Frankreich weiter befeuert. Doch 36 Stunden später erfuhr diese Euphorie einen heftigen Dämpfer.
Durch und durch gebrauchter Abend
Die 1:5-Niederlage gegen Gold-Topfavorit Kanada am Freitagabend trug klar den kleineren Teil dazu bei. Bedeutend härter traf die Eishockey-Schweiz das Verletzungspech. Mit Kevin Fiala verlor die Nati seinen kreativsten und womöglich torgefährlichsten Stürmer.
Der Spieler der Los Angeles Kings verletzte sich nach einem unglücklichen Zweikampf mit Kanadas Tom Wilson an der Bande schwer am linken Bein – keine 3 Minuten vor der Schlusssirene in einer Partie, welche zu diesem Zeitpunkt längst entschieden gewesen war. Allein letzterer Umstand macht das Ganze noch tragischer, als es ohnehin schon ist. Fiala ist inzwischen operiert worden, wie Nati-Trainer Fischer am Samstag gegenüber SRF erzählt. Die Olympischen Spiele sind für den 29-Jährigen zu Ende, dasselbe gilt wohl für den Rest der NHL-Saison.
Rückkehr von Malgin und Glauser möglich
An einem Abend, an dem nichts für und alles gegen die Schweiz lief, war Fiala nicht der einzige gewichtige Ausfall. Bereits im 1. Drittel gegen die Kanadier schieden Andrea Glauser und Denis Malgin verletzt aus. Beim Gottéron-Verteidiger geht die Tendenz in Richtung Gehirnerschütterung, dem ZSC-Stürmer macht die Schulter Probleme. Fischer schliesst eine Rückkehr des Duos im Verlauf des Olympia-Turniers zumindest nicht aus: «Aktuell befinden sie sich in Therapie. Es ist möglich, dass sie zurückkommen.»
So oder so bestätigte Fischer, dass Simon Knak und Tim Berni nachrücken werden. Der HCD-Stürmer und der Genf-Verteidiger waren in den ersten beiden Spielen überzählig und dürften am Sonntagmittag im letzten Gruppenspiel gegen Tschechien erstmals auf der Olympia-Bühne zum Zug kommen.
Kampf um Rang 2
Gegen die Tschechen ist die Rechnung einfach: Der Sieger des Duells beendet die Gruppe A hinter Kanada auf dem 2. Platz. Die direkte Viertelfinal-Qualifikation ist sowohl für die Schweiz als auch Tschechien aufgrund der Tordifferenz der Finnen kein realistisches Szenario mehr. Vielmehr geht es noch darum, sich für die K.o.-Phase in eine möglichst gute Position zu bringen. Als Gruppendritter droht bereits in den Viertelfinal-Playoffs ein grosser Brocken.
Mit Tschechien lieferte sich die Schweiz an Titelkämpfen zuletzt äusserst ausgeglichene und packende Duelle. Die letzten beiden Aufeinandertreffen entschieden die Tschechen für sich. An der WM 2024 gewannen Superstar David Pastrnak und Co. den Final in Prag mit 2:0, im letzten Jahr an der WM in Herning setzte sich Tschechien in der Vorrunde mit 5:4 nach Verlängerung durch.
Es ist zu hoffen, dass die Nati den Verletzungs-Schock aus dem Kanada-Spiel bestmöglich verarbeiten konnte. Nun gilt es, noch näher zusammenzurücken und Schritt für Schritt die Euphorie wieder zu entfachen – idealerweise bereits mit einem Sieg am Sonntag gegen Tschechien.