«Es war sicher nicht alles perfekt», sagte Nico Hischier nach dem 4:0-Sieg gegen Frankreich. Die Begeisterung der rund 5000 Schweizer Fans nach den Startminuten war nach dem weiteren Verlauf der Partie etwas verflogen. Für das Duell mit Goldfavorit Kanada am Freitagabend (21:10 Uhr, SRF zwei) wird eine Steigerung nötig sein.
Dass Leonardo Genoni mit 27 Paraden am Ende als bester Spieler ausgezeichnet wurde, spricht für den MVP der letzten WM, relativiert jedoch zugleich die Leistung der Schweizer.
Genoni knüpfte mit seinem Shutout nahtlos an die letzte Weltmeisterschaft an. Dort war er im Viertelfinal, im Halbfinal und im Final nach 60 Minuten ohne Gegentor geblieben.
Kanada als echter Prüfstein
Eine starke Torhüterleistung wird es auch am Freitag im Duell mit Rekord-Olympiasieger Kanada brauchen, um wie 2006 in Turin für eine Überraschung zu sorgen. Damals hatte die Schweiz in der Vorrunde mit 2:0 reüssiert.
Es wird ein echter Gradmesser für das Team von Patrick Fischer. «Die Kanadier haben ein Riesen-Kader, das weiss jeder. Wir müssen uns aber auf unsere Stärken konzentrieren und das aufs Eis bringen», blickt Timo Meier dem Leckerbissen entgegen. Der Appenzeller erzielte bei seinem Olympia-Debüt gegen die Franzosen zwei Tore.
Coach und Spieler schwärmen von den Schweizern
Kanada verfügt im 25-köpfigen Kader über 15 Stanley-Cup-Sieger. Captain Sidney Crosby und Drew Doughty gehörten bereits zu den Goldteams von 2010 in Vancouver und 2014 in Sotschi. Mit Connor McDavid, Nathan MacKinnon und Macklin Celebrini stehen weitere Superstars im Aufgebot.
Doughty, Teamkollege von Kevin Fiala bei den Los Angeles Kings, schwärmt vor dem Wiedersehen: «Kevin ist ein toller Spieler, an vielen Abenden ist er jeweils einer der Besten. Wir sind auch abseits des Eises gute Freunde, aber am Freitag sind wir Feinde.»
In drei der bisherigen fünf Olympia-Turniere mit NHL-Beteiligung gingen die «Ahornblätter» im Direktvergleich mit der Nati als Sieger hervor. Hischier warnt: «Wichtig ist, dass wir keine Strafen nehmen. Wir müssen diszipliniert spielen. Die Kanadier sind sicher kaltblütiger als die Franzosen.» Dem pflichtet SRF-Eishockey-Experte Philippe Furrer bei: «Wenn du gegen Kanada vier Strafen kassierst, musst du mit zwei bis drei Gegentreffern rechnen.»