Vor der Olympia-Abfahrt in Cortina waren alle Augen auf eine Fahrerin gerichtet: Lindsey Vonn. Die Entscheidung, trotz eines Kreuzbandrisses zum Rennen anzutreten, hatte bei der internationalen Presse und vielen weiteren Beobachtern eine Mischung aus Bewunderung und Skepsis ausgelöst.
Bewunderung ob ihrer Furchtlosigkeit: Vonn wollte sich den Traum, 16 Jahre nach dem ersten Olympiagold nachzudoppeln, einfach nicht nehmen lassen. Skepsis ob der Waghalsigkeit des Unternehmens: Nahm sie weiteren gesundheitlichen Schaden nicht billigend in Kauf?
Risiko zahlt sich nicht aus
Nach dem Rennen dominiert die US-amerikanische Speedqueen erneut die Schlagzeilen – aber nicht auf die Art, die sie sich ausgemalt hatte. Statt mit einer Medaille um den Hals endete die Abfahrt einmal mehr im Spital. Das Risiko zahlte sich für die 41-Jährige nicht aus. Der neuerliche Sturz, bei dem sich Vonn möglicherweise einen Bruch im linken Bein zuzog, bedeutet im schlimmsten Fall das brutale definitive Ende ihrer Laufbahn als Skirennfahrerin.
Vonn hatte nach ihrem Comeback vor etwas mehr als einem Jahr alles auf die Olympischen Spiele ausgerichtet. Am Ort, wo sie 2004 zum ersten Mal auf ein Weltcup-Podest gefahren war und in den Jahren danach insgesamt 12 Rennen gewinnen konnte, sollte sich der Kreis ihrer glanzvollen Karriere schliessen.
Und die Zeichen standen gut: Spätestens in diesem Winter fand Vonn trotz einer Teilprothese im rechten Knie zu alter Stärke zurück, gewann 2 Rennen und fuhr in weiteren 5 aufs Podest. Dann kam vor 9 Tagen der verhängnisvolle Sturz in Crans-Montana – und die leidvolle Fortsetzung in Cortina.
Johnsons doppelter Gold-Coup
Das US-Team erlebte ein Wechselbad der Gefühle, stand doch mit Breezy Johnson eine weitere Amerikanerin ganz zuoberst. Die 30-Jährige brachte das Kunststück fertig, in der Abfahrt WM- und Olympia-Gold innert eines Jahres zu holen – eine Leistung, die 2021 respektive 2022 auch Corinne Suter gelungen war. Als Olympiasiegerin ohne einen einzigen Weltcupsieg wandelt Johnson auf den Spuren der Italienerin Daniela Ceccarelli, die 2002 in Salt Lake City Super-G-Gold holte.
Die Geschichte der Frau aus Wyoming ist umso erstaunlicher, wenn man bedenkt, dass sie nach einer 14-monatigen Sperre wegen drei verpassten Dopingtests erst Ende 2024 wieder in den Rennzirkus zurückgekehrt war. Statt Vonn gelang ihr die Krönung ihrer Karriere.