Immer wieder dröhnte in den Stadien und Venues der Olympischen Winterspiele Milano Cortina 2026 der italienische Klassiker «Sarà perché ti amo» aus den Boxen. Zu Deutsch: «Das ist, weil ich dich liebe.» Doch gilt oder besser galt dieses Motto auch für die diesjährige Olympia-Ausgabe? Wie viel Liebe schlug Milano Cortina tatsächlich entgegen?
Wir haben bei unseren Journalisten und Journalistinnen nachgefragt, wie sie die Wettkämpfe und die Stimmung vor Ort erlebt haben.
Antholz (Biathlon)
Antholz kann Biathlon, das weiss man nicht erst seit diesen Olympischen Spielen. Der Ort im Südtirol ist im Weltcup ein Fixpunkt. Und die fast 20'000 (sehr fachkundigen) Fans – die grösste Anzahl aller Austragungsorte – sorgten für stimmungsvolle Wettkämpfe.
«Es war ein wenig wie Weltcup im Olympia-Kleid», resümiert Mevion Heim. Weil im Antholzer Tal sonst keine Wettkämpfe stattfanden, habe man sich in einer Art «Bubble» gewähnt.
Bormio (Ski Alpin Männer, Ski Mountaineering)
Von Olympia-Stimmung war wenige Tage vor den ersten Wettkämpfen in Bormio wenig zu spüren. Das Dorf wirkte wie leergefegt, einzig die olympischen Ringe erinnerten daran, dass hier Grosses bevorsteht. Kam im Verlauf der Spiele dann doch etwas Ambiance im Dorf auf, war die Stimmung im Zielstadion meist eher verhalten.
«Das Zusammenkommen der Athleten aus verschiedenen Ländern und Sportarten hat hier gefehlt», sagt Paddy Kälin. So gaben sich die Skifahrer und die Teilnehmenden der Ski-Mountaineering-Wettkämpfe quasi die Klinke in die Hand.
Cortina d’Ampezzo (Ski Alpin Frauen, Curling, Bob, Skeleton, Rodeln)
Das Epizentrum, wenn es um olympisches Flair geht. Das spürte man beim Schlendern durch das pittoreske Städtchen. Fans diverser Nationen kamen hier zusammen, die Stimmung war fröhlich, bisweilen gar ausgelassen. Beliebtester Treffpunkt: Die Piazza Angelo Dibona, wo das olympische Feuer brannte.
«Die vielen internationalen Fans haben dafür gesorgt, dass wir hier den olympischen Spirit definitiv gespürt haben», bilanziert Lukas Studer.
Livigno (Ski Freestyle und Snowboard Freestyle)
Der kleine Wintersport-Ort wurde während Olympia zum Freestyle-Zentrum. Apropos Zentrum: Der Zielraum vereinte die verschiedensten Disziplinen, was gemäss Jeff Baltermia zur guten Stimmung beitrug. «Auch das sportliche Niveau war extrem hoch, zum Teil überraschend hoch», so Baltermia weiter.
Mailand (Eishockey, Eisschnelllauf, Eiskunstlauf, Short Track)
Eine (hinter den Kulissen) unfertige Eishockeyarena, gelegen mitten im Brachland: Es war bisweilen besser, schaute man nicht zu genau hin. Hinzu kam das Ärgernis für die Fans mit der langen Wartezeit bei der Abreise vom Stadion.
«So richtig sind die Winterspiele hier nicht in den Herzen angekommen», blickt Lukas Ninck zurück, sagt aber auch: «Wenn man danach suchte, dann fand man auch hier die Winterspiele.»
Val di Fiemme (Langlauf, Skispringen, Nordische Kombination)
«In Predazzo und den umliegenden Dörfern hat man nicht so viel von der olympischen Atmosphäre mitbekommen», berichtet Seraina Degen. Ganz anders an den Wettkampfstätten selbst. «Alleine die Dimensionen waren olympisch», so Degen, «die Tribüne, die Medien- und Athletenzone – alles war grösser.» Auch bei den Rennen und Springen habe man gespürt, dass es hier um mehr als «nur» einen Weltcupsieg geht.