Es ist der grosse Klassiker im alpinen Skisport: Schweiz gegen Österreich. An den Olympischen Winterspielen in Milano Cortina gelten beide Nationen als Medaillenanwärter.
Dabei sind die Schweizer klare Favoriten: Überflieger wie Marco Odermatt, Franjo von Allmen oder Loïc Meillard dominieren bei den Männern, Camille Rast liefert bei den Frauen starke Resultate ab. Ihr Abschneiden in dieser Saison lässt uns vom alpinen Medaillenregen träumen. Eine Ausgangslage, die vor einigen Jahren noch ganz anders aussah, wie ein Blick auf die Zahlen zeigt.
Auch wenn das Swiss-Ski-Team in den letzten Jahren den alpinen Skizirkus dominiert: Über zwei Jahrzehnte hinweg blickte die Schweiz im olympischen Ski Alpin meist neidisch zum östlichen Nachbarn.
Zwischen Nagano 1998 und Pyeongchang 2018 schmerzte die Ausbeute die Schweizer Ski-Seele:
So trostlos die nackten Zahlen wirken, ganz so schlecht ist die Zeit für die Schweiz nicht. Immer wieder schafften es helvetische Athletinnen und Athleten auf das Podest – insbesondere in der Königsdisziplin Abfahrt: Didier Défago gewann in Vancouver 2010 Gold, Dominique Gisin legte 2014 in Sotschi nach.
Doch diese Erfolge blieben Ausreisser. 2002 in Salt Lake City verhinderte nur Sonja Nefs Bronzemedaille im Riesenslalom einen kompletten «Medaillen-Nuller». Didier Cuche hatte 1998 zwar Silber im Super-G gewonnen, blieb bei den folgenden Spielen aber trotz Favoritenrolle glücklos. Derweil glänzte Österreich mit grosser Kaderbreite und fuhr konstant aufs Podest.
In Turin 2006 erreichte das Austria-Team die Rekordzahl von 14 alpinen Ski-Medaillen – die Schweizer Athletinnen und Athleten reisten derweil lediglich mit einer Silber- und zwei Bronzemedaillen im Gepäck nach Hause.
Die Spiele in Pyeongchang 2018 markierten für das Schweizer Team eine Trendwende. Zum ersten Mal seit 24 Jahren holten die Schweizer wieder gleich viele Medaillen wie die Österreicher. Pyeongchang war ein Signal dafür, was in den nächsten Jahren auch im Weltcup und an Weltmeisterschaften folgte: die grosse Schweizer Ski-Dominanz.
2022 stand auch für einen Generationenwechsel. Für den Überflieger der letzten Jahre, Marco Odermatt, waren es die allerersten Olympischen Winterspiele – und er gewann im Riesenslalom auch gleich Gold.
Die Schweizer Trümpfe stachen: Auch Beat Feuz, Corinne Suter, Lara Gut-Behrami, Michelle Gisin und Wendy Holdener holten eine oder gleich mehrere Medaillen. Zum ersten Mal in über 20 Jahren schlug die Schweiz das österreichische Team im Medaillenspiegel:
Es war das Resultat einer bemerkenswerten Entwicklung innerhalb des Schweizer Teams – und konsequenter Aufbauarbeit im Schweizer Ski-Verband. Ihren vorläufigen Höhepunkt fand diese 2025 an der Weltmeisterschaft in Saalbach-Hinterglemm, wo die Schweiz mit 13 Medaillen glänzte.
Ein Wert, der nur knapp unter der Rekordausbeute von 14 Medaillen bei der Heim-WM in Crans-Montana 1987 liegt – erzielt in der goldenen Ära des Schweizer Skisports. An diese will das Schweizer Team auch an den diesjährigen Olympischen Winterspielen anknüpfen.
Werfen wir zuerst einen Blick zurück: Die bis heute weit verbreitete Wahrnehmung eines Duells auf Augenhöhe hat ihren Ursprung vor allem in den 1970er- und 1980er-Jahren – der goldenen Ära des Schweizer Skisports.
Damals prägten Legenden wie Marie-Theres Nadig, Bernhard Russi, Vreni Schneider oder Pirmin Zurbriggen den Weltcup, dominierten bei Weltmeisterschaften und setzten sich auch im direkten Vergleich mit Österreich regelmässig an Olympischen Spielen durch:
Doch diese goldene Phase in den 70er- und 80er-Jahren verfälscht den Blick auf das Gesamtbild. Über alle Olympischen Winterspiele seit 1948 hinweg betrachtet, liegen die Österreicherinnen und Österreicher im Medaillenspiegel deutlich vor der Schweiz:
Der Medaillenrückstand der Schweiz ist kein Phänomen der jüngeren Vergangenheit, sondern reicht weit zurück bis in die frühen Jahre der olympischen Geschichte.
Die Olympischen Winterspiele in St. Moritz 1948 rückten den alpinen Skisport erstmals in den Mittelpunkt. Disziplinen wie Abfahrt, Riesenslalom und Slalom wurden zum ersten Mal olympisch durchgeführt.
Mit den Spielen von heute hatten diese Olympischen Winterspiele aber wenig gemein. Die Spiele waren mit Top-Athletinnen und Athleten besetzt, welche jedoch alle Amateur-Status hatten und oft als Skilehrerinnen und Skilehrer arbeiteten.
Die 1950er- und frühen 1960er-Jahre waren geprägt von österreichischer Dominanz. Bereits ab da ist die Schweiz im Medaillenspiegel im Hintertreffen. Sinnbildlich dafür: Die Spiele von 1956 in Cortina, welche in Österreich als «das weisse Wunder von Cortina» in die Geschichtsbücher eingingen: Der Österreicher Toni Sailer holte in allen drei Disziplinen, die damals bestritten wurden, die Goldmedaille.
Mit dem Auftakt der Olympischen Winterspiele in Milano Cortina richtet sich der Blick auch auf das alpine Swiss-Ski-Team. Dessen überzeugende Leistungen in den letzten Jahren nähren die Hoffnung auf eine reiche Medaillenausbeute. Nach den erfolgreichen Spielen von 2022 bietet sich für die Schweizer Ski-Cracks die Chance, im ewigen Duell weiter Boden gutzumachen. Hopp Schwiiz!
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