Capol: Der Mann, der den Skisport attraktiver machen will

Jürg Capol ist seit acht Monaten Marketingdirektor der FIS. Im Interview spricht der 51-jährige Bündner über die WM in St. Moritz, neue Ideen für den Weltcup und die Zukunft der Traditionsrennen.

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«Bin der Bad Guy»: Capol über seine Funktion

1:48 min, vom 15.2.2017

Jürg Capol, dies ist Ihre erste Ski-Alpin-WM als Marketingdirektor der FIS. Wie fällt Ihr Zwischenfazit zu St. Moritz aus?

Capol: Es ist immer der Wunsch, den Sport an Weltmeisterschaften möglichst grandios zu präsentieren, Fans, Emotionen zu haben. Und in St. Moritz haben wir jetzt auch Wetterglück, eine grandiose Umgebung, Fans, viele schöne Bilder. Da zeigt sich der Skisport im besten Licht. Das nimmt man auch mit an die nächsten Weltcup-Finals oder für die nächsten Jahre.

«  Man muss das Produkt wahrscheinlich zuerst etwas straffen. »

Vor Ihrem Amtsantritt als Marketingdirektor waren Sie 9 Jahre Nordisch-Direktor. Wie steht der Skisport im Vergleich etwa zum Langlauf da?

Ich bin 2003 im Langlauf eingestiegen, seither hat man viel verändert. 2003 hatten wir bei 80 Prozent der Rennen Einzelstarts. Unser Ziel war es, mehr Interessen zu schaffen, und wir haben gewisse Produkte kreiert wie die Tour de Ski oder mehr Sprints und Massenstartrennen, die leichter verständlich sind für die breite Masse und kompakter.

Sie haben die Tour de Ski vor über 10 Jahren bei einem Saunagang erfunden. Was haben Sie für den Ski-Alpin-Sport im Köcher?

Das ist jetzt noch in meinem Laptop (lacht). Bevor man etwas macht, braucht man eine Analyse, wo man wirklich ist. Wenn du an einem Weltcuprennen im 1. Lauf 90 Fahrer runterlässt, startest du um 10:30 Uhr und hast um 15 Uhr den Sieger – man kann hinterfragen, ob das gut oder schlecht ist. Man muss das Produkt wahrscheinlich zuerst etwas straffen und kann künftig beispielsweise mit Qualifikationen arbeiten, damit man am Samstag und Sonntag ein kompakteres Programm hat, weil nur die Besten der Besten mitfahren. Und man muss sich fragen, ob der Slalom wie er jetzt gefahren wird, im absolut besten Format ausgetragen wird oder ob es noch bessere gibt. Warum ist der 1. Lauf bis zur Nummer 7 gut und danach schaust du eigentlich nicht mehr, weil du weisst, dass die Besten im Ziel sind? Im Langlauf haben wir im Sprint auch ein Format gemacht, wo du nur 30 hast – du könntest beispielsweise ein Cut-System wie bei einem Tennisturnier oder einem Langlaufsprint einführen, wo sich die Besten rundenweise weiterkämpfen müssen. Das Interesse soll länger da sein und nicht nur auf eine beschränkte Zeit. Das sind Ideen, die noch rudimentär da sind. Aber mir gefällt es, was auf uns zukommt.

«  Die Januar-Rennen mit ihrer reichen Geschichte musst du behalten. »

Vor dem Weltcup-Auftakt im Oktober sagten Sie, dass ein Ansatz für eine Auffrischung wäre, Männer und Frauen wie in Sölden vermehrt am gleichen Ort starten zu lassen. Wird diese Idee weiterverfolgt?

Die Idee ist da. Aber viel für die nächsten 2, 3 Jahre ist vom Kalender her gegeben und bestätigt. Das heisst, wir denken auf 3 Jahre und mehr hinaus. Für mich macht es Sinn, das mehr zu machen, denn du baust den Event grösser auf. Alle in der Medienlandschaft gehen an einen Event. Weltmeisterschaften zeigen das deutlich – natürlich sind sie grösser: Je mehr du an einem Ort konzentriert verkaufen kannst, desto mehr Wert kannst du generieren, desto mehr Interesse und Leute kannst du anlocken.

«Alles ändern wäre ein Fehler»: Capol über die Zukunft

2:22 min, vom 15.2.2017

Wäre das nicht das Aus für Veranstalter wie etwa Adelboden oder Wengen, die von der Infrastruktur her limitiert sind?

Diese zwei Orte sind geschichtlich sehr gut platziert; du musst nicht alles ändern, das ist auch wichtig. Was gut läuft, würde ich nicht ändern, das wäre ein Fehler. Die Januar-Rennen mit ihrer reichen Geschichte und die längste Abfahrt musst du behalten. Ich denke mehr an die Rennen vor Weihnachten, wo grössere Events gefragt sind. Denn dort fahren wir momentan Rennen, aber nach Nordamerika hat man keinen Bezug zu den Orten. Wenn ich das nicht habe, fehlt mir die Stärke des Ganzen. Das heisst, Zusammenlegen kann mehr Interesse kreieren, das macht absolut Sinn. Und ich bin schmerzfrei, das zu diskutieren.

Sendebezug: SRF zwei, sportlive, 14.2.2017, 11:30 Uhr