Grange – ein Titel als Geschenk

Im allerletzten Rennen der Titelkämpfe in Vail/Beever Creek hat es mit Jean-Baptiste Grange doch noch einen überraschenden Weltmeister abgesetzt. Der Franzose konnte sein Glück kaum fassen. Angesichts seiner jüngeren Vergangenheit ist dies aber mehr als verständlich.

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Weltmeister Grange: «Heute war mein Tag»

1:18 min, vom 15.2.2015

An einer WM werden grosse Geschichten geschrieben, Helden geboren und tragische Figuren kreiert. In Vail/Beaver Creek war es genauso. Eines der Kapitel, das in Erinnerung bleiben dürfte, ist dasjenige der grossen Comebacks.

Aksel Svindal und Bode Miller traten ohne einen einzigen Renneinsatz nach ihren Verletzungspausen an. Der Norweger überzeugte, der Amerikaner verletzte sich erneut. Oder Beat Feuz. Er feierte zwar kein Comeback, doch er fuhr nach einer schier endlosen Leidensgeschichte (Knie) zu Bronze – eindrücklich. Und dann kam ganz zum Schluss Jean-Baptiste Grange.

Zwei grosse Titel, viele Rückschläge

Der 30-Jährige weiss, wie schnelllebig, wie schön und wie bitter der Sport sein kann. 2009, in seiner besten Saison, schied er an der Heim-WM in Val d'Isère im 2. Lauf des Slaloms als Drittplatzierter aus. Zwei Jahre später holte er in Garmisch als einer der Favoriten Gold. Und nun fährt er, mit Rang 6 als Saison-Bestergebnis und einer Durststrecke von 4 Jahren ohne Podium angereist, aus dem Nichts zum 2. WM-Titel im Slalom.

Weltmeister Grange: «Heute war mein Tag»

1:18 min, vom 15.2.2015

Doch die Karriere von Grange ist nicht nur durch diese zwei Titel und 9 Weltcupsiege geprägt, sondern vor allem durch Verletzungen. Ende 2009 zog er sich einen Kreuzbandriss zu – ausgerechnet in Beaver Creek und ohne zu stürzen. Nach der Saison 2010/11 musste er sich an der Schulter operieren lassen. Hinzu kamen Bandscheibenprobleme, im April 2012 der zweite Kreuzbandriss und immer wieder Rückenschmerzen.

Bemühungen belohnt

«Es ist einfach unglaublich. Ich hätte mir nie vorstellen können, noch einmal gewinnen zu können», so Grange. Die letzten 4 Jahre seien eine Tortur gewesen, das Selbstvertrauen nicht mehr vorhanden. Wegen den immerwährenden Schmerzen hatte er zuweilen sogar an einen Rücktritt gedacht. «Der Titel ist ein wunderbares Geschenk für all die Anstrengungen, die ich unternommen habe, um wieder einmal an der Spitze sein zu können.»

So richtig realisieren konnte er seinen Coup auch einige Zeit nach dem Rennen noch nicht. «Ich fühle mich wie in einem Traum. Und immer wieder frage ich mich, wann ich aufwachen werde», sagt Grange und schüttelt den Kopf. «Im Ziel sah ich, dass alle hinter mich zurückfallen. Mir kamen die Tränen. Und dann scheidet Hirscher aus – unglaublich.» Dank ihm hat Frankreich doch noch eine Gold-Medaille. Und die WM zum Abschluss noch eine grosse Geschichte.

Sendebezug: SRF zwei, sportlive, 15.02.2015, 17:55 Uhr