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Weltcup Männer Von einem anderen Stern

Mit dem 6. Gesamtweltcup-Sieg in Folge stösst Marcel Hirscher in neue Dimensionen vor.

Marcel Hirscher im Training vor einem Sonnenaufgang
Legende: Fährt in einer eigenen Kategorie Marcel Hirscher ist der beste Skifahrer der Gegenwart. Getty Images

Der Sieg in Kranjska Gora, der Hirscher die historische Erfolgsmarke eintrug, war symptomatisch: In der slowenischen Ski-Destination herrschten widrigste Bedingungen, doch der Österreicher liess sich weder vom Wetter noch von mehreren Unterbrüchen aus dem Konzept bringen. Souverän und nervenstark verwaltete er den komfortablen Vorsprung aus dem 1. Lauf.

Souverän und nervenstark sind 2 Attribute, die Hirschers Wesen als Skirennfahrer aber nur unzureichend beschreiben. Weiter wären beispielsweise noch: Siegeshungrig. Detailversessen. Anpassungsfähig.

Hirscher tat, was immer nötig war, um der Beste zu sein. Kaum erwuchs neue Konkurrenz wie beispielsweise Henrik Kristoffersen, sah man Hirscher sich nie über einen 2. Platz freuen. Stattdessen trainierte er in der Vorbereitung noch härter, experimentierte noch mehr am Material, feilte noch mehr an seiner Fahrweise. Denn nur auf der obersten Treppenstufe wurde er seiner eigenen Erwartungshaltung gerecht.

Hirschers Erfolg fusst aber nicht zuletzt auch auf einem sehr stabilen Umfeld. Die wichtigste Stütze ist dabei Vater Ferdinand, der seinen Filius schon seit jüngsten Jahren unterstützt. Anders als andere Väter nimmt er aber keine klassische Trainerrolle ein, sondern äussert sich nur, wenn er von seinem Sohn um Rat gefragt wird.

Einige Auszüge aus Marcel Hirschers Palmarès:

  • 6 Gesamtweltcup-Siege in Folge (Rekord)
  • 44 Weltcup-Siege (Platz 5 in der ewigen Bestenliste)
  • 106 Podestplätze (Platz 2 hinter Ingemar Stenmark mit 155 Podestplätzen)
  • 7-facher Disziplinen-Sieger (3x Slalom, 4x Riesenslalom)
  • 6-facher Weltmeister (zweimal mit dem Team)
  • 9-facher WM-Medaillen-Gewinner
  • Silbermedaillen-Gewinner an den Olympischen Spielen in Sotschi 2014
Legende: Video Hirscher: «Das ist für mich nicht vorstellbar» abspielen. Laufzeit 0:39 Minuten.
Aus Sport-Clip vom 04.03.2017.

Viel gibt es nicht mehr, was Hirscher (noch) nicht gewonnen hat. Umso mehr darf man auf die kommende Saison und seinen Auftritt an den Olympischen Spielen in Pyeongchang gespannt sein. Denn ein Olympiasieg fehlt noch in der beeindruckenden Vita des 28-jährigen Österreichers.

Es dürfte zudem die letzte Gelegenheit sein, diese Lücke zu schliessen. Denn einen Auftritt in Peking 2022 schloss Hirscher schon unmittelbar nach der umstrittenen Vergabe der Spiele nach China aus.

Hirscher zieht wie folgt Bilanz

  • «Wir Kajakfahrer sagen immer mal wieder ‹Rain is liquid sunshine›: Heute ist dieses Motto bei mir Trumpf. Zudem war mir nicht bewusst, dass die grosse Kugel schon drin liegt.»
  • «6 grosse Kugeln – für die nächsten 6 Jahre ist dies sicher ein Rekord für die Ewigkeit.»
  • «Ich werde alles versuchen, um am Sonntag auch noch die Slalom-Wertung zu gewinnen. Wenn's nicht klappt, dann Schwamm drüber
  • «In 4 Jahren werde ich hoffentlich nochmals ein paar Schritte weiter sehen – vor allem menschlich.»
Legende: Video Hier erfährt Marcel Hirscher von seinem Gesamtweltcupsieg abspielen. Laufzeit 0:22 Minuten.
Aus Sport-Clip vom 04.03.2017.

Sendebezug: SRF zwei, sportlive, 04.03.2017, 09:20 Uhr.

8 Kommentare

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  • Kommentar von E. Waeden (E. W.)
    Ziemlich wahrscheinlich ist, wäre Hirscher wie sein stärkster Konkurrent A. P. im 1. Lauf auch ausgeschieden, oder er wäre auf einen Platz zwischen 5 bis 10 gewesen, er sich nicht schon im 1. Lauf von seiner Konkurrenz, welche ja auch nicht "ohne" ist, so deutlich distanziert hätte, hätte der Rennleiter, welcher ja ein grosser Fan von Hirscher ist & seine Rekordjagd schon öfters unterstützte, dieses Regenrennen abgebrochen. So bleibt eben ein grosses ? zurück.
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  • Kommentar von Christian Szabo (C. Szabo)
    Hirscher ist mit einem außergewöhnlichem Talent gesegnet. Dazu kommt sehr harte (tägliche) Arbeit. Verletzungsmässig hatte er bisher grosses Glück. Durch ein hervorragendes Team ist seine mentale Einstellung und das Vertrauen in Material und Support enorm. Wenn es sein muss, kann er oft eine Extraleistung abrufen. Das private Umfeld unterstützt ihn beim Spitzensport. Seine Erfolge garantieren finanzielle Unabhängigkeit. So kann er sich voll seinen Zielen widmen.
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    1. Antwort von Samuel Niederhauser (YB4Ever)
      Absolut richtig. Wobei er sich das Glück des Nichtverletztseins akribisch erarbeitet hat. Keiner hat einen stabileren Rumpf als er. Dadurch kann er jede knifflige Situation wieder ausbalancieren und kommt nie in Gefahr, sich zu verletzen. Seine Fitness hat er sich über Jahre intelligent aufgebaut. Dazu kommt der Körper, der natürlich sehr widerstandsfähig ist. Ein Neureuther hatte da zB weniger Glück und hätte ohne ständige Beschwerden ähnliches erreichen können.
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    2. Antwort von E. Waeden (E. W.)
      So aussergewöhnlich ist das Talent gar nicht & auch die meisten anderen Athleten trainieren (täglich) sehr hart für ihren Sport. Und betr. Leistungsfähigkeiten sind diesen auch Grenzen gesetzt. Wenn Sportler generell, allzu oft dann noch Extraleistungen abrufen können, wo andere am Ende einer anstrengenden Saison, oder sehr schwierigen Verhältnissen an ihre Grenzen stossen, finde ich persönlich das nicht normal. Ein echtes Ausnahmetalent ist höchstens die Shiffrin, welche mit Leichtigkeit fährt.
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  • Kommentar von markus kohler (nonickname)
    Selbst, wenn man alle Schweizer der letzten 15 Jahre zusammenzählt kommt man nicht in diesen Bereich. Das zeigt wie stark Hirscher und wie bescheiden die Leistungen bei Swiss Ski sind.
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    1. Antwort von Beat Reuteler (br)
      Die Leistungen bei Swiss Ski können Sie gar nicht beurteilen. Wenn ein Ausnahmekönner all diese Preise abräumt sagt das nicht unbedingt viel über die Leistungen der andern Athleten aus. Es sagt hauptsächlich etwas über diesen einen Athleten aus.
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    2. Antwort von E. Waeden (E. W.)
      Sehe Hirscher nicht als Ausnahmekönner. Sein Ziel die vergangenen Jahre war, alte Rekorde zu brechen & neue aufzustellen. Darauf war alles aufgebaut & dafür wurde auch ganz viel gerechnet, wo er gute Chancen auf viele Punkte hat. Z. B. ist er ganz schwierige SuperC nicht gefahren. A. P. schon! Schade für den Sport & bedauerlich, für alle anderen Athleten, welche einfach Rennen gewinnen wollen & noch Freude am Sport haben. Bei Hirscher ist es nur noch Kalkül, weil er Geschichte schreiben will.
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    3. Antwort von Thomas Müller (ThomMueller)
      @E. Waeden: Neid muss man sich erarbeiten. Das hat Hirscher bei Ihnen offensichtlich erreicht. :-) Ich wünsche Ihnen in Zukunft etwas mehr Lockerheit. Und eine Beruhigung gebe ich Ihnen auch noch mit auf den Weg: Hirscher wird voraussichtlich 2018 zurücktreten.
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