Bernhard Russi und Roland Collombin. Sie waren die besten Schweizer Skirennfahrer Anfang der Siebzigerjahre. Der eine war der Liebling der Nation, Traum-Schwiegersohn und Musterschüler des Verbandes. Der andere war Collombin, der wilde, faule Hund – der Walliser Lebemann, der es auf und neben der Piste krachen liess und sich einen Deut um sein Image scherte. Er gewann acht Weltcuprennen und zweimal den Abfahrtsweltcup.
Collombin war ein Verrückter, meist im positiven Sinn, unberechenbar zu jeder Tageszeit, ein Spassvogel. Er lieferte dem Boulevard in schöner Regelmässigkeit Stoff für Geschichten und störte sich nicht daran, wenn dieser ihn als John McEnroe des Skisports bezeichnete und schrieb, in seinen Adern fliesse Fendant.
In Sapporo im Gefängnis gelandet
Der Mann aus dem Val de Bagnes, Sohn einer Italienerin und eines Wallisers, war der wildeste aller erfolgreichen Skirennfahrer, den die Schweiz je hervorgebracht hat. Und er stand dazu. Er sei ein glühender Anhänger des gemütlichen Lebens und werde immer ein Faulpelz sein, sagte er unverblümt. So wenig wie nötig arbeiten und so viel wie möglich rausholen, das war seine Devise.
An den Olympischen Spielen 1972 in Sapporo, an denen er noch vor seinem ersten Weltcup-Podestplatz überraschend Silber hinter Russi gewann, steckte ihn die Polizei nach einer Zechtour mit dem Eishockeyspieler Jacques Pousaz vorübergehend ins Gefängnis. Die beiden Sportler hatten reichlich Unfug getrieben, sein Kumpan verstrickte sich in Handgreiflichkeiten. Zwei Weltcupsiege, mindestens, errang er nach Sauftouren oder Schäferstündchen bis in die Morgenstunden des Renntages.
Mit seinem Image kokettiert
Manchmal vermittelte Collombin den Eindruck, als sei das Rennfahren für ihn eine einzige Abenteuerreise. Doch der Eindruck täuschte – auch, weil der Walliser mit seinem Image des Faulpelzes kokettierte und bluffte. Ihm sei immer bewusst gewesen, dass trainieren muss, wer erfolgreich sein will, sagte er einmal rückblickend. Und er habe immer gewusst, wann er sich reinhängen musste. Russi, Konkurrent und Freund, war sich sicher, dass Collombin hinter verschlossenen Türen gleich schuftete wie die anderen.
Dass es in der sportlichen Karriere des talentierten wie furchtlosen und unbekümmerten Draufgängers bei acht Weltcupsiegen, zwei Abfahrts-Kristallkugeln sowie Olympia- und WM-Silber in Sapporo blieb, hatte gesundheitliche Gründe. Collombins Karriere komprimierte sich auf drei Jahre, sämtliche Erfolge fuhr er innert etwas mehr als zwei Jahren ein.
Nach dem frühen Karriereende blieb Collombin sich treu. Erst gönnte er sich eine längere Auszeit, dann verwirklichte er andere Träume. Während eines Sommers arbeitete er auf einer Alp, dazu war er als Restaurateur, Winzer, Beizer, Getränke- und Weinhändler tätig.