Ein Italiener im Endspiel der French Open – das war die einfache Prognose. Doch dass er weder Jannik Sinner (ATP 1) noch Lorenzo Musetti (ATP 11) heissen würde, hatte vor Turnierbeginn wohl niemand auf der Rechnung.
Flavio Cobolli (ATP 14) oder Matteo Arnaldi (ATP 104) – einer von ihnen kämpft am Sonntagnachmittag bei der ersten Final-Teilnahme um den ersten Grand-Slam-Triumph. Historisch wird es auch am Freitag in der Runde zuvor; es ist der erste italienische Männer-Halbfinal der Major-Geschichte.
Cobolli auf den Spuren von Panatta
Und noch ein Exkurs in die Vergangenheit: Es ist genau 50 Jahre her, seit ein Italiener die French Open zuletzt gewann: Adriano Panatta. Bemerkenswert dabei: Cobolli hat den Sport an gleicher Stätte gelernt wie Panatta: beim Tennis Club Parioli in Rom.
Der 25-jährige Arnaldi und der ein Jahr jüngere Cobolli spielten bei der italienischen U14-Meisterschaft erstmals gegeneinander. «Wir sind gute Freunde», sagt Arnaldi. Auf der ATP-Tour duellierten sie sich zweimal (1:1 Siege), zuletzt in Roland Garros im vergangenen Jahr. Damals jubelte Cobolli in der 2. Runde dank eines Vier-Satz-Siegs.
Dusch-Treffen mit Rafael Nadal
Unabhängig vom Ausgang seines Halbfinals könnte Cobolli nächste Woche erstmals in die Top 10 der Weltrangliste vorstossen. Vielleicht bringt er sogar eine Trophäe mit nach Hause.
Cobolli, der zugibt, abergläubisch zu sein, führt nach jedem Spiel dasselbe Ritual durch. «Diese Woche bin ich ein bisschen verrückter», sagt er. «Ich gehe einfach ins gleiche Restaurant, bestelle dasselbe Menü, nehme dieselbe Dusche.»
Apropos: Es ist die gleiche Dusche in der Umkleidekabine der French Open, die einst «Sandkönig» Rafael Nadal (14 Titel bei den French Open) benutzte. Cobolli erinnert sich: Er stieg einmal in die Dusche, als Nadal auftauchte und ihm sagte, er solle sich beeilen. «Er sagte mir, das sei seit 14 Jahren seine Dusche», so Cobolli lachend.