Der vielleicht grösste Gegner bei den French Open ist für die Tennisprofis die brutale Hitze. Seit dem Auftakttag am vergangenen Sonntag gibt es beim Grand-Slam-Turnier Sonne pur und Temperaturen um oder über 30 Grad, am Himmel ist kaum eine Wolke zu sehen.
Selbst langjährige Begleiter des Sandplatz-Events können sich an ein solch konstant heisses Wetter im Mai nicht erinnern. «Ich mag es, wenn es heiss ist», meinte Belinda Bencic nach ihrem Zweitrunden-Sieg gegen Caty McNally, schob aber nach: «Ich fühle mit den Männern mit, die 4 Stunden und mehr auf dem Platz stehen.»
Ballmädchen wird beinahe ohnmächtig
Für Bencic geht es, andere Tennisprofis stöhnen darüber. «Es brät halt immer weiter», umschreibt es die Deutsche Laura Siegemund. Auch viele Besucher, Linienrichter und Ballkinder leiden unter den Bedingungen.
Der Erstrundenmatch von Andrej Rublew gegen Ignacio Buse musste kurz unterbrochen werden, weil ein Ballmädchen wackelig auf den Beinen war und beinahe ohnmächtig geworden wäre. Die Schiedsrichterinnen leisteten umgehend Hilfe, das Mädchen erholte sich Medienberichten zufolge schnell.
Ersatzschläger in der Kühlbox
Und die Profis? Der Kanadier Gabriel Diallo gab wegen der extremen Hitze in der ersten Runde auf. «Es wurde schlimmer und schlimmer», klagte er.
Manche nahmen eine medizinische Auszeit. Die meisten legen sich in den Matchpausen nasse Handtücher in den Nacken und grosse Eiswürfelbeutel auf den Kopf. Schatten spendet währenddessen der von Ballkindern gehaltene Sonnenschirm. US-Star Coco Gauff legt gar ihre Ersatzschläger in die Kühlbox neben der Bank.
Die heftige Sonneneinstrahlung ist auch spielerisch ein Problem für die Profis. Oft war zu beobachten, wie die Spielerinnen und Spieler beim Ballwurf die Aufschlagbewegung abbrachen.
Schutz durch WBGT-Wert
Die Organisatoren haben eine Richtlinie für extreme Wetterbedingungen eingeführt. Diese orientiert sich an der Wet Bulb Globe Temperature (WBGT), die zur Bestimmung der Hitzebelastung für den menschlichen Körper herangezogen wird. Auch Faktoren wie Luftfeuchtigkeit, Sonneneinstrahlung und Wind werden berücksichtigt.
Steigt der WBGT-Wert über 30,1 Grad, können die Profis an bestimmten Zeitpunkten zehnminütige Kühlpausen beantragen. Bei über 32,2 Grad soll es laut der Organisatoren verpflichtende Unterbrechungen geben.
Die Besucher des Grand-Slam-Turniers in Roland Garros müssen sich selbst schützen. Sie suchen auf der traditionsreichen Anlage überwiegend schattige Plätze auf. Vor den Wasser-Spendern, Sprinklern und auch Sonnencreme-Ständen gibt es lange Schlangen. Besserung ist erst ab Sonntag in Sicht: Dann sollen die Temperaturen auf 24 Grad fallen.