Es ist der zeitlose Widerstreit zwischen Aberglauben und moderner Medizin, der in «Anne Bäbi Jowäger» thematisiert wird. Wie so oft bei Jeremias Gotthelf dient das Emmental des 19. Jahrhunderts als Ort der Handlung.
Klotzen statt kleckern
Um die Atmosphäre dieser Zeit optimal einzufangen, liess der Regisseur Franz Schnyder für die Dreharbeiten ganze Bauernhäuser originalgetreu nachbauen oder umgestalten. Das Budget von «Anne Bäbi Jowäger» war deshalb für Schweizer Verhältnisse exorbitant.
Die Handlung: Als ihr Sohn Jakobli an Pocken erkrankt, vertraut Anne Bäbi den Ratschlägen eines Quacksalbers namens Vehhans. Durch die falsche Behandlung erblindet Jakobli aber auf einem Auge und bleibt entstellt. Der Dorfpfarrer sagt den tragischen Folgen mangelnder Bildung und blinden Vertrauens in Wunderheiler den Kampf an.
Ungeschöntes Sozialdrama
Der legendäre Schweizer Film ist keine rührselige Heimatschnulze, sondern ein messerscharfes Sozialdrama, das die Rückständigkeit und die bickelharten Lebensbedingungen der damaligen Zeit ungeschönt darstellt.
«Anne Bäbi Jowäger» wurde vor einigen Jahren aufwendig digital restauriert. Nun lassen sich Franz Schnyders imposante Schwarz-Weiss-Aufnahmen in höchster Qualität geniessen.
Der Film glänzt mit den damals grössten Stars der Schweizer Schauspielszene:
- Margrit Rainer brilliert in der Rolle als herrische und sture, im Kern aber um das Wohl ihrer Familie besorgte Anne Bäbi Jowäger.
- Heinrich Gretler als ihr Ehemann Hansli spielt er den gutmütigen, teils unterdrückten Gegenpol.
- Ruedi Walter tritt als Knecht und Heilsarmeesoldat auf.
- Sigfrit Steiner interpretiert den fortschrittlichen, nicht selten aber verzweifelten Pfarrer.