Léo und Rémi sind 13 und unzertrennlich. So eine Freundschaft, wie man sie nur einmal im Leben hat. Bis die Schule wechselt, die Pubertät anklopft und plötzlich alle alles wissen wollen: «Seid ihr zusammen?» «Warum hängt ihr immer miteinander rum?» Und aus der Nähe wird ein Problem.
Das Unvorstellbare passiert
Léo, der sensibel ist, aber dazugehören will, geht auf Distanz. Männlichkeit und Hockey statt Sommerwiese. Rémi versteht die Welt nicht mehr. Es tut weh, ihm beim Alleinsein zuzusehen. Und dann kommt der Moment, vor dem man sich schon eine Weile fürchtet: Rémi ist weg. Für immer.
Was folgt, ist keine Anklage, sondern ein leiser Blick auf Schuld und Trauer. Léo zieht sich zurück, seine Eltern wissen nicht weiter, nur sein Bruder Charlie kommt noch an ihn ran. Und da ist Rémis Mutter, die nicht locker lässt. Weil sie Antworten sucht. Weil es keinen Abschiedsbrief gibt. Nur diese Stille.
Regisseur Lukas Dhont erzählt das alles mit einer grossen Sensibilität. Seine Bilder sind zudem wunderschön. Die Pubertät zeigt er als das, was sie oft ist: ein Minenfeld.
«Der Belgier Lukas Dhont erzählt in seinem ergreifenden Drama «Close» davon, wie viel Leid traditionelle Vorstellungen von Männlichkeit verursachen können. Das Thema ist brutal, aber Dhont erzählt mit grosser Poesie», schreibt die NZZ. Und Der Spiegel lobt «ein Feingefühl, wie es im Kino selten ist».
Ein Film, der fragt, was wirklich zählt
Am Ende ist «Close» nicht nur ein Film über Freundschaft und Verlust, sondern auch über Mut. Den Mut, man selbst zu bleiben, wenn alle um einen herum was anderes wollen. Und darüber, dass Nähe nicht immer etwas ist, wofür man sich rechtfertigen muss.
Ausgezeichnet wurde der Film mit dem Grossen Preis der Jury bei den internationalen Filmfestspielen von Cannes. Zudem war er der belgische Oscar-Beitrag 2023.