Familie ist weit mehr als ein menschliches Konzept. Der Film «Wilde Familien» zeigt anhand faszinierenden Aufnahmen, wie entscheidend familiäre Bindung im Reich der Tiere für das Überleben ist.
Mama wird's schon richten
Im Zentrum stehen dabei oft die Mütter. Bei den meisten Familien in der Wildnis haben sie das Sagen.
Ein besonders straffes Matriarchat leben Honigbienen. Was wir bei ihnen «Kolonie» nennen, ist eigentlich eine Grossfamilie. Bienenstöcke werden stets von einem Weibchen gegründet, der Königin. Eier legen könnten zwar auch Arbeiterinnen, aber sie machen keinen Gebrauch davon.
Geeint bis hin zum Tod
Hierarchische Strenge zugunsten des Gemeinwohls praktiziert auch der Wolf. In jedem Rudel darf sich nur das Alphapaar fortpflanzen. Trotzdem bleibt Nachwuchs oft jahrelang in diesem Familienverbund.
Wenn ein benachbartes Rudel auf das Revier scharf ist und zur Übernahme die Welpen töten will, hilft es enorm, dass die älteren Geschwister in der Nähe sind und umgehend zur Rettung herbeieilen.
Hochalpine Kinderkrippen
Die Idee, im Kollektiv fürs Gemeinwohl zu sorgen, kennen auch Gämsen. Ihre Mütter organisieren sich zu Kinderkrippen. Eine oder zwei Mamas erledigen die Aufsicht über eine ganze Schar von Kindern.
Die «Gämsen-Nannys» stillen dabei sogar die Jungen der anderen. Anderen Gämsen eröffnet dieser Hütedienst beträchtliche Handlungsfreiräume. Eigentlich genau so, wie das ein Tageshort für Eltern macht.
Könige des Machohaften
Löwen-Männchen leben gewissermassen, als wären Wunschträume der Manosphere wahr geworden. Sie tun nicht gerade viel für die Familie – ausser es geht um die Verteidigung der eigenen Gene.
Für den Zusammenhalt der Familie sind aber die Löwinnen besorgt. Die Männchen hingegen kommen und gehen.
Fürsorge bis zum Brechreiz
Eine beeindruckende Opferbereitschaft in Sachen Geschwisterliebe legen Impalas an den Tag. In Familien dieser Wildhunde essen die Jüngsten zuerst.
Kommen ältere Brüder heim von der Jagd, würgen sie die erbeutete Nahrung hervor, um den Hunger der Kleinen zu stillen.
Elefanten gedenken fast ewig
Ähnlichkeit weisen die Lebenszyklen von Menschen und Elefanten auf. Letztere werden ebenfalls erst im Teenageralter erwachsen und pflanzen sich spät fort.
Die Kraft familiärer Bindungen wird bei Elefanten besonders deutlich, wenn man sie am Kadaver eines geliebten Wesens sieht. Genau wie wir trauen sie, halten inne und erweisen ihre Ehrerbietung. Es kommt vor, dass Elefanten noch Jahre später immer wieder an die Ruhestätte von Verstorbenen zurückkehren.
Der bildgewaltige Dokumentarfilm «Wilde Familien» unterstreicht eindrücklich, wie vielfältig und zugleich universell familiäre Strukturen im Tierreich sind.