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Streaming-Tipp Stuntfrauen: Sie kassieren Schläge für andere

Virginie, Estelle und Petra übernehmen als Stuntfrauen die Schmerzen, die im Drehbuch anderen gehören.

Wer Stuntarbeit nur mit blauen Flecken und spektakulären Stürzen verbindet, unterschätzt die Frauen, die sie ausführen. Sie fallen nicht einfach hin. Sie kalkulieren jede einzelne Bewegung. Der Schweizer Dokumentarfilm «Stuntfrauen» von Elena Avdija begleitet drei von ihnen: Petra, Virginie und Estelle.

Choreografie statt Zufall

Ob sie jemals Todesangst hatte, fragt Virginies Tochter. Ihre Antwort kommt ohne Zögern: «Nein. Ich kann das Risiko einschätzen.»

Das Risiko richtig einzuschätzen, muss geübt sein. Ein Fehler kann lebenslange Folgen haben. So wie bei Petra. Die gebürtige Baslerin arbeitet seit Jahren in Los Angeles, sie war in Produktionen wie «Flight» mit Denzel Washington, in «Pirates of the Caribbean» oder in «Eagle Eye» zu sehen. Oder eben nicht zu sehen, sondern im Einsatz. Steckte ein für die Rollen, die sie doubelt.

Zwei Personen lesen lächelnd aus einem Skript vor.
Legende: Petra besucht einen Schauspielkurs, um sich auch als Schauspielerin behaupten zu können. «Stuntfrauen»

Nachdem Petra viele Einsätze nacheinander auf ihrer Hüfte landen musste, folgte bei einem MRT das Verdikt: Das Hüftlabrum – eine Gelenklippe – ist fast vollständig abgerissen. Kaum verheilt, war die Stuntfrau ein Jahr später wieder am gleichen Punkt. Einzige Option: ein künstliches Hüftgelenk. Zwar ist sie heute mit der Prothese wieder fit, sollte sie jedoch nochmals falsch fallen, kann auch diese kaputtgehen. Umso wichtiger ist es, dass jede Bewegung genauestens geplant und einstudiert ist. «Einfach fallen lassen» ist für die Stuntfrau keine Option.

Männer kämpfen, Frauen kassieren

Virginie und Estelle arbeiten beide in Frankreich. Während ihre männlichen Kollegen kämpfen, rennen oder brennend aus dem Fenster springen, müssen sie vor allem fallen. Sie kassieren Ohrfeigen, werden gewürgt, überfahren oder zu Boden geschubst. «Das Leben ist für Frauen generell härter, und das spiegelt sich auch im Film wider», sagt Estelle.

Das Leben ist für Frauen generell härter, und das spiegelt sich auch im Film wider
Autor: Estelle, Stuntfrau

In einer Stuntschule tauscht Estelle sich mit anderen Teilnehmerinnen aus. Eine Stuntfrau kämpft mit einem missglückten Scheinkampf, bei dem sie einen Schlag abbekommen hat. Dabei wurden unschöne Erinnerungen an ihre Vergangenheit mit einem Ex-Freund geweckt. Anderen gehe es ähnlich. In Kampfszenen, in denen sie geschlagen werden, fühlen sie sich unterdrückt.

Unsichtbar trotz Scheinwerferlicht

Besonders eindrücklich ist, wie unsichtbar diese Frauen bleiben. Sie zeigen weder Namen noch Gesicht, denn im fertigen Film gehören sie jemand anderem. Ihre Arbeit soll nicht erkannt werden. Sie sind Körper, die für die Illusion einstehen. Der Dokumentarfilm zeigt, wie viel Können und Aufwand hinter einer Szene stecken, die im Kino nur wenige Sekunden dauert.

Stuntfrauen, SRF1, 22.03.26, 22:25 Uhr ; 

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