Jede zehnte Frau leidet an Endometriose und doch dauert es im Schnitt sieben bis zehn Jahre, bis eine Diagnose gestellt werden kann. Das Sprechen über Menstruationsschmerzen unterliegt immer noch gesellschaftlichen Tabus. Die Schmerzen würden nicht ernst genommen, es fehle an Aufklärung und finanziellen Mittel für die Forschung, so die Doku «Endometriose – Unerkannt, ignoriert, belächelt».
Was ist Endometriose?
Von Endometriose können alle Menschen mit einem Uterus betroffen sein. Gewebe, das der Gebärmutterschleimhaut ähnelt, wächst an Stellen, wo es nicht hingehört. So zum Beispiel an den Eierstöcken, im Bauch- und Beckenraum, an der Blase, am Darm oder in der Lunge.
Bei der sogenannten Adenomyose wachsen sich Endometrioseherde in die Muskelschicht der Gebärmutter ein. Während der Menstruation schwellen sie an und bluten. Dieses Blut kann jedoch nicht nach aussen abfliessen. Dadurch kann es zu Entzündungen, Narbenbildungen, Zysten und Verwachsungen zwischen den Organen kommen.
Eine chronische Krankheit ohne Heilung
Die Krankheit ist chronisch. Häufig lassen die Symptome erst in den Wechseljahren nach, weil weniger Östrogene produziert werden. Eine Heilung gibt es bis jetzt nicht. Oft werden Hormone in Form der Anti-Baby-Pille verschrieben. Doch aufgrund der starken Nebenwirkung vertragen viele Betroffene diese Behandlung nicht oder lehnen sie ab.
Bewegung, Ernährungsumstellung, Osteopathie, Akupunktur und psychologische Begleitung können helfen, doch oftmals bleibt als letzte Option nur eine Operation, bei welcher die Endometrioseherde entfernt werden.
Der lange Leidensweg von Maria
«Es sind wie Messerstiche in der Gebärmutter», erklärt die 28-jährige Maria ihre Schmerzen. Seit sie 13 ist, leidet sie unter sehr starken Regelbeschwerden. Sie wird regelmässig vor Schmerzen ohnmächtig und muss erbrechen.
In der Schule fehlte sie oft tagelang und musste öfters stationär im Krankenhaus behandelt werden. Und doch hiess es: Diese starken Regelschmerzen seien normal, sie solle Schmerzmittel nehmen und sich entspannen. Es wurde ihr gesagt, dass sie für Endometriose noch zu jung sei.
Nach der Diagnose fühlte ich mich im Stich gelassen.
Erst mit 18 Jahren und nach zwei Bauchspiegelungen erhält sie die Diagnose Endometriose. «Nach der Diagnose fühlte ich mich im Stich gelassen», erzählt sie. Sie wusste nicht, wie mit der Krankheit umgehen. Wegen der vielen Absenzen verliert sie ihre Stelle. Danach geht sie in eine Selbsthilfegruppe. Mit 20 wird sie vorübergehend in künstliche Wechseljahre versetzt, in dem die Produktion von Östrogen reduziert wird.
Umgang mit den ständigen Schmerzen
Unterdessen hat Maria verschiedene Methoden, wie sie mit den Schmerzen umgehen kann. Vor allem Wärme und Ablenkung helfen. Marias Weg ist ein typischer. Oft dauert es lange, bis eine Diagnose gestellt werden kann. Je später die Endometriose festgestellt wird, desto wahrscheinlicher sind schwere Folgeerkrankungen, wie chronische Schmerzen, Unfruchtbarkeit, beschädigte Nerven, angegriffene Organe oder Depressionen.
Mittlerweile wird intensiv an innovativen Behandlungs- und Diagnosemethoden geforscht. So gibt es neu Speicheltests, die eine Früherkennung möglich machen. Trotz medizinischer Fortschritte bleibt Aufklärung entscheidend. Endometriose sei nicht nur ein «Frauenproblem», sondern eine gesamtgesellschaftliche Herausforderung, hält die Doku fest.