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Wegwerfprodukt Legehenne Kurzes Leben: Schweizer Hennen werden nach 12 Monaten getötet

In der Schweiz werden jedes Jahr rund zwei Millionen Legehennen getötet und das obwohl sie noch Eier legen und gesund sind. Wie viel Potenzial steckt in einer Legehenne, die für die Industrie ausgedient hat?

Während zwölf Monaten haben die 500 Legehennen auf dem Lüscherhof fast jeden Tag ein Ei gelegt. Aber jetzt ist Schluss. Tobias Lüscher räumt seinen Stall. Die Legehennen verpackt er in Transportkisten, um sie danach zum Schlachthof zu bringen. «Es gibt schönere Arbeiten. Aber es muss halt sein», sagt der Eierproduzent. So wie seinen Tieren geht es rund 70% aller Legehennen in der Schweiz: Nach einem Jahr Eierlegen haben sie ausgedient. Es kommt eine neue Herde auf den Hof, der es nach zwölf Monaten gleich ergehen wird. 

Tobias Lüscher nennt dafür zwei Gründe: «Das Hauptproblem ist die Schalenqualität. Die Schalen werden brüchiger.» Dazu komme, dass die Legeleistung der Hennen nach zwölf Monaten abnehme. 

Eier für Ostern und Weihnachten 

Die Eierproduktion ist strikt auf die saisonale Nachfrage ausgerichtet. Fürs Guetzlibacken an Weihnachten und Ostern im Frühling wollen die Schweizer Konsument:innen viele Eier. Dann müssen die Legehennen liefern. Im Sommer sinkt dann der Konsum. Da für die kommenden Feiertage aber wieder Höchstleistung erwartet wird, wird die alte Herde durch eine neue ersetzt. 

Dies verlange der Eiermarkt: «Das ist eine planerische Massnahme. Sie stellt sicher, dass wir an Weihnachten und Ostern immer genug Eier haben», sagt Daniel Würgler, Präsident des Eierproduzent:innenverbands Gallosuisse. 

Das Experiment: Haben die Hennen wirklich ausgedient? 

Aber ist das wirklich so? Sind diese Legehennen nach einem Jahr wirklich ausgelaugt? Die Rundschau rettet 16 ausrangierte Legehennen und bringt sie auf den Hof von Demeter-Landwirt Kurt Brunner. Dass diese Hennen nach nur zwölf Monaten getötet worden wären, ist für ihn nicht vertretbar: «Das ist katastrophal. Wir müssen dieses durchgetaktete System dringend überdenken.» Die Legehenne ist eines der am extremsten gezüchteten Nutztiere der Welt. Vor 70 Jahren legte eine Henne noch 155 Eier pro Jahr. Mittlerweile sind es über 320, also beinahe ein Ei täglich. 

Einige Tage nach der Ankunft in ihrem neuen Zuhause legen die 16 Hühner fast keine Eier mehr. «Der Umzugsstress, das neue Futter, ein anderes Trinksystem – Es ist verständlich, dass ihr Leben nicht einfach weitergelaufen ist», sagt Kurt Brunner. Doch die Bilanz nach vier Wochen im neuen Zuhause sieht anders aus: In einer Woche haben die 16 Tiere immerhin 69 Eier gelegt. Zwei Monate später legen die Hennen sogar 12 bis 13 Eier pro Tag. «Die Tiere zeigen, dass eigentlich noch viel Potenzial in ihnen steckt», freut sich Kurt Brunner. 

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