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Covid-Massnahmen unter der Lupe
Aus Puls vom 30.08.2021.
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Fachleute ordnen ein Sechs Corona-Massnahmen auf dem Prüfstand

Seit Beginn der Pandemie wird auf verschiedene Weise versucht, das Coronavirus einzudämmen. Was nützt wirklich? Was ist überholt?

Handhygiene, Desinfektion, Schutzmasken, Abstand, Lüften, Trennscheiben: Massnahmen, die unseren Alltag prägen und mit fortschreitender Dauer auf immer weniger Akzeptanz stossen.

Machen alle Sinn? Das Gesundheitsmagazin «Puls» hat namhafte Expertinnen und Experten um ihre Einschätzung gebeten.

1. Hände waschen

«Das Händewaschen spielt für die Corona-Infektionen keine grosse Rolle. Man kann darauf verzichten – ausser für die üblichen Situationen im Alltag.» Diese klare Ansage kommt von Walter Popp, dem Vizepräsidenten der Deutschen Gesellschaft für Krankenhaushygiene. Im Zweifelsfall rät er eher zur Handdesinfektion.

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«Händewaschen spielt für die Corona-Infektion keine grosse Rolle.»
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Entschieden anders sieht dies Sarah Tschudin von der Schweizer Covid-Taskforce: «Doch, das ist nötig!» Händewaschen und -desinfektion seien stets ein Teil aller Massnahmenpakete gewesen. «Es ist schwierig zu beurteilen, wie wirksam die anderen Massnahmen sind, wenn man jetzt plötzlich auf eine Komponente verzichtet.»

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«Doch, das Händewaschen gehört dazu.»
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2. Oberflächen desinfizieren

Lange war unklar, wie lange das Virus auf Oberflächen aktiv bleibt. Entsprechend intensiv wurde und wird noch immer auf grossflächiges Desinfizieren gesetzt.

«Eine völlige Zeitverschwendung», meint dazu Jose-Luis Jimenez, Aerosolexperte an der University of Colorado in Boulder. «Oberflächendesinfektion ist komplett nutzlos. Das kann man sich zu Hause, im Büro oder in einem Café wirklich sparen.»

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«Das Desinfizieren von Oberflächen ist eine unglaubliche Zeitverschwendung.»
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Mit dem Verzicht auf grossflächiges Desinfizieren ist auch Sarah Tschudin-Sutter grundsätzlich einverstanden. Anders aber bei Liftknöpfen und ähnlichem: «Flächen, die sehr häufig von verschiedenen Personen angefasst werden, würde ich weiterhin desinfizieren.»

3. Masken tragen

Als «einen der grössten Fehler in der Geschichte der Volksgesundheit» bezeichnet Jose-Luis Jimenez die anfängliche Annahme, dass sich das Coronavirus nicht über die Luft verbreite. Erst im Herbst 2020 räumte die WHO das Gegenteil ein. Noch im Frühjahr bezeichnete Epidemiologe Peter Jüni die Masken «Puls» gegenüber kurzerhand als «Witz».

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«Meine Aussage vom März war absolut falsch.»
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Das sieht Jüni heute anders. «Was ich damals im März gesagt habe, war absolut falsch.» Zu dieser Erkenntnis sei er im Sommer gelangt, als klar wurde, dass das Virus primär luftübertragen wurde. Als wissenschaftlicher Leiter der Covid-Taskforce von Ontario, Kanada, spricht er sich nun vehement für das Maskentragen aus.

4. Abstand halten

Abstand schützt vor Tröpfchenübertragung ebenso wie vor Aerosolen, denn bei genügend Abstand wird die ausgeatmete Luft ausreichend verdünnt. Die «Puls»-Fachrunde spricht sich deshalb unisono für das Beibehalten dieser Massnahme aus, die direkt zur nächsten führt: regelmässiges Lüften von Innenräumen.

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Abstand halten bleibt Trumpf
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5. Lüften

Diese eigentlich zentrale Massnahme kam erst recht spät hinzu. «Diese Karte hätte man rückblickend viel früher spielen sollen», meint Peter Jüni.

Wichtig: laufend den CO2-Gehalt der Luft messen, um zu wissen, wann das Lüften fällig ist.

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Lüften: am besten in Verbindung mit CO2-Messung
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6. Plexiglasscheiben

Die transparenten Trennelemente sind bei den ersten Entspannungsschritten wie Pilze aus dem Boden geschossen. Richtig eingesetzt sind sie kurzfristig auch durchaus von Nutzen: «Als Spuckschutz sind sie sinnvoll, aber kein dauerhafter Schutz vor Luftübertragung», meint Hygieniker Walter Popp.

Und Peter Jüni warnt davor, mit zu vielen Scheiben eine gute Durchlüftung zu verhindern: «Plexiglas macht nur Sinn, wenn man es frontal einsetzt und beide Seiten der Scheibe optimal belüftet sind. Sonst ist es kontraproduktiv.»

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Plexiglas: nur wenn es die Belüftung nicht stört
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«Innenraum-Pandemie» Corona

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Maske tragen, Abstand halten, fleissig Lüften: Die von «Puls» befragte Fachrunde ist sich einig, dass all dies trotz Impfung weiterhin zu unserem Schutzrepertoire gehören soll.

«Noch effektiver», so Aerosolexperte Jose-Luis Jimenez, «ist es, Dinge möglichst draussen zu erledigen.» Denn drinnen sei die Übertragungsrate mindestens 20-mal, wenn nicht 1000-mal höher: «Corona ist eine ‹Innenraum-Pandemie›!»

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Puls, 30.08.2021, 21:05 Uhr

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54 Kommentare

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  • Kommentar von Claudio Kohler  (KCl - Salz in die Suppe)
    Frage: wie ist das mit Raumlüftung, Minergie, Klimaanlagen etc. sind die positiv (bessere Verdünnung) oder negativ (Verteilung in der ganzen Wohnung/Büro)? Gibt es da Erkenntnisse?
  • Kommentar von Richard Liu  (richard-liu)
    Im Artikel geht es offenbar ausschliesslich um persönliche Massnahmen, wie man sich selber schützen kann. Testen, Quarantäne, Kontaktverfolgung, u.dgl. kommen nicht vor. Dabei ist das Problematische an COVID-19 die Verbreitung, nicht so sehr von Mensch zu Mensch, sondern vor allem von Herde zu Herde.
  • Kommentar von Aaron Davis  (aaron.davis)
    Wie wäre es mal eine Studie durchzuführen, wie sich die Zertifikatspflicht auf die Hospitalisierungsrate auswirkt? Gut möglich, dass durch das Zertifikat die Ungeimpften sich dann öfters miteinander treffen und somit zu höheren Hospitalisierungsraten führen.

    Mit zum November braucht es Studien dazu, ansonsten wird das eine Abstimmung welche ohne klare Faktenlage...
    1. Antwort von Richard Liu  (richard-liu)
      In der Schweiz werden solche Studien durch die Fragmentieren des Gesundheitswesens (Kantone, Versicherungen) erschwert, Man ist auf Länder wie Israel und Grossbritanien angewiesen.

      Was das Zertifikat betrifft: Ursprünglich sollte ein Test vor der Einreise die Quarantäne verkürzen, also beweisen, dass man nicht ansteckend ist. Da Geimpfte ansteckend sein können aber nicht getestet werden, Getestete wohl nicht ansteckend aber auch nicht immun ...???