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Vitamin D gegen Covid: Was ist dran?
Aus Puls vom 08.02.2021.
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Vitamin D und Corona Hilft das Sonnenvitamin gegen Covid-19?

Viele setzen auf Vitamin D – auch, um Covid-19 vorzubeugen. Die Hoffnungen sind gross, doch Beweise gibt es kaum.

Corona polarisiert in so manchen Fragen. Eine davon: Mildert Vitamin D den Covid-Verlauf? Während einige auf das Sonnenvitamin schwören, bleiben stichhaltige Beweise aus. Ein Faktencheck.

Das Wunder von Elgg

Das Wunder von Elgg machte letzten Herbst die Runde: Im Elgger Pflegezentrum Eulachtal erkrankten 25 Bewohner an Covid-19, doch alle nur mit milden Symptomen. Und: Sie nahmen alle Vitamin D ein. Zufall?

Nationalrätin Therese Schläpfer wurde auf den Fall aufmerksam und forderte den Bundesrat auf, Vitamin D breit zu empfehlen. «Viele Heime, am liebsten alle, sollen die Menschen mit Vitamin D versorgen.»

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«Heime mit Risikogruppen sollen sich dem Vitamin D Mangel annehmen.»
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Eine nationale Empfehlung blieb aus. Denn trotz aller Euphorie ist Vorsicht geboten. Ein Altersheim in Flawil etwa zeigt das Gegenbeispiel zu Elgg: Im Heim erkrankten knapp 60 Bewohner an Covid-19, die Hälfte von ihnen nahm Vitamin D.

Legende: Wohn- und Pflegeheim Flawil SRF

Beim Krankheitsverlauf schien das Vitamin keine Rolle zu spielen: Unter den knapp 40 Genesenen nahm die Hälfte Vitamin D Supplemente, die andere nicht. 20 Menschen verstarben, wobei 9 von ihnen regelmässig Vitamin D eingenommen hatten.

«Keine einzige Studie kann man brauchen»

Der Muotathaler Hausarzt Matthias Gauger ist prominenter Vitamin D Verfechter. Auch er verlangt einen flächendeckenden Einsatz des Vitamins. Diverse Studien würden den Zusammenhang von Vitamin D und weniger oder schwächeren Covid-Erkrankungen beweisen. «15 Studien zeigen eine Risikoreduktion von 65%.»

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Hausarzt Matthias Gauger: «15 Behandlungsstudien zeigen eine Covid-Risikoreduktion von 65%.»
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Felix Huber, Leiter des Hausärztenetzwerkes Medix und Mitglied der Corona-Taskforce, widerspricht: «Man weiss, dass Vitamin D nicht vor Covid-19 schützt und den Verlauf einer Covid-Infektion nicht günstig beeinflusst.» Die Studien dazu habe man geprüft: «Sie wurden alle schlecht durchgeführt, keine einzige Studie kann man brauchen.»

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«Die Studien sind sehr schlecht durchgeführt, man kann keine einzige davon brauchen.»
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Macht Vitamin D Appetit auf Glacé?

Eine Tatsache bleibt: Viele der (teils schwer) an Covid-19-Erkrankten weisen einen Vitamin-D-Mangel auf. Diese Tatsache stellt Felix Huber nicht in Frage. Dass der Vitamin-D-Mangel darum einen Einfluss auf die Erkrankung habe, aber schon.

Die entscheidende Frage: Nur Korrelation oder auch Kausalität? Was sich nach Fachjargon anhört, ist eigentlich ganz einfach.

Ein Beispiel: Steigt der Vitamin D Spiegel bei Menschen, werden erwiesenermassen auch mehr Glacés verkauft. Trotzdem hilft Glacé nicht gegen Vitamin-D-Mangel. Und mehr Vitamin D im Körper macht auch nicht mehr Appetit auf Glacé. Zumindest nicht direkt. Denn was beide Dinge miteinander verbindet: die sonnigen Tage. Die Menschen tanken an der Sonne mehr Vitamin D – und haben bei den höheren Temperaturen auch mehr Glacé-Lust. Korrelation ja, Kausalität nein.

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Kausalität vs. Korrelation
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Bei Corona und Vitamin D verhält es sich ähnlich: Ältere Menschen sind sowohl von einem schweren Covid-19-Verlauf, als auch von einem Vitamin-D-Mangel häufiger betroffen.

Fazit: Ob Fallbeispiele, Studien oder Zusammenhänge von Vitamin-D-Mangel und Covid-19-Fällen; sie alle bleiben bis heute stichhaltige Belege schuldig. Vitamin D gegen Covid: Mehr Hoffnung als Beweis.

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Für wen ist Vitamin D empfohlen – Wo bringt es nichts?
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Puls, 08.02.2021, 21:05 Uhr

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39 Kommentare

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  • Kommentar von Samuel Müller  (Samuel Müller)
    Was interessiert es mich ob Vitamin D „tatsächlich gesund ist“, wenn hingegen absolut klar ist, dass „raus gehen“ und sich bewegen 100% sicher gesund ist, sogar ohne Sonne.
    Und 100% sicher ist auch, dass der Ratschlag „bleiben sie zu Hause“ auf eine längere Dauer ausserordentlich ungesund ist, physisch wie psychisch. Kein Wunder gerät der Gesundheitsminister damit immer mehr in Schieflage.
    1. Antwort von Michel Koller  (Mica)
      Damit ist gemeint, dass man nicht shoppen oder an Anlässe gehen soll. Möglichst die Mobilität einschränken. Gegen Spaziergänge und Sport hat Niemand etwas, ausser es wollen wieder 100 miteinander laufen. Hören Sie genauer zu.
  • Kommentar von Daniel Altorfer  (geni)
    Immer wieder werden Nutzen von Naturmitteln gegen COVID-19 angezweifelt oder es fehlen Beweise der Wirksamkeit. Was man jedoch mit Sicherheit sagen kann: die aktuellen Massnahmen schaden zu 100% unserem Immunsystem und machen den Körper für das Virus empfänglicher: Isolation, Quarantäne, Ängste, Depressionen. Doch von diesen Zusammenhängen schweigt man gerne....
    1. Antwort von Michel Koller  (Mica)
      Das ganze ist eben auch eine Kopfsache. Corona offenbart hier die Schwäche vieler Menschen. Gute-Laune-Gesellschaft und werden gleich krank, wenn es nicht nach Wunsch läuft. Mir persönlich geht es auch mit den Massnahmen gut und das Leben ist weiterhin, was ich daraus mache. Also sprechen Sie für sich selbst.
    2. Antwort von Philipp Notter  (Phil1)
      Grüezi Herr Altorfer
      Teile zu 100% Ihre Sicht.
  • Kommentar von kurt trionfini  (kt)
    Meine persönlichen Corona- Schutzmassnahmen seit Frühjahr 2020: Ausgewogene Ernährung; Viel anstrengende Tätigkeiten im Freien und somit körperlich robust unterwegs; Reduzierter Zigarettenkonsum; Genug Schlaf; Einigermassen zufrieden leben.
    Nichts davon schützt mich vor Corona.
    Falls es mich erwischt kann ich mit gutem Gewissen sagen: Ich habe vorgesorgt und kann auf meine körperlichen und mentalen Ressourcen vertrauen.