Ins Felslabor Mont Terri gelangt man über den Sicherheitsstollen des gleichnamigen Autobahntunnels: eine vier Kilometer lange Röhre, welche die Ajoie mit dem jurassischen Städtchen Saint-Ursanne verbindet. Das Felslabor besteht aus einem Netz von mehreren, insgesamt 1200 Meter langen Galerien im Opalinuston, dem hier vorherrschenden Gestein.
1:1-Modell eines künftigen Tiefenlagers
In den Galerien sind Dutzende von Untersuchungen am Laufen, eine davon in einer grossen, mit «FE» beschrifteten Anlage. FE stehe für «Full Scale Emplacement», erklärt Christophe Nussbaum, der Leiter des Felslabors, und es handle sich um das wichtigste Experiment eines künftigen Tiefenlagers für radioaktive Abfälle. «Hier wird 1:1 untersucht, wie der Stollenbau auf das Gebirge wirkt», sagt der Geologe «Dazu messen wir laufend die Temperatur, den Druck, die Feuchtigkeit und viele weitere Parameter, die in einem Tiefenlager relevant sein werden.»
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Bild 1 von 3. Wie wirkt sich in einem künftigen Tiefenlager für atomare Abfälle der Stollenbau auf das Gebirge aus? Das wird im Felslabor 1:1 untersucht. Bildquelle: Irène Dietschi.
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Bild 2 von 3. Modell eines eingelagerten Behältrs mit verbrauchten Brennelementen. Zwischen Behälter und dem Opalinuston wird als zusätzliche Schutzschicht Bentonitgranulat verfüllt. Bildquelle: Irène Dietschi.
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Bild 3 von 3. Die Forschungsarbeiten in Mont Terri sind international geprägt. Rechts im Bild Christophe Nussbaum, der Leiter des Felslabors. Bildquelle: Irène Dietschi.
FE läuft seit 2014. Es liefert etwa der Nagra, der Genossenschaft für die Lagerung radioaktiver Abfälle, wichtige Daten für Nördlich Lägern, den geplanten Standort eines geologischen Tiefenlagers im Kanton Zürich. Aber auch Forschungsgruppen aus Frankreich, Deutschland, den USA und Kanada sind an der Langzeituntersuchung beteiligt. Insgesamt zählt das Felslabor 22 Partnerinstitutionen aus zehn Ländern.
Jede Organisation ist stimmberechtigt
Diese Internationalität sei etwas Einmaliges, sagt der ETH-Forscher Thomas Flüeler, Mitglied der wissenschaftlichen Begleitkommission von Mont Terri: «Forschende aus der ganzen Welt können hier mitmachen und Experimente vorschlagen, die dann in der wissenschaftlichen Gemeinde erörtert werden, und jede Organisation, ob klein oder gross, hat das gleiche Stimmrecht.»
Dieses Modell jedoch steht zurzeit in Frage. Denn der Betreiber des Felslabors – das Bundesamt für Landestopografie Swisstopo – hat letzten Mai bekanntgegeben, dass es sich aus Mont Terri zurückziehen will. Gemäss einem Sparauftrag des Bundesrats.
Seither hat Swisstopo monatelange Verhandlungen geführt für ein neues «Partnerschaftsmodell», das schliesslich Folgendes vorsah: Der Bund – vertreten durch Swisstopo – solle Mont Terri zwar weiterhin verwalten, die operative Leitung des Felslabors und die Hauptkosten jedoch der Nagra übertragen. Die bisherige Begleitkommission, bestehend aus unabhängigen Expertinnen und Experten, würde aufgelöst.
Zukunft von Mont Terri wird politisch
Daraus wird jedoch vorläufig nichts: Der Kanton Jura, offizieller Besitzer des Felslabors, hat den Plänen von Swisstopo Anfang März eine Abfuhr erteilt. «Es ist schwer vorstellbar, dass die beteiligten Forschungspartner ihre Forschung unter der Leitung eines Unternehmens aus der Schweizer Kernindustrie durchführen würden», schreibt die jurassische Regierung. Die Neutralität und Unabhängigkeit des Felslabors müssten bewahrt bleiben.
Am 10. März hat der Ständerat eine Motion des jurassischen Parlamentariers Charles Juillard gutgeheissen. Diese verlangt vom Bundesrat, neue Lösungen für die Weiterführung des Felslabors zu prüfen.
Für Christophe Nussbaum wie auch Thomas Flüeler sind das gute Nachrichten.