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Geologie Mont Terri: Spannungen um die Zukunft des Felslabors

Das Felslabor Mont Terri im Jura ist weltbekannt. Im jahrmillionenalten Gestein forschen internationale Gruppen zur Lagerung radioaktiver Abfälle oder zur Speicherung von CO₂. Die wissenschaftliche Bedeutung ist unbestritten. Wer es künftig betreibt, ist ungewiss und hat politische Sprengkraft.

Ins Felslabor Mont Terri gelangt man über den Sicherheitsstollen des gleichnamigen Autobahntunnels: eine vier Kilometer lange Röhre, welche die Ajoie mit dem jurassischen Städtchen Saint-Ursanne verbindet. Das Felslabor besteht aus einem Netz von mehreren, insgesamt 1200 Meter langen Galerien im Opalinuston, dem hier vorherrschenden Gestein.

1:1-Modell eines künftigen Tiefenlagers 

In den Galerien sind Dutzende von Untersuchungen am Laufen, eine davon in einer grossen, mit «FE» beschrifteten Anlage. FE stehe für «Full Scale Emplacement», erklärt Christophe Nussbaum, der Leiter des Felslabors, und es handle sich um das wichtigste Experiment eines künftigen Tiefenlagers für radioaktive Abfälle. «Hier wird 1:1 untersucht, wie der Stollenbau auf das Gebirge wirkt», sagt der Geologe «Dazu messen wir laufend die Temperatur, den Druck, die Feuchtigkeit und viele weitere Parameter, die in einem Tiefenlager relevant sein werden.»

FE läuft seit 2014. Es liefert etwa der Nagra, der Genossenschaft für die Lagerung radioaktiver Abfälle, wichtige Daten für Nördlich Lägern, den geplanten Standort eines geologischen Tiefenlagers im Kanton Zürich. Aber auch Forschungsgruppen aus Frankreich, Deutschland, den USA und Kanada sind an der Langzeituntersuchung beteiligt. Insgesamt zählt das Felslabor 22 Partnerinstitutionen aus zehn Ländern. 

CO₂-Speicherung onshore untersuchen

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Unterirdischer Raum mit blauen Geräten und Schild 'Niche CO2'.
Legende: Viel Physik: Die Speicherung von CO₂ wird im Mont Terri unter realen Bedingungen untersucht. Irène Dietschi

In den letzten Jahren haben in Mont Terri die Untersuchungen für die Speicherung von CO₂ an Bedeutung gewonnen. Bei dieser wird angestrebt, das Treibhausgas CO₂ aus der Atmosphäre zu entfernen und unterirdisch einzulagern. 

Dieses Verfahren wird in Dänemark und Norwegen seit Jahren praktiziert – offshore, unter dem Meeresboden. «Wenn wir das onshore, also in Europa und der Schweiz machen wollen, dann müssen wir die Bevölkerung auf der Oberfläche berücksichtigen», sagt der Geologe Christophe Nussbaum, der Leiter des Felslabors.  

Unter diesen Bedingungen müsse man sicherstellen, dass kein CO₂ entweiche. Und dafür müsse man die Physik verstehen und die Prozesse unter realen Bedingungen untersuchen. Deswegen sei die Forschung in Mont Terri so wichtig: Es sei «der einzige Standort weltweit, an dem solche Untersuchungen zur CO₂-Speicherung onshore auf dieser Skala durchgeführt werden», sagt Nussbaum. Vor allem amerikanische Forschungsgruppen haben in Mont Terri viele Projekte am Laufen.

Jede Organisation ist stimmberechtigt 

Diese Internationalität sei etwas Einmaliges, sagt der ETH-Forscher Thomas Flüeler, Mitglied der wissenschaftlichen Begleitkommission von Mont Terri: «Forschende aus der ganzen Welt können hier mitmachen und Experimente vorschlagen, die dann in der wissenschaftlichen Gemeinde erörtert werden, und jede Organisation, ob klein oder gross, hat das gleiche Stimmrecht.»

Dieses Modell jedoch steht zurzeit in Frage. Denn der Betreiber des Felslabors – das Bundesamt für Landestopografie Swisstopo – hat letzten Mai bekanntgegeben, dass es sich aus Mont Terri zurückziehen will. Gemäss einem Sparauftrag des Bundesrats. 

1,5 Millionen Ersparnis pro Jahr

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Seit der Gründung des Felslabors Mont Terri im Jahr 1996 sind gemäss Swisstopo rund 150 Millionen Franken in das Felslabor investiert worden. 120 Millionen Franken Investitionen haben die Projektpartner aus dem In- und Ausland getätigt, die schweizerische Eidgenossenschaft, vertreten durch Swisstopo, hat seit 2006 rund 30 Millionen Franken beigesteuert.

Durch die Veräusserung des Felslabors an einen Dritten würde der Bund jährlich 1,5 Millionen Franken einsparen.

Seither hat Swisstopo monatelange Verhandlungen geführt für ein neues «Partnerschaftsmodell», das schliesslich Folgendes vorsah: Der Bund – vertreten durch Swisstopo – solle Mont Terri zwar weiterhin verwalten, die operative Leitung des Felslabors und die Hauptkosten jedoch der Nagra übertragen. Die bisherige Begleitkommission, bestehend aus unabhängigen Expertinnen und Experten, würde aufgelöst.

Zukunft von Mont Terri wird politisch 

Daraus wird jedoch vorläufig nichts: Der Kanton Jura, offizieller Besitzer des Felslabors, hat den Plänen von Swisstopo Anfang März eine Abfuhr erteilt. «Es ist schwer vorstellbar, dass die beteiligten Forschungspartner ihre Forschung unter der Leitung eines Unternehmens aus der Schweizer Kernindustrie durchführen würden», schreibt die jurassische Regierung. Die Neutralität und Unabhängigkeit des Felslabors müssten bewahrt bleiben.

Am 10. März hat der Ständerat eine Motion des jurassischen Parlamentariers Charles Juillard gutgeheissen. Diese verlangt vom Bundesrat, neue Lösungen für die Weiterführung des Felslabors zu prüfen. 

Für Christophe Nussbaum wie auch Thomas Flüeler sind das gute Nachrichten.

Echo der Zeit, 10.03.2026, 18:00 Uhr

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