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Geschlechtskrankheit 5500 Jahre altes Bakterium als Ursache für Syphilis entdeckt

Forscherinnen und Forscher der Uni Lausanne haben in 5500 Jahre alten Skeletten aus Kolumbien ein syphilisähnliches Bakterium entdeckt.

Ein Forschungsteam aus Lausanne hat die Überreste eines rund 5500 Jahre alten Jägers und Sammlers aus einem Hochplateau in Kolumbien untersucht. Dabei fanden sie Spuren eines Bakteriums, das eine Krankheit verursacht, die Syphilis stark ähnelt. Die Analyse liefert neue Hinweise darauf, dass in Amerika schon lange vor der Ankunft der Europäer eine grosse Vielfalt solcher Krankheitserreger verbreitet war.

«Wir haben im Schienbein eines etwa 5500 Jahre alten Skeletts Spuren eines Bakteriums entdeckt, das eine Krankheit verursacht, die der Syphilis sehr ähnlich ist», erklärt Anna‑Sapfo Malaspinas gegenüber dem Westschweizer Radio und Fernsehen RTS. Sie ist ausserordentliche Professorin an der Universität Lausanne (UNIL) und Forscherin am Schweizerischen Institut für Bioinformatik (SIB).

Syphilis-Erreger: Das haben Forschende entdeckt (dt. Untertitel)

Die Skelette stammen aus Felsunterkünften nahe Bogotá und wurden bereits vor über fünfzig Jahren ausgegraben. Die Ergebnisse sind am 22. Januar in der Fachzeitschrift «Science» erschienen.

Analyse von Milliarden DNA‑Fragmenten

Das gefundene Bakterium gehört zur Gattung Treponema pallidum, deren Unterarten Krankheiten wie Syphilis, Frambösie, Bejel und Pinta auslösen. Um es nachzuweisen, extrahierte das Team das gesamte genetische Material aus den Knochen und sequenzierte rund eineinhalb Milliarden DNA‑Fragmente. Anschliessend wurden diese in Lausanne sortiert und mit modernen Mikroben verglichen.

Hand mit Handschuh, die Tropfen auf Teststreifen gibt.
Legende: Sexuell übertragbare Infektionen sind behandelbar. Doch sie sind immer noch für viele ein Tabuthema. Keystone/Alessandro Della Bella

«Wir wollen genau bestimmen, zu welcher Unterart die DNA gehört», sagt Davide Bozzi, Doktorand an der UNIL/SIB. «Dabei fanden wir ein Bakterium, das eng mit den Erregern verwandt ist, die heute Syphilis verursachen.»

Jäger und Sammler bereits betroffen

Die Entdeckung verändert das Bild der Syphilisentwicklung. Bislang nahm man an, treponemische Krankheiten hätten sich erst mit der Sesshaftigkeit und dichterer Besiedlung verbreitet. Nun zeigt sich: Das Bakterium war schon bei mobilen Jäger‑ und Sammlergruppen präsent – also weit vor dem Aufkommen der Landwirtschaft.

Die Studie beeinflusst auch die Debatte um den Ursprung der Syphilis. Bisher standen sich zwei Hypothesen gegenüber: Die sogenannte kolumbianische Hypothese, nach der europäische Seefahrer die Krankheit aus Amerika nach Europa brachten, und die präkolumbianische Hypothese, die davon ausgeht, dass Syphilis bereits lange zuvor im alten Kontinent existierte und erst später durch Mutationen virulenter wurde.

Bedeutung für heute

Ein tieferes Verständnis der Krankheitsgeschichte könne helfen, Vorurteile abzubauen und offener über Syphilis zu sprechen. «Das reduziert Stigmatisierung und erleichtert Prävention», so Molly Zuckerman, Anthropologin an der University of Mississippi.

Da die weltweiten Fallzahlen seit Jahren steigen, liefern die neuen Erkenntnisse nicht nur historische Einsichten, sondern auch wertvolle Hinweise «für die Erforschung alter und neuer Krankheitserreger» – und unterstützten Gesellschaften dabei, sich besser vorzubereiten.

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RTS 19h30, 22.01.2026, 19:30 Uhr;liea

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