Seit zwölf Jahren ist der Wirkstoff Fipronil in der Landwirtschaft verboten. Umso überraschter waren die Forschenden, als sie Fipronil in den letzten Jahre in den Gewässern nachmassen.
«Wir fanden Fipronil schweizweit in zahlreichen Bächen und Flüssen – und oft lagen die Messwerte über den chronischen Qualitätskriterien», sagt die Umweltchemikerin Sofia Barth von der VSA-Plattform Wasserqualität. Sie hat die Untersuchung geleitet.
«Eines der giftigsten Insektizide»
«Der Wirkstoff Fipronil ist eines der giftigsten Insektizide, das wir im Moment im Wasser finden», sagt Barth. Bereits ein Kilogramm Fipronil verteilt auf den ganzen Bielersee würde ausreichen, um zahlreiche Kleintiere zu schädigen.
«Sie müssen nicht unbedingt sterben, aber auch eine Beeinträchtigung in der Fortpflanzung oder im Wachstum hat schon negative Folgen auf die Grösse der Population», sagt Barth.
Denn Kleinlebewesen wie Flohkrebse, Stein- oder Köcherfliegenlarven sind sozusagen die Grundnahrungsmittel für Fische und viele weitere grössere Wasserbewohner. Ihre Zahl nimmt ebenfalls ab. Es ist vergleichbar, wie wenn man uns Menschen den Weizen, die Kartoffel und den Reis sehr stark rationieren würde.
Spurensuche führt zu den privaten Haushalten
Um zu überprüfen, woher das Fipronil kommt, haben die Umweltchemikerinnen schweizweit regelmässig Proben an verschiedenen Bächen und Flüssen genommen. Am höchsten waren die Konzentrationen unterhalb von Abwasserreinigungsanlagen. Untersuchungen in diesen Anlagen zeigten dann, dass Fipronil kontinuierlich das ganze Jahr aus den Haushalten kommt.
Man weiss, dass Fipronil an unseren Händen haftet.
Wer Katzen oder Hunde von Flöhen oder Zecken befreien will, träufelt oft nur wenige Tropfen des Wirkstoffs auf den Nacken. Das Gift verteilt sich von da langsam auf Haut und Haar der Tiere und gelangt dann aber auch weiter in die Wohnung. Es ist bis in den Hausstaub messbar.
«Man weiss, dass Fipronil an unseren Händen haftet oder auch an anderen Oberflächen, die mit dem Tier in Kontakt kamen. Von da können sie dann übers Abwaschen ins Wasser gelangen», erklärt Barth. Das Pestizid kommt also aus unseren Wohnzimmern übers Abwasser in die Gewässer.
SVP-Ständerat fordert Einschränkung
In der Landwirtschaft ist der Einsatz von Fipronil seit zwölf Jahren untersagt. Für einmal stehen damit nicht Bäuerinnen und Bauern am Pranger, wenn es um die Vergiftung der Schweizer Bäche geht, sondern Hunde- und Katzenbesitzer.
Eine ganze Anzahl einheimischer Fischarten sind gefährdet.
So sind denn auch besorgte Stimmen aus ganz ungewohnter Ecke zu hören: Ob der Bundesrat bereit sei, «eine Einschränkung oder sogar ein Verbot der Anwendung von Fipronil zu prüfen», schrieb SVP-Ständerat Jakob Stark in einer Interpellation. Denn «eine ganze Anzahl einheimischer Fischarten sowie diverse insektenfressende Vogelarten sind gefährdet oder bereits ausgestorben».
Gar kein Zecken- und Flohmittel für die Haustiere mehr zu verwenden, sei wohl nicht die Lösung, sagt Umweltchemikerin Sofia Barth: «Aber vielleicht gibt es Situationen, in denen man darauf verzichten oder nach Alternativen suchen kann.» Wobei man auch die möglichen Ersatzstoffe erst genau unter die Lupe nehmen müsse. «Denn bisher wurde der Heimtierbereich nicht als problematisch betrachtet», sagt Barth. Und so gibt es bei der Zulassung neuer Insektizide in diesem Bereich bisher keine vertiefte Umweltprüfung.