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Robotik trifft Kulinarik Heute gibt’s Roboter zu Mittag!

An der ETH Lausanne werden Roboter gebaut, die man essen kann. Das soll nicht nur lecker, sondern auch nützlich sein.

Einen Roboter stellt man sich in der Regel so vor: gross, hart, gemacht aus Plastik und Metall. Doch Roboter können auch so aussehen: klein, weich, gemacht aus Gelatine – und bei Bedarf essbar.

Video der ETH Lausanne

Im Laboratory of Intelligent Systems an der ETH Lausanne forscht Dario Floreano mit seinem Team an solchen Maschinen. Drohnen etwa mit essbaren Flügeln aus Reiskeksen. Oder kleine Boote aus essbarem Wachs und Gelatine, die dank dem Marangoni-Effekt auf dem Wasser herumdüsen.

Zutaten statt Bauteile

«Alle unsere Roboter bestehen aus verschiedenen essbaren Zutaten», sagt Dario Floreano: «Aus Stärke zum Beispiel, Gelatine oder verschiedenen Mineralien, die gesund und gut verträglich sind.»

EU-Projekt RoboFood

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Eine Portrait-Aufnahme des Wissenschaftlers Dario Floreano.
Legende: Dario Floreano SRF

RoboFood ist ein 2021 gestartetes europäisches Forschungsprojekt, das von der EU mit 3.5 Millionen Euro finanziert wird. Dario Floreano ist für die Koordination zuständig, Partner sind das Istituto Italiano di Tecnologia, die Universität Bristol und die Universität Wageningen.

Ziel ist die Entwicklung vollständig essbarer und biologisch abbaubarer Roboter als Teil eines ökologischen und biologischen Kreislaufs.

Das Projekt vereint Robotik, Lebensmittelwissenschaft und Gastronomie und erforscht essbare Materialien, Aktuatoren, Sensoren, Energiespeicher und Herstellungsverfahren.

Andere essbare Roboter sind kaum als solche zu erkennen: Sie kommen als kleine Gelklumpen daher oder als Kapseln und bestehen aus Hydrogelen, Stärke, Gelatine oder Algenmaterialien. Sie bewegen sich, indem sie sich verformen, zusammenziehen oder ausdehnen, etwa wenn Luft in sie gepumpt wird.

Roboter zersetzen sich von selbst

Solche essbaren Roboter können geschluckt werden, um ein Medikament genau dort freizusetzen, wo es gebraucht wird, zum Beispiel an einer entzündeten Stelle im Darm oder einer verletzten Magenwand. Danach zerfallen sie oder werden verdaut.

Eine Drohne aus essbaren Materialien.
Legende: Die Flügel der essbaren Drohne bestehen aus Reiskeksen, die mit essbarer Gelatine verklebt sind. Eine Beschichtung mit Bienenwachs schützt die Drohne vor Feuchtigkeit. EPFL

«Biologisch abbaubare Roboter zersetzen sich von selbst», erklärt Dario Floreano, und ergänzt: «Aber wir haben uns gefragt: Was, wenn diese Roboter auch essbar sind? Damit könnten wir Maschinen entwickeln, die sich bewegen, und am Ende ihres Lebens nicht nur abgebaut werden, sondern auch Nahrung liefern.»

Was sich bewegt wird gefressen

So können sie in Form von Drohnen Menschen in schwer zugänglichen Gebieten mit Nahrung, Vitaminen oder Medikamenten versorgen. Und weil so eine Drohne selbst Teil der Lieferung ist, bleibt kein Plastikmüll, Metall und Elektroschrott zurück.

Spektakulär, aber noch nicht serienreif

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Die Technologie der essbaren Roboter steckt in einem frühen Forschungsstadium. Viele Komponenten funktionieren im Labor, aber noch nicht zuverlässig genug für den Alltag. So schrumpfen etwa Ventile aus Gelatine-Hydrogel mit der Zeit und verlieren nach wenigen Stunden ihre Funktion. Die Leistung essbarer Batterien ist gering, die Bewegungen der Roboter sind oft unpräzise und schwer steuerbar.

Eine besondere Herausforderung: Die Integration aller Komponenten – Sensoren, Aktuatoren, Energiequellen und Steuerung – in einem einzigen, funktionierenden System. Auch fehlen noch Langzeitstudien zur Sicherheit, etwa zur Wechselwirkung mit dem menschlichen Verdauungssystem.

Bis essbare Roboter in Medizin oder Landwirtschaft zum Einsatz kommen, dürften noch Jahre vergehen.

Auch Tiere können so gezielt gefüttert und gleichzeitig mit Impfstoffen versorgt werden – oft effektiver als mit Futter, das einfach nur da liegt. Denn Wildschweine und andere Tiere bevorzugen lebende, sich bewegende Beute. Essbare Roboter nutzen dieses natürliche Verhalten aus.

«Bei Fischen kann solches Futter dazu beitragen, dass weniger Futter verschwendet wird», sagt Dario Floreano. So reduziert sich auch die Verschmutzung des Wassers: Weil bewegliche Futterpellets für Fische attraktiver sind, sinkt nicht mehr ein grosser Teil ungefressen zu Boden.

Eine essbare Batterie

Und was für Tiere gut ist, kann auch Menschen gefallen, denn essbare Roboter machen neue kulinarische Erlebnisse möglich. So haben die Forschenden der ETH Lausanne zusammen mit Fachleuten der Hotelfachschule Lausanne das «RoboCake» geschaffen und 2025 im Schweizer Pavillon der Weltausstellung Osaka 2025 präsentiert: Eine vollständig essbare, robotergesteuerte Hochzeitstorte, die Robotik mit Konditoreikunst verbindet.

Bokeon Kwak von der EPFL und Patissier Julien Boutonnet von der Hotelfachschule Lausanne setzen den RoboCake zusammen.
Legende: Bokeon Kwak von der EPFL und Patissier Julien Boutonnet von der Hotelfachschule Lausanne setzen den RoboCake zusammen. EPFL

Die LED-Kerzen der Torte zum Beispiel werden von der weltweit ersten wiederaufladbaren essbaren Batterie betrieben, entwickelt vom Istituto Italiano di Tecnologia. Dario Floreano meint dazu: «Die Verbindung von Robotik und Ernährung bietet viele Chancen, vor allem in Bezug auf die Reduzierung von Verschwendung – sowohl bei elektronischen Geräten als auch bei Lebensmitteln».

Radio SRF 3, 5.2.2026, 16:15 Uhr

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