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Schillernder Gen-Pionier Der Genforscher Craig Venter ist tot

  • Der Gen-Pionier Craig Venter ist mit 79 Jahren in San Diego gestorben.
  • Venter hat das menschliche Genom entschlüsselt und schuf das erste Bakterium mit künstlichem Erbgut.
  • Trotz seiner Erfolge war der Genforscher immer umstritten.

Sein Leben lang kämpfte Craig Venter gegen das Altern. Nach seiner wohl grössten Errungenschaft, der Entschlüsselung des menschlichen Erbguts, veröffentlichte der US-Wissenschaftler mit seinem eigenen Genom die erste genetische Blaupause eines einzelnen Menschen. Angesichts der daraus hervorgehenden Risikofaktoren – darunter eine erhöhte Herzinfarkt-Gefährdung – nahm er anschliessend vorbeugend entsprechende Medikamente ein.

Schwarzweiss-Porträt eines älteren Mannes mit Bart.
Legende: Am Mittwoch starb Venter im Alter von 79 Jahren nach einem kurzen Spitalaufenthalt wegen unerwarteter Nebenwirkungen der Behandlung einer kürzlich diagnostizierten Tumorerkrankung. Reuters/Mike Blake

«Die Kenntnis von unseren genetischen Risiken bedeutet Macht – die Macht, ihnen entgegenzusteuern», sagte Venter einmal in einem Interview. Später gründete er eine eigene Firma mit dem Ziel, die «gesunde Lebenszeit» der Menschen zu verlängern.

Schillernd aber umstritten

Der am 14. Oktober 1946 in Salt Lake City als Sohn eines deutschstämmigen Buchhalters geborene Forscher war immer so schillernd wie umstritten. Die Schule nahm er eigenen Berichten zufolge nicht wirklich ernst, sondern ging lieber surfen. Später wurde er vom Militär eingezogen und arbeitete während des Vietnam-Kriegs als Sanitäter im Krankenhaus der US-Marine.

Im Anschluss studierte er in Kalifornien und spezialisierte sich auf Biochemie. 1999 forderte er schliesslich ein internationales Forscherteam heraus, das schon lange daran gearbeitet hatte, das menschliche Erbgut zu entschlüsseln. Nach nur 15 Monaten erreichte er etwa zeitgleich mit dem staatlich geförderten Human Genome Project das Ziel: Er entschlüsselte das erste menschliche Genom. Es sei wie «auf Steroiden und Kokain», sagte Venter später. «Ich denke, das ist viel wichtiger als auf dem Mond zu laufen», kommentierte der Wissenschaftler damals seine grösste Errungenschaft.

Craig war davon überzeugt, dass die Wissenschaft nur dann vorankommt, wenn Menschen bereit sind, über den Tellerrand hinauszuschauen.
Autor: Anders Dale Präsident J. Craig Venter Institut

Das Projekt machte ihn weltberühmt – aber auch äusserst umstritten. Danach kündigten er und sein Team mit schwindelerregendem Tempo immer wieder neue Entdeckungen und Vorhaben an. Ein Bakterium mit künstlichem Erbgut etwa, um die Welt vor der Klimakatastrophe zu retten und neue Energiequellen zu erschliessen. Oder die Entschlüsselung der Genome zehntausender Menschen pro Jahr, um eine riesige Datenbasis für die Forschung zu haben.

Viele Kollegen und Kolleginnen warfen Venter immer wieder Grössenwahn, Narzissmus und einen zu stark ausgeprägten Geschäftssinn vor. Aber der Wissenschaftler, der viele Jahre dem von ihm gegründeten J. Craig Venter Institut vorsass, bekam auch zahlreiche Preise und bewies mehrfach, dass er scheinbar Unmögliches bewerkstelligen konnte.

«Craig war davon überzeugt, dass die Wissenschaft nur dann vorankommt, wenn Menschen bereit sind, über den Tellerrand hinauszuschauen, entschlossen zu handeln und Dinge zu schaffen, die es noch nicht gibt», erklärte der Präsident des Instituts, Anders Dale, zum Tod von Craig Venter.

SRF 4 News, 30.4.2026, 13:30 Uhr ; 

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