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Corona-Diagnose – Was bringen Blutschnelltests?
Aus Puls vom 23.03.2020.
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Corona-Diagnose Schnelle Bluttests bald auch in der Schweiz?

Testkits für Coronaviren sind knapp. Deshalb läuft die Forschung für neue Tests auf Hochtouren.

Bislang werden in der Schweiz nur die teuren und knappen Abstrichtests gemacht. Sie weisen das Virus direkt via Genanalyse nach. Für diese Analyse sind teure Maschinen nötig. Die sogenannte PCR-Analyse ist in der Schweiz bis jetzt die einzige Möglichkeit, eine akute Erkrankung nachzuweisen.

Wer kaum Symptome hat, wird nicht getestet und taucht in der Statistik nicht auf. Darum ist unbekannt, wie hoch die Dunkelziffer von Covid-Fällen in der Schweiz ist.

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Immunologin Lisha Zha: Immunologin Lisha Zha: China war in derselben Situation
Aus Puls vom 23.03.2020.
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China war in derselben Situation, weiss die Immunologin Lisha Zha. Sie forschte früher an der Uni Bern, heute lebt sie in Peking. «Am Anfang hatte auch China nur die PCR-Abstrichtests. Dann kamen zusätzlich Antikörper-Tests auf.»

Aufklärung über leichte Verläufe

Antikörper-Tests mit Blut können Klarheit bringen über die vielen leichten Verläufe, die unentdeckt blieben. Und über die Immunität, die in der Bevölkerung schon da ist. Universitäten, Spitäler und Firmen sind weltweit daran, solche Tests zu entwickeln. Präzise Labortests, aber auch billige Schnelltests.

«In China sind nun etwa 5 Firmen auf dem Markt, die solche Bluttests als Schnelltests verkaufen dürfen», sagt Lisha Zha. Damit könnte man einfacher mehr Personen testen. «Sie sind sehr effizient.» Lisha Zha hat selber einen solchen Test entwickelt und will ihn in die Schweiz bringen.

Nicht nur in China, auch in Südkorea oder Singapur sind solche kommerziellen Tests gegen das Coronavirus bereits in Gebrauch. In Europa kommen sie erst.

Wie Schwangerschaftstests

Ein paar Bluttropfen genügen. Und schon soll man wissen, ob man mit dem Virus infiziert war. Schnelltests funktionieren wie Schwangerschaftstests. Innert Minuten zeigen Balken an, ob das Resultat positiv ist.

So funktioniert der Bluttest im Detail

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Bei jeder Infektion - etwa durch das SARS-CoV-Virus - wird unser Immunsystem aktiv. Weisse Blutkörperchen, die B-Lymphozyten heissen, bilden ypsilonförmige Antikörper, die sich an das Virus heften. In den ersten Tagen nach der Infektion, in der sogenannten Akutphase, werden erste Antikörper gebildet: Die IgM. Sie bleiben nicht lange im Blut. Zwei Wochen nach der Infektion wird die nächste Antikörperklasse gebildet, die IgG. Bei Covid weiss man noch nicht, wie lange sie uns im Blut erhalten bleiben. Anhand der Antikörper lässt sich also testen, ob unser Immunsystem bereits auf das SARS-CoV-Virus reagiert hat.

Was sie nachweisen, sind Antikörper auf das Virus im Blut. Denn Antikörper zeigen, dass unser Immunsystem auf die Krankheit reagiert hat. Ein Nachteil aber ist: Die Bluttests geben erst ca. 7 Tage nach einer Ansteckung ein erstes positives Resultat.

Schnell, aber fehlerhaft

Gemäss Lisha Zha könnten diese Schnelltests aber nützlich sein, um eine Vorselektion zu treffen. «Denn sie sind schneller als die Abstrichtests, die normalerweise 2-3 Stunden dauern. Dieser Test dauert 2-10 Minuten. Nur wer bei diesen Tests positiv ist, sollte nachher auch noch einen PCR-Test machen.» Das wird in China bereits gemacht.

Studien aus China zeigten aber auch, dass die Tests in zehn Prozent der Fälle falsch liegen. Darum sei eine andere Anwendung derzeit sinnvoller. Sagt Catherina Böhme, die für die WHO die Schnelltests bewertet: «Diese Tests können eingesetzt werden, um einen Überblick über die Pandemie-Situation zu gewinnen. Oder um zu testen, ob jemand bereits eine Infektion durchgemacht hat.» Dies würde etwa bei Gesundheitspersonal Sinn ergeben.

Catherina Böhme gibt sich zuversichtlich: «Ich denke, wir werden bald mehr Daten haben, die eine bessere Beurteilung möglich machen.» Die einfachen Tests würden fast wöchentlich besser.

Derzeit überprüft Böhmes Organisation FIND in Genf eine Liste mit kommerziellen Tests. Schon in zwei Wochen will sie Empfehlungen für die Weltgesundheitsorganisation WHO herausgeben, welche Tests wie gut sind.

England bestellt Heim-Tests

Laut dem BAG wird der Bund solche Tests beschaffen, sobald klar sei, welche Tests einsatztauglich sind. England hat laut dem Gesundheitsminister Matt Hancock bereits eine Million solcher Tests bestellt, die auch zuhause angewendet werden können.

SRF 1 Puls, 23.03.2020, 21:05 Uhr

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12 Kommentare

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  • Kommentar von Patrik Müller  (P.Müller)
    Wo finde ich die Grafik mit der Anzahl Tests und wieviele davon positiv waren?
    Ich sehe überall immer nur Grafiken mit den positiven Tests und den gerade aktuellen Todeszahlen.
    Steht das Ansteigen der positien Testergebnisse auch in einem Zusammenhang mit der Anzahl aller gemachten Testes?
    1. Antwort von Zahlen fehlen (SRF)
      @Patrik Müller, das BAG gibt die genaue Anzahl der durchgeführten Tests nur sporadisch bekannt, weshalb wir keine Grafik erstellen können. Beste Grüsse SRF News.
  • Kommentar von Markus Bossert  (EEE)
    Solange die Behörden keine konkreten Schätzungen der Dunkelziffern machen und dessen Berechnungsgrundlagen nicht offengelegt werden, führen zusätzliche Schnelltest direkt zu schärferen Massnahmen.
    Denn zurzeit werden die Massnahmen nur auf der Basis der Fallzahlen eingeführt, welche direkt abhängig sind von der Anz. verfügbarer Tests. Die schnelleren Tests seit dem 14.3. führten direkt zu höhren Fallzahlen und damit zum aktuellen Kriegszustand, ohne dass die Infektionsraten real gestiegen sind.
  • Kommentar von Samuel Müller  (Samuel Müller)
    Es hat mit nicht zertifizierten Tests angefangen. Dann hat man mit falschen Berechnungen (Anzahl Getesteter / Anzahl Gestorbener) völlig falsche Mortalitätszahlen ausgerechnet und Panik verbreitet. Dann hat sich erwiesen, dass es „nur“ alte vorbelastete Menschen schwer trifft. Und jetzt sollen wir noch Schnelltests (womöglich bei den Chinesen?) kaufen die noch weniger sagen als die ersten?
    Warten wir doch zuerst mal weiter auf die angekündigte Welle.
    1. Antwort von Stefan Huwiler  (huwist)
      Sie haben offensichtlich sämtliche Informationen der letzten Wochen verpasst oder ganz einfach nicht verstanden. Anders ist dieser Kommentar nicht zu erklären.