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Mikroplastik in Menschen «Ob uns Mikroplastik im Körper schadet, ist noch unklar»

Österreichische Forscher haben im menschlichen Stuhl Mikroplastik gefunden, der vermutlich mit der Nahrung aufgenommen wurde.

Wissenschaftler aus Österreich haben im menschlichen Stuhl nach Mikroplastik gesucht. Und sie sind fündig geworden: Bei allen Teilnehmern der Studie von Polen über Japan, Österreich bis in die Niederlande haben sie kleinste Plastikteile gefunden. Wahrscheinlich wurden diese Teilchen mit der Nahrung aufgenommen. Ob sie uns schädigen und wenn ja, wie genau, ist unklar.

Christian von Burg

Christian von Burg

Wissenschaftsredaktor, SRF

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Christian von Burg ist seit 2017 Wissenschaftsredaktor bei Schweizer Radio SRF. Zuvor war er sieben Jahre als Inlandredaktor von SRF in Bern tätig. Er beschäftigt sich seit vielen Jahren mit Umweltthemen.

SRF: Ist diese Erkenntnis überraschend?

Christian von Burg: Nein, nicht wirklich. Man muss sich nur vor Augen führen, wo überall in den letzten Jahren Mikroplastik nachgewiesen worden ist: Nicht nur in den Weltmeeren, in den Fischen und in den Meeresvögeln. Auch in unseren Ackerböden, in den Naturschutzgebieten, in unseren Seen, im Mineralwasser, sogar in Salz, Zucker und Honig.

Es ist also nicht überraschend, dass Mikroplastik auch in unserem Körper und dann auch in unserem Stuhl landet. Nur ist das gemäss diesen Forschern vom österreichischen Umweltbundesamt und der medizinischen Universität Wien nun zum ersten Mal auch nachgewiesen worden.

An wie vielen Leuten wurde das denn untersucht?

Nur an acht. Das ist also nur eine ganz kleine Pilotstudie. Mit so wenigen Teilnehmerinnen und Teilnehmern können keine weiteren Daten rausgelesen werden. Aber es ist ein erster Hinweis. In allen acht Stuhlproben wurde Mikroplastik gefunden – und zwar in der Grösse von 0,5 Millimeter und zehnmal kleiner, also 50 Mikrometer. Im Mittel wurden immerhin 20 solche Mikroplastikteilchen pro zehn Gramm Stuhl gefunden – das ist nicht wenig.

Woher kommen denn die Plastikpartikel?

Es gibt verschiedene Quellen: Den Abrieb von Autopneus etwa. Wenn wir Auto fahren, wird immer ein Teil des Pneus abgerieben und der gelangt dann in die Luft. Auch in zahlreichen Kosmetika, Zahnpasta, Duschgel hat es Mikroplastik drin. Aber auch im Klärschlamm, der bis 2006 auf die Äcker gebracht wurde. Als wir als Kinder auf den Äckern unterwegs waren, haben wir halbe Zahnbürsten gefunden und ähnliche Plastikteile. Die Plastikpartikel stammen aber auch von Plastikabfall, der weggeschmissen wird.

Audio
Forscher finden Mikroplastik in Stuhlgang
03:48 min, aus SRF 4 News aktuell vom 23.10.2018.
abspielen. Laufzeit 03:48 Minuten.

Und wie kommt der Mikroplastik in den menschlichen Körper?

Das ist noch nicht im Detail geklärt. Naheliegend ist, dass er über die Nahrungskette in unsere Körper gelangt: Ein kleiner Mikroorganismus frisst Plastik und wird dann von einem Fisch gefressen. Und wir essen dann den Fisch – und damit auch den Plastik.

Nicht erforscht ist, ob es möglich ist, dass Mikroplastik über Pflanzen in unsere Körper gelangt. Oder wir ihn direkt über die Luft einatmen – eben zum Beispiel den Abrieb der Autopneus. Denn auch in den Alpen, wo Mikroplastik sicher nicht via Wasser hingelangen kann, lässt er sich nachweisen.

Eventuell nehmen wir Mikroplastik aber auch direkt über die Verpackungen auf – zum Beispiel beim Trinken aus PET-Flaschen. Vieles ist noch unklar, da braucht es mehr Forschung dazu.

Was hat das für gesundheitliche Folgen?

Man kann es nicht sagen. Es gibt dazu noch keine verlässlichen Daten und Untersuchungen. Man weiss, dass Meeresvögel zum Teil verhungern, wenn sie zu viele Plastikpartikel im Magen haben. Man weiss, dass auch Würmer geschädigt werden, wenn sie zu viele Plastikkügelchen in der Erde aufnehmen.

Aber das lässt sich nicht eins zu eins auf den Menschen übertragen. Es ist nicht klar, ob es uns schädigt und wenn ja, wie genau. Und: Man kann das auch nicht richtig testen. Man kann nicht einfach testweise Versuchspersonen Mikroplastik in grossem Umfang zum Essen geben. Wir erleben in Sachen Mikroplastik also gerade einen weltweit angelegten Feldversuch, bei dem wir alle Versuchspersonen sind – Ausgang unbekannt.

Das Gespräch führte Raphaël Günther.

Sendung: SRF 4 News, 23. Oktober 2018, 10.20 Uhr

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10 Kommentare

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  • Kommentar von Albi Deak  (Albi Deak)
    Möglicherweise können Mikro/Nanoplastik so klein sein, dass sie Zellwände überwinden. Im Meer ist das Problem, Mikroplastik absorbiert die Giftstoffe aus dem Meerwasser, ähnlich dem Prinzip des Kohlefilters. Im Verdauungstrakt der Fische, Krebse, etc. lössen sie sich und lagern im Gewebe, Muskel oder Organe der Meerestiere ein. Meerestiere die alt werden, wie Delfine oder Wale, sind den Umweltgiften ausgeliefert. Wie die Gifte auf lange Sicht auf die Meeressäuger einwirken werden ist ungewiss
  • Kommentar von Ludwig Zeier  (Louis)
    Kunststoffe wie PVC und Polycarbonate enthalten Zusatzstoffe wie Bisphenol A und Phthalate (Weichmacher). Diese sind als hormonaktive Substanzen bekannt welche u.a. Brust-oder Prostatakrebs verursachen können. 2012 wurde die von der EU in Auftrag gegebene Kortenkamp-Studie veröffentlicht. Darin wurde klar festgestellt dass eine Regulierung oder noch besser ein Verbot von Umwelthormonen unbedingt nötig ist. 2013 plante die EU ein Verbot welches aber von Wirtschaftsvertretern abgeschmettert wurde.
  • Kommentar von Denise Casagrande  (begulide)
    Eine dümmere Aussage zur Umweltverschmutzung gibt es wohl nicht! Was Erde, Wasser und Tieren - auch Mikroorganismen schadet, schadet logischerweise auch den Menschen. Der Mensch ist das letzte Glied in der Nahrungskette!