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Interview mit Martina Ragettli, Leiterin der Hitze-Notfall-Studie
Aus SRF 4 News aktuell vom 15.08.2019. Bild: keystone
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Neue Studie Mehr Notfälle wegen Hitze in der Schweiz

Je heisser es ist, desto mehr Notfälle gibt es – das zeigt eine neue Schweizer Studie.

Dass Hitze das Wohlbefinden der Menschen beeinträchtigt, erstaunt wenig. Wie gross der Einfluss von Hitzewellen auf die Anzahl Notfall-Spitaleintritte ist, wurde nun zum ersten Mal wissenschaftlich für die Schweiz untersucht.

Der Sommer 2015 – nach 2003 der zweitheisseste Sommer der Schweiz seit Messbeginn – verursachte über 2’700 zusätzliche Notfall-Eintritte in der Schweiz, sagt Martina Ragettli, Leiterin der Studie.

Martina Ragettli

Martina Ragettli

Studienleiterin

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Die Wissenschaftlerin arbeitet am Schweizerischen Tropen und Public Health Institut und ist Leiterin der Studie «Einfluss von Hitzewellen auf die Anzahl Notfall-Spitaleintritte».

SRF: Einige Studien konnten bereits aufzeigen, dass Hitze die Sterblichkeitsraten erhöhen. Doch die Auswirkung von Hitzewellen auf Erkrankungen und Spitaleintritte wurde bisher kaum untersucht – was haben Sie bei Ihrer Studie herausgefunden?

Martina Ragetti: Wir haben gesehen, dass vor allem ältere Menschen betroffen waren. Im Juli 2015 war es besonders heiss und da haben die Notfall-Eintritte bei Personen ab 75 Jahre um mehr als zehn Prozent zugenommen. Besonders betroffen waren die wärmsten Regionen, das Tessin und die Genfersee-Region. Das ist vielleicht wenig überraschend.

Was hat Sie denn überrascht?

Vor allem die Ursachen für die Notfälle waren überraschend, weil sie normalerweise nicht mit Hitze in Verbindung gebracht werden. Die häufigsten Ursachen waren Infektionskrankheiten, zum Beispiel infektiöse Darmkrankheiten wie Salmonellen, andere bakteriell bedingte Lebensmittelvergiftungen oder Viruskrankheiten, wie die Sommergrippe.

Die erste Hitzewelle eines Sommers hat den grössten Einfluss auf Krankheits- und Todesfälle.

Andere Notfälle, die zugenommen haben, waren Erkrankungen des Urogenitalsystems. Dazu gehören Krankheiten, die die Nieren betreffen oder auch Lungenentzündungen. Die schnellere Verbreitung von Viren und Bakterien bei hohen Temperaturen scheint einen wichtigen Einfluss zu haben.

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Verteilen sich die zusätzlichen Notfalleintritte regelmässig über den Sommer – oder gibt es so genannte Peaks, wo besonders viele Leute in den Notfall kommen?

Die Daten zeigen, dass die erste Hitzewelle eines Sommers den grössten Einfluss auf Krankheits- und Todesfälle hat. Wenn diese Hitzewelle gerade zu Beginn des Sommers auftritt, dann verstärkt sich der Effekt noch zusätzlich. So gelten Hitzewellen im Frühjahr als besonders gravierend.

Anders gesagt: Man kann sich an die Hitze anpassen.

Genau. Allerdings ist man zu Beginn des Sommers meist noch nicht so gewöhnt, dass es warm ist, und verhält sich noch nicht so, wie man sollte.

Wie sollte man sich verhalten?

Es sind einfache Massnahmen: genügend trinken, leicht essen, die Hitze vom Körper fernhalten und keine anstrengenden Aktivitäten während der heissesten Tageszeit durchführen.

Müssten aufgrund Ihrer Studie jetzt die Kantone aktiv werden und Massnahmen treffen?

Es gibt bereits kantonale Hitze-Massnahmenpläne. Gerade bei der Prävention von Hitze bedingten Todesfällen sind sie sehr wirksam. Wir empfehlen, dass solche präventiven Massnahmen ausgeweitet werden. Dass sie auch Krankheitsgruppen berücksichtigen, für die wir eben eine Zunahme der Notfalleintritte beobachtet haben, wie zum Beispiel für die Infektionskrankheiten.

Das können ganz einfache Massnahmen sein: Man achtet vermehrt auf die Hygiene und verhindert damit, dass Bakterien und Viren sich schnell verbreiten.

Das Gespräch führte Anita Vonmont.

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