Isabelle Mathier hat Pflegewissenschaften studiert. Seit sechs Jahren arbeitet sie in einer Hausarztpraxis. Dort hat sie ihre eigene Sprechstunde.
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Bild 1 von 3. Isabelle Mathier empfängt in ihrer Sprechstunde Patientinnen und Patienten mit den verschiedensten Anliegen. Bildquelle: SRF.
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Bild 2 von 3. Sie untersucht und behandelt akute Probleme wie Husten, Schnupfen, Heiserkeit. Aber auch chronische Patientinnen und Patienten – etwa mit psychischen Erkrankungen. Bildquelle: SRF.
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Bild 3 von 3. Pflegeexpertinnen und Pflegeexperten sind nicht für alles ausgebildet, was Ärztinnen und Ärzte machen. Zum Beispiel machen sie keine versicherungsrelevanten Tauchabklärungen oder Fahreigungsabklärungen. Bildquelle: SRF.
In ihrer Sprechstunde tut Isabelle Mathier viel, was Hausärztinnen und Hausärzte tun. Sie macht Untersuchungen, stellt Diagnosen, schickt Patientinnen und Patienten für Blutuntersuchungen ins Labor und gibt ihnen Medikamente ab.
Ein junger Beruf mit Potenzial
Isabelle Mathier arbeitet für die Praxis Medbase Winterthur Neuwiesen als sogenannte «Nurse Practitioner». Das lohne sich für die Praxis, erklärt der leitende Arzt Christian Ambrosch: «Durch die Einführung der Nurse Practitioner kommt es zu einer Entlastung der Ärzte.»
Auch Isabelle Mathier sieht in ihrem Beruf viel Potenzial: «Ich sage das gerne und ich meine das auch: Wir Pflegeexpertinnen könnten eine Lösungsmöglichkeit sein für die Versorgungs- und Zugangsproblematik in der ambulanten Grundversorgung.» Das Bundesamt für Gesundheit schreibt, dass Pflegeexpertinnen und Pflegeexperten den Mangel an Ärztinnen und Ärzten teilweise abfedern könnten.
Heute gibt es erst wenige Nurse Practitioner in Hausarztpraxen. Genaue Zahlen gibt es noch nicht. Bei der Medbase Gruppe, die rund 65 medizinische Zentren in der Schweiz betreibt, arbeiten erst vereinzelt Pflegeexpertinnen und Pflegeexperten, insgesamt 19.
Das könnte unter anderem daran liegen, dass der Beruf relativ neu ist. Im Jahr 2000 gründete die Universität Basel das erste Institut für Pflegewissenschaften in der Schweiz. Der neue Studiengang ermöglichte neue Berufsbilder, die noch definiert und etabliert werden müssen.
Pflegeexpertin und Pflegeexperte mit einem Master of Science sind heute noch nicht im Gesundheitsberufegesetz verankert. «Ich denke, die Mühlen der Politik mahlen ein bisschen langsam», kommentiert Isabelle Mathier die Situation rund um ihren Beruf. Sie wünscht sich auch, dass die Nurse Practitioner Leistungen, die über die Pflege hinausgehen, zukünftig über die Krankenkasse abrechnen können.
Arbeit im Delegationsmodell
Damit Isabelle Mathier als Nurse Practitioner arbeiten kann, arbeitet sie delegiert. Das bedeutet, dass ihr vorgesetzter Arzt die Gesamtverantwortung für ihre Arbeit trägt. In einer Leitlinie hat Isabelle Mathier das Delegationsmodell für die Medbase Gruppe festgehalten. Darin ist für den Grossteil der Behandlungsfälle geregelt, wie diese zu untersuchen und zu behandeln sind. Die Leitlinie ermöglicht den Pflegeexpertinnen und Pflegeexperten selbständig zu arbeiten. Komplizierte Fälle besprechen sie mit Ärztinnen und Ärzten.
Praxisleiter Christian Ambrosch ist überzeugt, dass sich die Pionierarbeit lohnt: «Ich habe das Gefühl, dass das, was wir hier machen, sowieso in fünf oder in sechs oder in zehn Jahren kommt».
Dass sich durch die neuen Berufsbilder in der Pflege, der Mangel an Pflegekräften weiter verschärft, glaubt Isabelle Mathier nicht. Im Gegenteil: «Wenn ich nicht die Möglichkeit hätte, hier bei der Medbase als Pflegeexpertin zu arbeiten, wäre ich wahrscheinlich nicht mehr in einem Pflegeberuf.»
Nurse Practitioner sind also nicht nur eine Entlastung für Ärztinnen und Ärzte. Der Beruf bietet auch Pflegefachpersonen die Möglichkeit, sich beruflich weiterzuentwickeln. Aktuell fehlt es jedoch noch an klaren Rahmenbedingungen.