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Nurse Practitioner Hausärztemangel: Wie ein neuer Pflegeberuf helfen könnte

Ein Pflegeberuf könnte gegen den Hausärztemangel helfen. Über die Gründe, warum er noch nicht verbreitet ist.

Isabelle Mathier hat Pflegewissenschaften studiert. Seit sechs Jahren arbeitet sie in einer Hausarztpraxis. Dort hat sie ihre eigene Sprechstunde.

In ihrer Sprechstunde tut Isabelle Mathier viel, was Hausärztinnen und Hausärzte tun. Sie macht Untersuchungen, stellt Diagnosen, schickt Patientinnen und Patienten für Blutuntersuchungen ins Labor und gibt ihnen Medikamente ab.

Ein junger Beruf mit Potenzial

Isabelle Mathier arbeitet für die Praxis Medbase Winterthur Neuwiesen als sogenannte «Nurse Practitioner». Das lohne sich für die Praxis, erklärt der leitende Arzt Christian Ambrosch: «Durch die Einführung der Nurse Practitioner kommt es zu einer Entlastung der Ärzte.»

Auch Isabelle Mathier sieht in ihrem Beruf viel Potenzial: «Ich sage das gerne und ich meine das auch: Wir Pflegeexpertinnen könnten eine Lösungsmöglichkeit sein für die Versorgungs- und Zugangsproblematik in der ambulanten Grundversorgung.» Das Bundesamt für Gesundheit schreibt, dass Pflegeexpertinnen und Pflegeexperten den Mangel an Ärztinnen und Ärzten teilweise abfedern könnten.

In der Schweiz gibt es zu wenig Hausärztinnen und Hausärzte

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  • Eine Studie des Universitären Zentrums für Hausarztmedizin beider Basel aus dem letzten Jahr kam zum Schluss: Bis 2035 müssen mehrere hundert Vollzeitstellen von Hausärztinnen und Hausärzten neu besetzt werden.
  • Es fehlt an Nachwuchs.
  • Gemäss der Studie beträgt das Durchschnittsalter der Hausärztinnen und Hausärzte in der Schweiz 52 Jahre.
  • Schon heute sehen über 75 Prozent der Hausärztinnen und Hausärzte einen Mangel in ihrer Region.

Heute gibt es erst wenige Nurse Practitioner in Hausarztpraxen. Genaue Zahlen gibt es noch nicht. Bei der Medbase Gruppe, die rund 65 medizinische Zentren in der Schweiz betreibt, arbeiten erst vereinzelt Pflegeexpertinnen und Pflegeexperten, insgesamt 19.

Das könnte unter anderem daran liegen, dass der Beruf relativ neu ist. Im Jahr 2000 gründete die Universität Basel das erste Institut für Pflegewissenschaften in der Schweiz. Der neue Studiengang ermöglichte neue Berufsbilder, die noch definiert und etabliert werden müssen.

Haben Sie den Begriffe-Durchblick?

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  • Pflegeexpertin oder Pflegeexperte APN ist, wer einen Masterabschluss in Pflegewissenschaften hat. Der Studiengang wird auch Advanced Practice Nursing (APN) genannt.
  • Das Berufsfeld der APNs wird auch Advanced Nursing Practice (ANP) genannt.
  • Nurse Practitioner (NP) ist ein Berufsbild, dass Pflegeexpertinnen und Pflegeexperten APN ausführen können. NPs arbeiten überwiegend klinisch – etwa in Hausarztpraxen oder in Spitälern.
  • Clinical Nurse Specialist (CNS) ist ein weiteres Berufsbild von Pflegeexpertinnen und Pflegeexperten APN. CNS übernehmen etwa fachliche Führungsaufgaben, sie beraten das Pflegepersonal, entwickeln die Pflegepraxis weiter, oder sind für das Qualitätsmanagement zuständig.

Pflegeexpertin und Pflegeexperte mit einem Master of Science sind heute noch nicht im Gesundheitsberufegesetz verankert. «Ich denke, die Mühlen der Politik mahlen ein bisschen langsam», kommentiert Isabelle Mathier die Situation rund um ihren Beruf. Sie wünscht sich auch, dass die Nurse Practitioner Leistungen, die über die Pflege hinausgehen, zukünftig über die Krankenkasse abrechnen können.

Arbeit im Delegationsmodell

Damit Isabelle Mathier als Nurse Practitioner arbeiten kann, arbeitet sie delegiert. Das bedeutet, dass ihr vorgesetzter Arzt die Gesamtverantwortung für ihre Arbeit trägt. In einer Leitlinie hat Isabelle Mathier das Delegationsmodell für die Medbase Gruppe festgehalten. Darin ist für den Grossteil der Behandlungsfälle geregelt, wie diese zu untersuchen und zu behandeln sind. Die Leitlinie ermöglicht den Pflegeexpertinnen und Pflegeexperten selbständig zu arbeiten. Komplizierte Fälle besprechen sie mit Ärztinnen und Ärzten.

Praxisleiter Christian Ambrosch ist überzeugt, dass sich die Pionierarbeit lohnt: «Ich habe das Gefühl, dass das, was wir hier machen, sowieso in fünf oder in sechs oder in zehn Jahren kommt».

Der Patient sitzt in einem Praxisraum und trägt eine medizinische Schutzmaske.
Legende: Patient Loran Lampart sagt nach seinem ersten Besuch von Isabelle Mathiers Sprechstunde: «Ich glaube, es geht stark darum, dass man einander versteht, dass man gut zuhören kann. Da habe ich mich sehr wohlgefühlt – darum super!» SRF

Dass sich durch die neuen Berufsbilder in der Pflege, der Mangel an Pflegekräften weiter verschärft, glaubt Isabelle Mathier nicht. Im Gegenteil: «Wenn ich nicht die Möglichkeit hätte, hier bei der Medbase als Pflegeexpertin zu arbeiten, wäre ich wahrscheinlich nicht mehr in einem Pflegeberuf.»

Nurse Practitioner sind also nicht nur eine Entlastung für Ärztinnen und Ärzte. Der Beruf bietet auch Pflegefachpersonen die Möglichkeit, sich beruflich weiterzuentwickeln. Aktuell fehlt es jedoch noch an klaren Rahmenbedingungen.

So geht es weiter

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Der Nationalrat entscheidet voraussichtlich am 27. April über die Aufnahme der Pflegeexpertin und des Pflegeexperten APN mit Masterabschluss ins Gesundheitsberufegesetz. Das Geschäft geht danach in den Ständerat. Das Bundesamt für Gesundheit prüft aktuell, ob Pflegeexpertinnen und Pflegeexperten zukünftig auch Leistungen, die über die Pflege hinausgehen, über die Krankenkasse abrechnen können. Der Bericht wird dem Bundesrat voraussichtlich noch dieses Jahr vorgelegt.

Nano, 08.04.2026, 18:30 Uhr

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