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Berühren verboten! – Sich nur sehen ist nicht genug
Aus Puls vom 11.05.2020.
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Strenges Besuchsregime Berühren verboten!

Viele Alters- und Pflegeheime lockern ihr Besuchsverbot. Doch Kontaktboxen und Trennscheiben lassen zu wünschen übrig.

Sieben lange Wochen konnte Priska Mattiazzo ihre Mutter überhaupt nicht sehen. Ein kleiner Lichtblick war darum eine Besuchsbox – ein Zelt, das ausserhalb des Pflegeheims aufgebaut wurde. Mutter und Tochter sahen sich nur durch die Fensterscheiben. Sprechen konnten sie nur mit Hilfe eines alten Telefons mit mangelnder Qualität.

Die Situation ist alles andere als befriedigend: Die Mutter ist verwirrt, sie verstehen sich kaum, vorbeirollender Verkehrslärm verunmöglicht ein richtiges Gespräch.

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Ein Gespräch ist so unmöglich
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«Ich weiss nicht, wie lange sie noch lebt. Wenn sie jetzt stirbt, wäre das so traurig für mich», sagt Priska Mattiazzo. «Das ist Zeit, die uns gestohlen worden ist – gemeinsame Zeit.

Das Bedürfnis nach Berührung verschwindet nicht

Was Priska Mattiazzo und ihre Mutter vermissen, ist der direkte Kontakt. «Berührungen sind so unmöglich. Ich kann nicht einmal ihre Hand halten oder sie umarmen.»

Sich zu berühren oder umarmen bleibt nach wie vor nicht erlaubt. Dabei ist der Vorteil von Berührungen wissenschaftlich belegt. Berührungen wirken sich auf die Hormonproduktion aus, reduzieren Stressfaktoren und stärken das Immunsystem.

«Wir wissen, dass Berührungen von Geburt an bis zum Tod wichtig sind», sagt Anik Debrot. Sie ist Psychologin und Psychotherapeutin an der Universität Lausanne und befasst sich mit der Wirkung von Berührungen auf Psyche und Wohlbefinden.

«Der Tastsinn ist der Erste, der bei Neugeborenen vollständig entwickelt ist und es ist auch der letzte, den die Leute verlieren, wenn sie älter werden», sagt Anik Debrot. Unser Bedürfnis nach Berührung verschwinde nicht, wenn wir älter werden.

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Psychologin Anik Debrot: Das Bedürfnis nach Berührungen bleibt ein Leben lang
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Manche ziehen sich zurück

Dass es auch anders geht, zeigt das Pflegezentrum Bachwiesen in Zürich. Dort treffen sich Angehörige ohne Scheibe an einem grossen Tisch. Aber auch hier gilt: Berühren verboten.

Suboptimal, findet Sylvia Stadler Langhart, Betriebsleiterin des Pflegezentrums: «Die Bewohnerinnen und Bewohner vermissen ihre Angehörige, manche ziehen sich auch zurück.» Es brauche nun viel mehr Engagement von Pflegefachleuten und Betreuern.

Die Leiterin wünscht sich, dass die Vorgaben weiter gelockert werden: «Ich denke, man muss im Laufe der Zeit wieder zu einer Normalität zurückkommen. Schritt für Schritt, damit wir auch wieder Berührungen zulassen können. Die sind ganz wichtig für die Menschen.»

Hohes Risiko

Wann mit Lockerungen zu rechnen ist, kann der BAG-Delegierte Daniel Koch noch nicht sagen: Das Risiko in der Gesamtbevölkerung müsse noch weiter abnehmen, bevor das strenge Besuchsregime in den Heimen gelockert wird.

Das Problem: «Wenn es in Heimen zu Ausbrüchen kommt, hat das meistens verheerende Auswirkungen. Wir haben schon Situationen gesehen, in welchen bis zu 40 Prozent der Heimbewohner gestorben sind», sagt Daniel Koch. Dieses Risiko will kein Heimbetreiber eingehen.

Puls, 11.05.2020, 21:05 Uhr

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37 Kommentare

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  • Kommentar von Maria Kaiser  (Klarsicht)
    Da kennen die Verwalter der CH keinen Bardon ! Es ist halt so, darum bleibt es halt so - die 2m Männer sind schon im Anmarsch . Wo leben wir Heute, ? das frage ich mich schon viele Wochen hier in dieser Sogen.Demoverwalterie statt Demokratie !
  • Kommentar von Stefan Renevey  (weissdassichnichtsweiss)
    Eine Kompetenz von Führungskräften wäre:
    Eine multiperspektivische Sichtweis auf Problemstellungen eiinzunhehmen, sich daher von div. Seiten informieren lassen und dann Entscheide treffen.
    Wurde das bei Corona gemacht?
    Die selben Langweiler wie bei der Vogel- und Schweinegrippe, die damals schon als Pharmalobbysten entlarvt wurden, und kreuzfalsch lagen, Kosten verursachten haben erneut die Deutungshoheit.
    Das führte zu solchen Exzessen wie in Alters-und Pflegeheimen.
  • Kommentar von Peter Amthauer  (Peter.A)
    Wer will im Alter noch lange lieblos vor sich hinvegetieren, bis er an Kontaktverbot stirb? Ich würde die vermeintlich letzte Lebenszeit lieber im Kreis meiner Liebsten verbringen. Es muss doch eine Möglichkeit für die betagten Menschen geben, sich mit Ihren Verwandten zu treffen und angefasst zu werden. Wir haben es geschafft Menschen auf den Mond zu bringen, dann sollten wir dieses Problem auch lösen können.
    MfG