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Asthma und Corona – Was die Pandemie verändert hat
Aus Puls vom 13.12.2021.
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Vom Risiko zur Chance Wer Asthma hat, profitiert von der Pandemie

Ein Phänomen, das sich weltweit zeigt: Asthmatiker landen zurzeit weniger im Notfall. Woran liegt das?

Wie erging es Asthmatikern vor der Pandemie?

Eddy Hungerbühler ist ein starker Asthmatiker. Seit 50 Jahren lebt er mit wiederkehrenden Asthma-Anfällen. Stress oder eine Erkältung lösten bei ihm akute Atemnot aus. Regelmässige Besuche im Notfall waren für ihn normal. Dort behandelten die Ärzte ihn mit Cortison, danach konnte er wieder nach Hause: «Und, als der nächste Anfall kam, ging ich halt wieder ins Spital», erinnert sich Eddy Hungerbühler.

Auch der 14-jährige Jan Hürzeler leidet an einer starken Form von Asthma. Erkrankte er an einem Grippe-Virus, sank seine Lungenkapazität teilweise auf 40 bis 50 Prozent. «Er hat stark geröchelt, musste immer wieder den Asthmaspray benutzen, erinnert sich seine Mutter Marlene Hürzeler. «In der Nacht ist er x-mal aufgewacht, weil es ihm nicht gut ging.»

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Marlene Hürzeler: «Er hatte immer wieder sehr starke Infekte.»
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Was hat sich seit der Pandemie verändert?

Jan Hürzeler geht es heute viel besser. Noch nie arbeitete seine Lunge so gut wie während den letzten anderthalb Jahren. Mit einer Lungenkapazität von 80 Prozent freut er sich über eine neue Lebensqualität: «Ich vergesse manchmal, dass ich Asthma habe», sagt er mit einem Lächeln im Gesicht. Nun kann er jeden Sport mitmachen und es geht ihm gut.

Auch Eddy Hungerbühlers Leben hat sich massiv verbessert. Er hat keine akuten Asthma-Anfälle mehr. In den Jahren 2020 und 2021 musste er kein einziges Mal in den Notfall. Ins Spital geht er nur noch zur jährlichen Kontrolle.

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Jan Hürzeler freut sich über die neue Lebensqualität.
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Sind das Einzelfälle?

Nein, Eddy Hungerbühler und Jan Hürzeler sind bei Weitem nicht die Einzigen. Im Kantonsspital Baselland wurden während der Pandemie bis zu 35 Prozent weniger Patienten mit akuten Asthmaerkrankungen hospitalisiert. Auch im Kinderspital Zürich sanken die Asthma-Notfälle bis vor Kurzem auf beinahe null.

Alexander Möller, Lungenspezialist für Kinder, beobachtet die medizin-wissenschaftliche Datenlage mit grossem Interesse: «Es gibt x Publikationen, die das interessante Phänomen angeschaut haben.» Ausländische Medienberichte bestätigen diesen Trend weltweit. Von den USA, Europa bis nach Asien mussten weniger Asthmatiker, wegen schweren Anfällen ins Spital.

Asthma-Fakten

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Legende: imago images
  • In der Schweiz ist jedes 10. Kind und jeder 14. Erwachsene von Asthma betroffen.
  • Wenn die Diagnose «Asthma» fällt, unterscheidet man zwischen folgenden Formen: «Allergisches Asthma», wenn ein Auslöser (Allergen) gefunden wird, «Angeborenes Asthma», was etwa bei extremen Frühgeburten (ungenügende Lungenreife) oder Gendefekten vorkommen kann und «Erworbenes Asthma», unter dem beispielsweise Raucherinnen und Raucher oder gewissen Berufsgruppen (Staublunge) leiden können.
  • Typischerweise leiden Betroffene unter: Husten, pfeifende Atmung, Atemnot, Kurzatmigkeit, Engegefühl in der Brust
    Unbehandelt kann eine Pollenallergie bei 30 Prozent der Personen zu Asthma führen. Man spricht dann von einem sogenannten «Etagenwechsel».

Was ist der Grund dafür?

Asthmaanfälle können durch verschiedene sogenannte «Trigger», ausgelöst werden. Sprich: Umwelteinflüsse wie Abgase, Feinstaub, Pollen oder Tierhaare. Der grösste Teil der Anfälle wird jedoch von saisonal wiederkehrenden Erkältungsviren getriggert. Sie sind die Auslöser der Anfälle, weil sie eine Entzündung hervorrufen, auf die Asthmatikerinnen und Asthmatiker überreagieren.

Durch die flächendeckenden Hygiene-Massnahmen während Corona blieben die saisonalen Viren aus. Asthmatiker profitierten also von Social Distancing, Händewaschen und Co.

Was bedeutet das für die Asthma-Forschung?

«Wenn wir Infekte verhindern könnten, würde das zu weniger Asthma-Anfällen führen.» Extra dafür entwickelte Medikamente, wie beispielsweise Immunstimulanzien, könnten in Zukunft helfen.

Jans Lungenarzt, Alexander Möller, ist überzeugt, dass die Erkenntnisse während der Pandemie-Zeit die Asthma-Forschung weiterbringen werden.

Puls, 13.12.2021, 21:05 Uhr

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14 Kommentare

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  • Kommentar von Michel Koller  (Mica)
    Wenn die Atemluft gefiltert wird, so hat man weniger Allergene, Keime etc., welche eine Entzündung auslösen können. Mir wurde als Jugendlicher auch das Maskentragen im Freien ans Herz gelegt aber ich bevorzugte die Behandlung mit Symbicort, da dies weniger einschränkend war. Ich frage mich allerdings wie der Körper reagiert, wenn diese Stoffe wieder ungefiltert in den Körper gelangen.
  • Kommentar von Denise Casagrande  (begulide)
    Menschheit und Pandemie-Vorteile erkennen, umdenken und endlich klare, entsprechende Ver-Änderungen vornehmen betreffend: aktiver Lebensqualität-Verbesserung weltweit, STOP der Umweltverschmutzung von Weltwirtschaft, Wirtschaft, Landwirtschaft,.... Mensch als "Konsument"!!
  • Kommentar von Mattias Derungs  (Mattias Cristian Derungs)
    Als Sportler mit Leistungsasthma ist mir dies auch aufgefallen, vor allem während dem Lockdown hatte ich viel weniger Beschwerden und konnte z.T. komplett auf den Asthmaspray vor bzw. nach dem Sport verzichten. Die Feinstaub- und Ozon-Belastungen waren in dieser Zeit auch deutlich weniger intensiv, was die Luftqualität generell verbesserte!