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Hotspot Intensivstationen – Wie ist die Situation heute?
Aus Puls vom 14.09.2020.
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Wachsame Spitäler Covid-19: Intensivstationen rüsten sich für steigende Zahlen

Im Frühjahr fürchtete man eine Flut von Corona-Patienten. Auf den Herbst hin wächst die Sorge wieder.

Mitte März 2020: Schreckliche Bilder aus überfüllten Intensivstationen in Norditalien rüttelten auch in der Schweiz die Spitalverantwortlichen auf.

Am Universitätsspital Zürich funktionierten der Intensivmediziner Peter Steiger und sein Team vorsorglich eine ganze Intensivstation in eine abgeschirmte Covid-Station um und kämpften dort um das Leben der ersten schwerkranken Patienten. Damals war man auf norditalienische Verhältnisse gefasst.

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Peter Steiger am 16. März: «Wenn jetzt keine Zusatzmassnahmen ergriffen werden, haben wir in wenigen Wochen Verhältnisse wie in Italien.»
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So weit ist es dann doch nicht gekommen. Die Intensivstation hier war nie überfüllt.

Heute, ein halbes Jahr später, ist die Station längst wieder voll mit anderen Patienten. In Isolierzimmern wurden letzte Woche fünf Covid-Patientinnen und Patienten behandelt. Und zwei Zimmer werden wenn möglich jeweils für neue Covid-Patienten freigehalten.

Trotz steigender Fallzahlen ist ein Ansturm bisher ausgeblieben. Warum, ist auch für Intensivmediziner Steiger nicht restlos klar: «Ich habe befürchtet, dass es in den Sommerferien schneller anzieht und bin sehr angenehm überrascht, dass es nicht so war.»

Waren also das Aufrüsten der Intensivstation und sein Alarmismus vor einem halben Jahr übertrieben? Nein, findet Peter Steiger: «Dazu stehe ich immer noch. Und ich glaube, dass die Massnahmen des Bundesrates richtig waren. Nicht nur wegen dem Lockdown selbst, sondern auch weil sich so alle an die Schutzmassnahmen halten mussten. Das hat die Welle schon gebremst.»

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Peter Steiger am 14. September: «Der Lockdown hat etwas gebracht, weil die Leute sich an die Schutzmassnahmen halten mussten. Das hat die Welle gebremst.»
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Bemerkenswerterweise hat sich auch hier auf der Intensivstation bisher niemand angesteckt. Und bei der Behandlung der Covid-Patienten ist die anfängliche Nervosität gewichen. Probleme an anderen Organen als der Lunge überraschen niemanden mehr.

Gewisse experimentelle Medikamente können zwar helfen, sind aber bisher kaum matchentscheidend. Die Intensivmediziner haben gelernt, dass sie geduldig sein müssen mit den Covid-Patienten, die bis zu 120 Tage hier liegen. Kurz: Der Krankheitsverlauf ist viel besser bekannt als noch zu Beginn der Pandemie.

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«Wir wissen heute, wie der Verlauf von Covid ist und wo man etwas machen kann.»
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«Am Anfang war es eine Lungenerkrankung in China. Dann wurde es zu einem Todesmonster, das von Italien her auf uns zurollt», blickt Peter Steiger zurück. «Aus dem Todesmonster ist mittlerweile eine Krankheit geworden, von der wir wissen, dass sie alle Organe angreift, wie sie verläuft und wo man etwas machen kann.»

Covid hat also etwas von seinem Schrecken verloren. Doch übers Wochenende sind drei neue Patienten auf die Intensivstation gekommen. Peter Steiger überlegt nun, eine Station wieder nur für Covid-Patienten zu reservieren. Keine guten Aussichten.

Der lange Weg zurück aus der Intensivstation

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Legende:

Das Coronavirus traf Stephan Feuz und Josef Schmid im März mit Wucht. «Puls» begleitet die beiden seither auf dem langen Weg der Genesung.

Alle Folgen der Serie: Covid-19 überstanden – und dann?

Puls, 14.09.2020, 21:05 Uhr

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14 Kommentare

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  • Kommentar von Mike Steiner  (M. Steiner)
    Die zweite Welle wird umso länger dauern und umso heftiger werden, je länger wir den Coronaleugnern, Maskenverweigerern, Verschwörungstheoretikern u. dgl. nicht entschlossen begegnen. Es braucht mehr Kontrollen und Bussen bei Verstössen gegen die erlassenen Regeln und Prozesse für das Verbreiten von Falschinformationen. Das ist im weitesten Sinne Zensur, jawohl. Aber Zensur, die im Gegensatz zur Geschichte Leben rettet statt sie zu verachten.
  • Kommentar von Marc Schlatter  (Marc Rafael)
    In ihrem fachwissenschaftlichen ,Thesenpapier 4.0' empfehlen Püschel, Gruhl et. al., die eingerichteten Intensivbehandlungskapazitäten aufrechtzuerhalten, sich aber vom flächendeckenden Testen abzuwenden und die Tests bei Gruppen mit erhöhter Ansteckungsgefahr (Gesundheitsangestellten, Lehrpersonen u. dgl.) zu verwenden. Desgleichen sei bei der Verwendung von Masken die Einschätzung des Infektionsrisikos zu beachten "1 Stunde Aufenthalt Supermarkt, [...] 0,01%". Bzgl. Lage sehr empfehlenswert.
  • Kommentar von René Isenschmid  (Luzerner30)
    Genau so sollte man berichten: Sachlich, ruhig und realistisch. Meinen Dank an den Schreiber und an Peter Steiger. Es gilt weiterhin die Vorgaben möglichst gut einzuhalten und mit einem kleinen bisschen an Rücksicht der Gesellschaft, und insbesondere den Schwächeren unter uns, einen grossen Dienst zu erweisen. Uns geht es allen sehr gut in der Schweiz, da ist das keineswegs zu viel verlangt.
    1. Antwort von Marc Schlatter  (Marc Rafael)
      Als sachlich würde ich den Bericht jetzt nicht bezeichnen, dafür ist wohl die Sache zu komplex. Dass SRF Herrn Steigers mediale Rolle, insbesondere ja bei SRF, als Alarmismus bezeichnet, verblüfft, und wiegt es etwas auf, dass man zum Schluss doch wieder in die allgemeine Besorgnis einstimmt. Was im Winter auf uns zukommt, ebenso, wie, was sich nach über einem halben Jahr der intensivsten Forschung dazu sagen liesse, bleibt extrem diffus.