Der Hantavirus-Ausbruch auf der «Hondius» neigt sich dem Ende zu. Das ist die Einschätzung der Weltgesundheitsorganisation WHO. Auf der Plattform X schrieb WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus: Die Lage bleibe stabil. Alle Kontaktpersonen der beiden Fälle, die in Südafrika identifiziert worden seien, hätten ihre Nachbeobachtungszeit abgeschlossen, ohne dass weitere Fälle gemeldet worden seien. Auch in Spanien und den Niederlanden seien die Quarantäne- und Nachbeobachtungszeiten abgeschlossen. 30 Kontaktpersonen würden noch beobachtet, hiess es weiter. Die Gesamtzahl der Fälle liege bei 13, darunter drei Todesfälle.
Was war passiert? Auf dem Kreuzfahrtschiff «Hondius» war am 11. April ein Passagier gestorben. Dass es sich um eine Hantavirus-Infektion gehandelt hatte, wurde allerdings erst am 2. Mai bestätigt. Hantavirus-Infektionen sind selten, nicht zuletzt deshalb fiel der Verdacht erst spät auf diesen Erreger. Am 10. Mai legte die «Hondius» auf Teneriffa an, die Passagiere wurden von der Ferieninsel ausgeflogen.
War das eine neue, gefährlichere oder ansteckendere Variante? Diese Frage stand schnell im Raum. Die Antwort ist: nein. Die wissenschaftlichen Untersuchungen zeigten klar, dass der Ausbruch von einer schon lange bekannten Variante ausging. Dass es zu verhältnismässig vielen Ansteckungen kam, lag nicht an der Variante, sondern an der besonderen Situation: Die erste infizierte Person, ein 70-jähriger Mann, hatte das Schiff bestiegen, bevor er wirklich krank wurde. Was dann auf dem Schiff geschah, ging von dieser einen Person aus. Er steckte eine weitere Person an, seine Ehefrau. Darauf folgten noch zwei weitere Generationen mit Übertragungen. All das geschah, bevor auf dem Schiff strenge Infektionsschutzmassnahmen ergriffen wurden. Fazit: Die engen Verhältnisse auf dem Kreuzfahrtschiff mit 147 Passagieren begünstigten, dass das Virus sich ausbreiten konnte.
Wie gefährlich ist das Hantavirus? Hantaviren sind bei Nagern auch in Europa weitvverbreitet, eine Ansteckung auch mit hiesigen Varianten kann selten auch schwer krank machen, meistens aber verläuft die Erkrankung mild. In Südamerika ist die gefährlichere Andes-Variante in Langschwanz-Zwergreisratten verbreitet. Diese Variante kann das Einlagern von Flüssigkeit in die Lunge (Lungenödem) und einen Kreislaufschock auslösen, was innerhalb von Stunden zu Atemstillstand oder Herz-Kreislauf-Versagen führen kann. Die Andes-Variante ist auch die einzige Hantavirusvariante, für die Mensch-zu-Mensch-Übertragungen bekannt sind.
Wo hat sich die erste infizierte Person angesteckt? Das ist immer noch nicht geklärt. Zunächst wurde gemutmasst, sie hätte sich beim Vogelbeobachten auf einer Müllhalde in Argentinien angesteckt. Das wurde untersucht und das Virus aber nicht in Nagetieren dort gefunden. Die erste Ansteckung muss demnach woanders stattgefunden haben. Die Frage, wo und wann, ist nicht zuletzt deshalb relevant, weil das Auskunft gibt über die Inkubationszeit, also wie lange es von Ansteckung bis Krankheitsausbruch dauerte. Die offiziellen Angaben reichen hier bisher von ein bis sechs Wochen. Das hätte allenfalls Konsequenzen dafür, wie lange Massnahmen notwendig sind, um zukünftige Ausbrüche einzudämmen.