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Wie Tiere die Klimakrise überleben
Aus Einstein vom 17.11.2022.
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Immer längere Hitzeperioden Der Klimawandel beeinflusst das Leben der Erdmännchen

Dürren, ausgetrocknete Gewässer, extreme Temperaturen. Die Erde wird immer heisser, die Hitzeperioden länger. Was bedeutet das für die Tiere auf unserem Planeten?

Schon jetzt sind die hohen Temperaturen für viele ein grosser Stress. Dies gilt auch für die Erdmännchen, die in der Kalahari, einer Trockensavanne, zu Hause sind. Die Tiere leiden bereits heute messbar unter den langen Hitzeperioden.

Marta Manser ist Professorin für Verhaltensbiologie an der Universität Zürich und erforscht die quirligen Erdmännchen schon seit über 27 Jahren. Mehrere Monate im Jahr verbringt sie am Kalahari Research Center in Südafrika und erforscht, wie die Tiere mit den sich ändernden Umweltbedingungen zurechtkommen.

Ab auf die Waage

Ein aussagekräftiger Indikator für die Forscherin ist das Gewicht der Tiere. So hat sie herausgefunden, dass die drei Monate alten Jungtiere heute leichter sind als früher.

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Erdmännchen in Gefahr
Aus Einstein vom 17.11.2022.
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Dies spiegele klar den Temperaturanstieg wider, so Manser. «In den letzten fünfzehn Jahren haben sich die Tage, an denen es über 42 Grad Celsius heiss war, klar gehäuft. Dann ist auch der Sand morgens um 10 Uhr bereits 65 Grad heiss. Das macht die Nahrungssuche für die Erdmännchen schwierig», so Manser «Und finden die Tiere zu wenig Nahrung, können sie ihre Jungtiere nicht ausreichend mit Futter versorgen und es fehlt ihnen die Energie, um sich fortzupflanzen.»

Gefährliche Futtersuche

Aber auch andere Gefahren haben zugenommen: Normalerweise übernimmt immer ein Tier die Wächterposition und alarmiert die anderen mit lauten Rufen, sollte sich ein Fressfeind nähern. Diese Rolle fällt in Hungerzeiten oft weg, hat Manser herausgefunden. Jedes einzelne Tier muss sich jetzt an der Futtersuche beteiligen. Doch ohne die «Wächter» sind die einzelnen Tiere leichte Beute für Fressfeinde. «Innerhalb der letzten zwei Dürreperioden ist die Population bereits um 50 Prozent gesunken», erklärt Marta Manser. «Es braucht mehrere Jahre, bis sich die Gruppe wieder erholen kann».

Innerhalb der letzten zwei Dürreperioden ist die Population bereits um 50 Prozent gesunken.
Autor: Marta Manser Verhaltensbiologin

Die Forschenden haben unterschiedliche Zukunftsszenarien berechnet. Ein Szenario zeigt ein düsteres Bild: Geht es mit den Dürrezeiten so weiter, wie in den letzten 15 Jahren, könnten die Erdmännchen in der Kalahari bis im Jahr 2050 ausgestorben sein. Das andere Szenario zeigt ein erfreulicheres Bild: Falls in den nächsten Jahren regelmässig Regenzeiten auf die Dürrezeiten folgen, ist es möglich, dass sich der Bestand wieder erholt.

Survival of the fittest

Die Forschungsergebnisse von Marta Manser decken sich mit Studien von anderen Wissenschaftlern über den Zustand von Vogel- oder Reptilien-Populationen in der Kalahari. Auch diese Tiere können ihre Jungtiere nicht mehr ausreichend mit Nahrung versorgen.

«Jetzt müssen wir über mehrere Jahre hinweg weiter schauen, wie sich die verschiedenen Tierarten verhalten. Einige können sich bestimmt an die veränderten Lebensbedingungen anpassen. Einige werden es aber wohl nicht schaffen.», sagt Marta Manser.

SRF 1, Einstein, 10.11.20222, 21:05 Uhr

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