Normalerweise stehen bei uns die Wälder um diese Jahreszeit in tiefem Grün. Dieses Jahr aber sind die Blätter schon jetzt gelb-braun verfärbt oder eingerollt, teils sind Bäume bereits komplett kahl. Der Wald leidet und ausreichend Regenfälle sind nicht in Sicht. Wissenschaftsredaktorin Felicitas Erzinger ordnet ein.
Wie gross ist das Leiden der Wälder?
Das genaue Ausmass der Trockenheit auf die Wälder lässt sich jetzt noch nicht abschätzen. Was man aber sagen kann: Es ist noch früh im Jahr, der Sommer also noch jung, und trotzdem haben die Bäume ihren Notvorrat an Wasser an einigen Orten schon aufgebraucht. Normalerweise ist das erst im September, Oktober der Fall. Sie sind dort nun also vom Niederschlag abhängig, und da stehen die Prognosen nicht gut. Die extreme Trockenheit auf der Alpennordseite und im Wallis wird sich fortsetzen und teilweise noch verstärken. Mögliche Linderung ist damit in weiter Ferne. Fachleute rechnen damit, dass viele Bäume absterben könnten.
Sind alle Schweizer Wälder betroffen?
Aktuell sichtbar ist es vor allem am Jurabogen. Dort gibt es wenig Erde und viel Kalkstein. Der Boden trocknet darum besonders schnell aus. Vom Jura über Solothurn, Aargau, Basel und Zürich bis nach Schaffhausen gibt es daher sehr viele Meldungen über gestresste Bäume – aber auch bereits darüber hinaus. Je weiter man hingegen Richtung Voralpen geht, desto besser stellt sich die Situation dar. So der aktuelle Stand Anfang/Mitte Juli. Es ist aber damit zu rechnen, dass mehr und mehr Gebiete dazukommen, je länger die Trockenheit andauert. Auch im Wallis oder im Tessin ist das Wasserdefizit bereits sehr gross.
Mit welchen langfristigen Folgen ist zu rechnen?
Was passiert, wenn die Wälder austrocknen, konnten wir nach früheren Trockenjahren 2018 oder auch 2022 bereits beobachten. Im schlimmsten Fall sterben die betroffenen Bäume ab, teils auch, weil sie geschwächt anfälliger sind für Schädlinge und Krankheiten. Und das hat Auswirkungen auf verschiedene Funktionen, die der Wald für uns Menschen erfüllt: Erholung, Kühlung, aber auch die Holzproduktion, Biomasseproduktion oder Schutzwaldfunktion.
Wie können die Wälder für die Zukunft angepasst werden?
Sie müssen klimaresistenter werden. Dazu braucht es Baumarten, die Hitze und Trockenheit besser vertragen. Edellaubhölzer wie die Mehlbeere, Elsbeere oder Speierling gehören dazu und werden auch bereits gezielt gefördert. Auch Eiche, Spitzahorn, Eschen oder Kirschen können gut mit der Trockenheit umgehen. Doch auch diese Arten haben ihre Toleranzgrenzen, das zeigt sich derzeit eindrücklich an den extremen Standorten entlang des Jurabogens. Auch sie leiden dort unter Trockenstress, das haben Fachleute so nicht erwartet. Und es macht nochmal deutlich, wie extrem und aussergewöhnlich die aktuelle Situation ist.