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Herbst im Juli Trocken und welk: Der Schweizer Wald leidet

Normalerweise stehen bei uns die Wälder um diese Jahreszeit in tiefem Grün. Dieses Jahr aber sind die Blätter schon jetzt gelb-braun verfärbt oder eingerollt, teils sind Bäume bereits komplett kahl. Der Wald leidet und ausreichend Regenfälle sind nicht in Sicht. Wissenschaftsredaktorin Felicitas Erzinger ordnet ein.

Felicitas Erzinger

Wissenschaftsredaktorin

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Felicitas Erzinger arbeitet seit 2022 für die SRF-Wissenschaftsredaktion. Sie hat Umweltwissenschaften studiert und hat einen Doktortitel in Biologie.

Wie gross ist das Leiden der Wälder?

Das genaue Ausmass der Trockenheit auf die Wälder lässt sich jetzt noch nicht abschätzen. Was man aber sagen kann: Es ist noch früh im Jahr, der Sommer also noch jung, und trotzdem haben die Bäume ihren Notvorrat an Wasser an einigen Orten schon aufgebraucht. Normalerweise ist das erst im September, Oktober der Fall. Sie sind dort nun also vom Niederschlag abhängig, und da stehen die Prognosen nicht gut. Die extreme Trockenheit auf der Alpennordseite und im Wallis wird sich fortsetzen und teilweise noch verstärken. Mögliche Linderung ist damit in weiter Ferne. Fachleute rechnen damit, dass viele Bäume absterben könnten.

Viele trockene Blätter bedecken den Boden im Wald.
Legende: Ungewöhnlich für diese Jahreszeit: An einem Nordhang ist der Boden mit grünen, trockenen Buchenblättern übersät. Zerreibt man sie zwischen den Fingern, werden sie zu Staub, berichtet Waldökologe Frank Krumm. Frank Krumm

Sind alle Schweizer Wälder betroffen?

Aktuell sichtbar ist es vor allem am Jurabogen. Dort gibt es wenig Erde und viel Kalkstein. Der Boden trocknet darum besonders schnell aus. Vom Jura über Solothurn, Aargau, Basel und Zürich bis nach Schaffhausen gibt es daher sehr viele Meldungen über gestresste Bäume – aber auch bereits darüber hinaus. Je weiter man hingegen Richtung Voralpen geht, desto besser stellt sich die Situation dar. So der aktuelle Stand Anfang/Mitte Juli. Es ist aber damit zu rechnen, dass mehr und mehr Gebiete dazukommen, je länger die Trockenheit andauert. Auch im Wallis oder im Tessin ist das Wasserdefizit bereits sehr gross.

Blick auf bewaldeten Hügel unter blauem Himmel.
Legende: Buchen sind bei Trockenheit als erste und am stärksten betroffen, wie hier an einem Südhang im Solothurner Jura. Daniel Lopez

Mit welchen langfristigen Folgen ist zu rechnen?

Was passiert, wenn die Wälder austrocknen, konnten wir nach früheren Trockenjahren 2018 oder auch 2022 bereits beobachten. Im schlimmsten Fall sterben die betroffenen Bäume ab, teils auch, weil sie geschwächt anfälliger sind für Schädlinge und Krankheiten. Und das hat Auswirkungen auf verschiedene Funktionen, die der Wald für uns Menschen erfüllt: Erholung, Kühlung, aber auch die Holzproduktion, Biomasseproduktion oder Schutzwaldfunktion.

Auch im Boden ist es viel zu warm

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Karte der Schweiz mit markierten Orten und Zahlen in farbigen Kreisen.
Legende: grafana.wsl.ch

Bei drei Vierteln der Messstationen liegen die aktuellen Bodentemperaturen auf Rekordniveau. Im Schnitt ist es rund 2 bis 2.5 Grad wärmer als üblich für diese Jahreszeit. An einzelnen Standorten im Wallis und Jura liegen die Bodentemperaturen sogar bis zu 4.5 Grad über dem langjährigen Mittel. Das zeigen Messungen der Eidgenössischen Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft WSL.

Diese hohen Bodentemperaturen erhöhen den Wasserbedarf der Bäume.

Wie können die Wälder für die Zukunft angepasst werden?

Sie müssen klimaresistenter werden. Dazu braucht es Baumarten, die Hitze und Trockenheit besser vertragen. Edellaubhölzer wie die Mehlbeere, Elsbeere oder Speierling gehören dazu und werden auch bereits gezielt gefördert. Auch Eiche, Spitzahorn, Eschen oder Kirschen können gut mit der Trockenheit umgehen. Doch auch diese Arten haben ihre Toleranzgrenzen, das zeigt sich derzeit eindrücklich an den extremen Standorten entlang des Jurabogens. Auch sie leiden dort unter Trockenstress, das haben Fachleute so nicht erwartet. Und es macht nochmal deutlich, wie extrem und aussergewöhnlich die aktuelle Situation ist.

Radio SRF 1, Echo der Zeit, 9.7.2026, 18:00 Uhr ; 

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