Ein steter Strom von CO₂ kommt aus den Kehrichtverbrennungsanlagen, den KVA. Und trotz Recycling und Kreislaufwirtschaft wird wohl auch in Zukunft noch einiges an Abfall verbrannt. Das dabei entstehende CO₂ soll abgefangen und entsorgt werden, damit die Schweiz ihr Klimaziel von «Netto Null» bis im Jahr 2050 erreichen kann.
Wie genau das gelingen kann ist allerdings noch nicht klar. Sowohl beim Herausfischen von CO₂ aus dem Abgas, dem sogenannten Abscheiden. Aber auch, wo das eingefangene CO₂ nachher hin soll. Angedacht ist ein Einlagern in den Boden, etwa in Norwegen oder Dänemark. Und ebenfalls offen ist die Finanzierung.
Noch kaum Erfahrung
Ein Pilotprojekt soll jetzt ausloten, wie gut die Technik in der Realität einer Schweizer KVA funktioniert. Dazu wird in der Kezo Hinwil, der Kehrichtverwertungsanlage im Zürcher Oberland, in den nächsten Monaten eine Testanlage eingebaut. «Wir wollen wissen, wie sich die Technologie bewährt, wie stabil der Prozess betrieben werden kann und wie viel Energie effektiv benötigt wird für die CO₂-Abscheidung. Und auch wie es aussieht mit der Materialbeständigkeit», sagt Urs Dubs, der Verantwortliche für die Pilotanlage. Es gehe darum, Erfahrungen zu sammeln.
Zeitplan geht nicht auf
Eine Vereinbarung mit dem Bund sieht eigentlich vor, dass bis im Jahr 2030 eine Kehrichtverbrennungsanlage komplett mit CO₂-Abscheidung ausgerüstet sein soll. Die Kezo Hinwil wollte dies bei einem geplanten Neubau umsetzen. Doch als sich Projektleiter Urs Dubs bei der Planung eingehender damit befasste, zeigte sich, dass es sehr viele offene Fragen gibt.
- Welche Technologie soll eingesetzt werden?
- Wie würde das CO₂ abtransportiert?
- Wer bezahlt das alles?
Der Neubau wird zwar grundsätzlich so geplant, dass ein nachträgliches Einbauen einer CO₂-Anlage einfacher möglich ist. Aufgrund der unerwarteten Herausforderungen wird jetzt aber lediglich eine Pilotanlage realisiert, die 0.5 Prozent des Abgases behandelt.
Giftstoffe aus dem Kamin
Mit der CO₂-Abscheidung gibt es erst wenig Erfahrung, auch international. Am gängigsten sind heute sogenannte Waschverfahren. Dabei wird das Abgas durch eine Flüssigkeit geleitet, in der CO₂ an bestimmte Moleküle bindet.
Bei der Aminwäsche kann es zu Nebenprodukten kommen, die via Kamin in die Umwelt gelangen. Zusätzliche Reinigungsstufen wären dann notwendig.
Am häufigsten wird die sogenannte Aminwäsche eingesetzt – eine etablierte Technik. Doch sie hat ungelöste Schwierigkeiten: «Es kann zu Nebenprodukten kommen, die via Kamin in die Umwelt gelangen. Zusätzliche Reinigungsstufen wären dann notwendig», so Urs Dubs. Teilweise sind das krebserregende Verbindungen.
Es ist deshalb fraglich, ob eine solche Anlage mit Aminwäsche in einer Schweizer KVA zeitnah eine Bewilligung bekäme. Bei der Kezo Hinwil entschied man sich deshalb für das HPC Waschverfahren, das eine ungiftige Waschlösung aus Kaliumkarbonat benutzt – aber dafür mehr Energie benötigt.
Teure Technik verteuert den Abfall
Klar ist: Das Ziel einer kompletten Anlage in der Schweiz bis im Jahr 2030 wird nicht erreicht werden. Und es ist auch unklar, ob die Technik der CO₂-Abscheidung bei Kehrichtverbrennungsanlagen überhaupt im grossen Stil kommt. Denn die Technik ist teuer: Sie verlangt Anfangsinvestitionen von hunderten Millionen Franken und jährliche Betriebskosten in zweistelliger Millionenhöhe.
Dies würde die Abfallentsorgung schätzungsweise doppelt bis drei Mal so teuer wie heute machen. Ob diese Investitionen getätigt werden, ist deshalb ein politischer Entscheid.