Er sei schon vor zehn Jahren überzeugt gewesen, dass KIs, die Fotos und Videos generieren können, zu einem ernsthaften Problem werden würden, sagt Felix Franke. Weil sogenannte «Deepfakes» die Wahrheit angreifen und zu digitalem Misstrauen führten. Da habe er sich gedacht: Dagegen wolle er etwas tun.
Franke ist Professor für quantitative visuelle Physiologie am Institut für Klinische und Molekulare Ophthalmologie in Basel. So kryptisch, wie seine Funktionsbezeichnung klingt, so kryptisch ist auch das, was er zusammen mit einem Team seit 2017 für die ETH Zürich entwickelt hat: Einen speziellen Chip, der Deepfakes unmöglich machen soll, indem er jedem digital erzeugten Medium ein fälschungssicheres Siegel aufdrückt.
Nur so könne man gegen die Flut an Manipulationen ankommen. Geschulte menschliche Augen reichten dagegen schon lange nicht mehr aus.
Eine Signatur für die Realität
Die Idee hinter dem Chip: Er ist direkt eingebaut auf dem Sensor einer Kamera. Dort erzeugt er eine Signatur, eine kryptografisch signierte Zahl. Sie beweist, dass das Bild oder Video aus einem echten Sensor stammt.
Diese Signatur wird für das menschliche Auge unsichtbar ins Bild eingebettet. Wer das Bild verändert, verändert automatisch auch die Signatur und macht sie damit ungültig.
So lässt sich auch noch später überprüfen, ob eine Aufnahme manipuliert wurde. Wer die Daten nachträglich fälschen wollte, müsste sich dazu physisch am Chip selbst zu schaffen machen – ein Aufwand, der die massenhafte Produktion von Deepfakes erheblich erschweren würde.
Die Signaturen könnten von Kameraherstellern in einem öffentlich zugänglichen, unveränderlichen Register gespeichert werden – etwa einer Blockchain. Dann könnten Nutzerinnen und Nutzer, aber auch Plattformen, Medienschaffende oder Behörden die Echtheit von Aufnahmen selbstständig prüfen, ohne auf die Vertrauenswürdigkeit einzelner Beteiligter angewiesen zu sein.
Dank der Signierung könnte zum Beispiel eine Social Media Plattform bereits beim Hochladen eines Fotos automatisch erkennen, ob es künstlich erstellt oder manipuliert wurde. Und bei einem Bild, das aus einem verifizierten Sensor stammt, ein kleines grünes Häkchen anzeigen.
Noch ist der Chip ein Prototyp
Dass das Konzept funktioniert, konnte das Team von Felix Franke mit dem Chip beweisen. Die Herausforderung liegt nun darin, Hersteller von beispielsweise Kameras und Smartphones dazu zu bewegen, den Chip in ihre Produkte einzubauen. Franke denkt, dass dazu auch gesellschaftlicher und politischer Druck auf die Unternehmen notwendig sein wird.
Bis dahin bleibt die Erkennung von Deepfakes eine Herausforderung – oder sogar ein Ding der Unmöglichkeit, meint Franke, in Anbetracht der schieren Masse an Fotos und Videos. Solange keine Technologie vorhanden ist, die Aufnahmen signiert und ihre Echtheit garantiert.