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Pompeji: Es wird nicht mehr gegraben
Aus Kultur-Aktualität vom 06.01.2021.
abspielen. Laufzeit 03:29 Minuten.
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Archäologie und Kunstraub Pompeji ist ein Paradies für Plünderer

Rund ein Drittel der antiken römischen Stadt Pompeji liegt noch immer unter Schutt und Asche begraben. Das lockt ungebetene Gäste an.

Ende 2020 sorgte die Freilegung eines «Thermopoliums» in Pompeji für Aufsehen. Es wurde eine Art antiker Fastfood-Stand ausgegraben. Ein kleines Lokal, das die Einwohner der einst wohlhabenden römischen Stadt mit Essen und Trinken versorgte.

In den nahezu perfekt erhaltenen Behältern dieses Fastfood-Lokals entdeckten die Archäologen Reste von Wein und Lebensmitteln. Und die ausgezeichnet erhaltene Fresken geben Auskunft über die Produkte des antiken Wirtes.

Ein Drittel der Stadt liegt noch immer begraben

In Pompeji gibt es aber noch viel mehr zu entdecken. Denn noch immer liegt rund ein Drittel der antiken Stadt unter einer metertiefen Schicht aus Lava und Lapillibomben begraben.

Es handelt sich vor allem um Bauten und Stadtrandviertel aus vor-römischer Zeit. Keine antiken Luxusvillen zwar, doch über das einstige Leben in der römischen Kleinstadt können auch andere Wohnhaustypen und Geschäfte Auskunft geben.

Unterbrochene Grabungsgeschichte

In Pompeji wurde Mitte des 18. Jahrhunderts mit ersten archäologischen Grabungen begonnen. Ende des 19. Jahrhunderts intensivierten sie sich, um dann Anfang der 1950er-Jahre ins Stocken zu geraten.

Zunehmend konzentrierten sich die verantwortlichen Archäologinnen und Archäologen um den Erhalt des Ausgegrabenen. Irgendwann soll wieder mit neuen Grabungen im grossen Stil begonnen werden. Wann genau, ist unklar.

Legende: Antiker Porzellan-Laden: Seit den 1950er-Jahren kümmern sich Archäologen in Pompeji vor allem um den Erhalt dieser antiken Funde. Getty Images / Ricky Kresslein

Jubel bei Kunsträubern

Die einzigen, die systematisch – wenn auch klammheimlich – in Pompeji graben, sind Kunstdiebe. Fast ungestört treiben sie ihr illegales Handwerk. So tauchen auf dem internationalen Kunstmarkt immer wieder Objekte aus dem antiken Pompeji auf.

Die Leitung des archäologischen Parks von Pompeji scheint angesichts der gut organisierten Kunstdiebe allerdings machtlos zu sein. Aus diesem Grund fordern viele Archäologen, dass mit Grabungen wieder systematisch begonnen wird.

Eine nationale Plage

Kunstdiebe sind in Italien überall dort aktiv, wo archäologische Parks nicht rund um die Uhr kontrolliert werden. Oftmals ist das, wie eben in Pompeji, aufgrund der Grösse der Grabungen und des noch nicht ausgegrabenen Geländes nicht möglich.

Das macht es illegalen Kunstgräbern leicht, ihrer Tätig nachzugehen. Das gleiche Problem herrscht im Tal der Tempel bei Agrigent auf Sizilien oder bei Metaponto in Kalabrien.

Verborgenes wird zerstört

Italien besitzt so viele antike Dinge im Erdreich, dass diese nicht selten gar nicht ausgegraben oder sogar zerstört werden. Wie etwa beim Bau der neuen U-Bahnlinie in Rom, beim Streckenabschnitt zwischen Kolosseum und Kapitolshügel.

Von Seiten der Regierung heisst es, dass wichtige Funde in der neuen U-Bahnstation bei der Piazza Venezia ausgestellt werden sollen. Archäologen wollen jedoch erfahren haben, dass bei den Bohrarbeiten tief im Erdreich viel Antikes vernichtet wird.

Doch solche Schäden – das geben selbst Archäologen zu – lassen sich in einem Land, das schon in der Antike dicht besiedelt war, nicht verhindern.

SRF 2 Kultur, Kultur Aktualität, 06.01.2021, 07:06 Uhr.

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5 Kommentare

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  • Kommentar von Vergari Piergiorgio  (Piero Giorgio)
    Was leider nicht erwähnt wurde, ist welche Rolle unser schönes grünes Land in diesem Zusammenhang spielt.
    Nur ein Beispiel:"Mehr als 4500 gestohlene archäologische Fundstücke: So viele hat die Schweiz aus dem Verkehr gezogen und nach Italien zurückgeführt", Tagesanzeiger,21.01.15, und noch:"Die Schweiz gilt als Hort und Drehscheibe des weltweiten illegalen Kulturgüterhandels", Tagesanzeiger, 21.05.15
  • Kommentar von Christophe Bühler  ((Bühli))
    Schaut man in Pompeji wie viele Siedlungen in der unmittelbaren Umgebung illegal gebaut wurden und welche Armut und Zustände dort herrschen, dann ist die Camorra und die Arbeit durch Raubgrabungen und illegale Abfallverwertung nicht weit. Der Staat ist unfähig in dieser Gegend die vom Zivilschutz vorgegebenen Freihalteflächen frei zu halten, bzw die illegalen Bauten abzureissen. Im GPS sind viele existierende Strassen und Gebäude nicht ersichtlich (NoGoAreas)
  • Kommentar von Caterina Ruch-Cosenza  (Caruco)
    Metaponto liegt in der Provinz Matera und somit in der Basilicata und nicht in Kalabrien.