Dalai Lama, Freund der Forscher

Der Dalai Lama ist auf Schweiz-Tournee. Und im Rahmen dieser Tournee trifft er sich auch mit Schweizer Forschern und Forscherinnen – etwa an der Universität Lausanne. Mit ihnen sprach er über das Altern, das Sterben und das Verhältnis von Wissenschaft und Religion.

Der Dalai Lama kleidete sich für seinen Auftritt an der Uni Lausanne mit der Schirmmütze der Hochschule. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Lebhafte Diskussion über Wissenschaft: Der Dalai Lama kleidete sich für seinen Auftritt an der Uni Lausanne standesgemäss. Keystone

Auf den ersten Blick ist es eine ungewöhnliche Kombination: Wissenschaft und Religion. Doch der Dalai Lama trifft sich regelmässig mit Forschern und Forscherinnen. Seit seiner Kindheit sei er fasziniert gewesen von Technik und Wissenschaft, erzählt er am Montag an der Universität Lausanne. Und als Dalai Lama führe er seit mehr als 40 Jahren den Dialog mit der modernen Forschung.

Buddhistische Kopfarbeit

Die Wissenschaft steht für das religöse Oberhaupt der Tibeter nicht im Widerspruch zum Glauben. Im Gegenteil. Bei beiden sei die menschliche Intelligenz das wichtigste Analyse-Werkzeug.Auch Buddha habe seinen Anhängern gesagt, sie sollten ihm nicht aus reinem Glauben oder Unterwerfung folgen, sondern sie sollten seine Lehre mit dem Verstand erfassen.

«Unterschiedlich ist nur die Methode», sagt der Dalai Lama. «Der Wissenschaftler experimentiert im Labor. Der Buddhist hingegen setzt vor allem die Logik ein. Er nutzt sozusagen das Labor in seinem Kopf.»

Vor allem vier Wissenschaftsgebiete interessieren den Dalai Lama: die Kosmologie mit der Urknall-Theorie, die Bewusstseinsforschung, die Quantenphysik und die Psychologie.

Fragen und Antworten

Am Treffen mit den Wissenschaftlern in Lausanne stehen das Altern und das Sterben im Zentrum. Die versammelten Forscher haben Fragen vorbereitet, die sie mit dem Dalai Lama diskutieren möchten. Etwa diese: Was seine Heiligkeit davon halte, dass Wissenschaft und Technologie im Westen immer mehr dazu eingesetzt würden, die Grenzen, die Krankheit und Tod setzen, zu verschieben oder sich diesen Grenzen gar zu widersetzen?

«Das ist hochwillkommen, wenn Sie das können», antwortet der Dalai Lama, und wie so oft an diesem Tag schaut der Schalk aus seinen Augen. Es komme aber sehr darauf an, wie das Leben sei, das man verlängere oder gar endlos mache: «Wenn das verlängerte Leben vor allem aus Emotionen besteht, die einem das Leben schwer machen, dann schafft man damit in erster Linie mehr Probleme.»

Organspenden? Na, klar! 

Der Dalai Lama nach der Veranstaltung mit Universitätsrektor Dominique Arlettaz. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Zuschauer beeindruckt: Der Dalai Lama nach der Veranstaltung mit Universitätsrektor Dominique Arlettaz. Keystone

Doch das Oberhaupt der Tibeter gibt manchmal auch ganz konkrete Antworten. Etwa auf die Frage, ob man seinen Körper nach dem Tod für die Organspende zur Verfügung stellen solle: Klar, den Körper einfach zu verbrennen, sei doch Verschwendung.

Mit solchen Aussagen, seiner Affinität zur Wissenschaft und seinem Charme hat der Dalai Lama an diesem Tag wohl einige der versammelten Forscher in Lausanne für sich eingenommen.